Wenn ein Gebäude den Besitzer wechselt, kann das für diejenigen, die darin wohnen oder arbeiten, unangenehme Folgen haben. Das ist auch dann nicht anders, wenn eine Stadt der Käufer ist. Dies zeigt ein Fall, der mit dem Schiesser-Gelände zusammenhängt. Die Stadt Stockach hatte Grundstücke rund um das frühere Gebäude der Firma Schiesser gekauft, wie Bürgermeister Rainer Stolz Ende Mai bestätigte.

Die Firma Qiagen, die dort ansässig ist, plant schon länger den Wegzug. Ein Neubau im Gewerbegebiet Blumhof geht der Fertigstellung entgegen. Weniger freiwillig muss zum Ende des Jahres auch Ramez Mahmo dort ausziehen. Er betreibt in einem Gebäude, das an die Heinrich-Fahr-Straße grenzt, die Shisha-Bar Diamond Lounge.

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2013 sei er mit der Bar dort eingezogen, erzählt der Syrer, der seit 2001 in Deutschland ist. Zuletzt habe er die Miete an einen Insolvenzverwalter überwiesen, ehe die Stadt das Gebäude gekauft habe. Der ursprüngliche Mietvertrag hätte Ende Juli auslaufen sollen, erzählt Mahmo. Die Stadt habe ihn nun bis Ende des Jahres verlängert. Doch dass er dann definitiv ausziehen muss, macht ihm Sorgen.

Erst Anfang des Jahres habe er aufgrund gesetzlicher Verschärfungen in eine neue Zuluft-Anlage investiert, was vom Gewerbeamt auch verlangt worden sei. Zudem würden noch Leasing-Verträge für Kasse, Kaffeemaschine oder Geschäftsauto laufen. Außerdem werde er demnächst zum dritten Mal Vater.

Vergebliche Hoffnung auf Hilfe seitens der Stadt

Als Zahler von Gewerbesteuer habe er gehofft, dass die Stadt ihm bei der Suche nach anderen Räumen hilft. Bei einem privaten Vermieter wäre er davon nicht ausgegangen, sagt Mahmo: „Aber bei einer Stadt erwartet man etwas anderes.“ Zumal es, das betont Mahmo, nie Probleme mit Alterskontrollen bei seinen Gästen gegeben habe. Er habe nie Menschen unter 18 Jahre in seine Shisha-Bar gelassen.

Nun ist er durchaus auch selbst auf der Suche nach anderen Räumen. Doch etwas Passendes mit Parkplätzen und wenigen Nachbarn gebe es praktisch nicht. Und für einen Neuanfang an anderer Stelle müsste er 30 000 bis 40 000 Euro investieren, da ist sich Mahmo sicher. Aus Stockach wegziehen will er trotzdem nicht, allein der Stammkunden wegen.

Die Stadt verteidigt ihr Handeln

Bürgermeister Rainer Stolz verteidigt die Haltung der Stadt. Er habe von Anfang an signalisiert, dass die Stadt das Gebäude nicht länger vermieten wolle, sagt der Verwaltungschef. Dass das Haus zum Verkauf stehe, wisse Mahmo schon länger. Zudem hätte es auch die Option gegeben, statt zu investieren früher aufzuhören. Und selbst wenn man den Mietvertrag immer wieder kurzfristig verlängere, womit Mahmo schon zufrieden wäre, hätte man dieselbe Situation nach wenigen Monaten wieder.

„Die Erwartung, es im Zeitfenster zu schaffen, habe ich mir abgeschminkt. Wir machen, was wir können.“ Rainer Stolz, Stockacher Bürgermeister, zum barrierefreien Umbau von Bushaltestellen
„Die Erwartung, es im Zeitfenster zu schaffen, habe ich mir abgeschminkt. Wir machen, was wir können.“ Rainer Stolz, Stockacher Bürgermeister, zum barrierefreien Umbau von Bushaltestellen | Bild: Arndt, Isabelle

Stolz sagt klar: „Wir wollen das Gebäude leer bekommen.“ Auch dem zweiten Mieter werde bei Gelegenheit gekündigt. Doch dort sehe der Mietvertrag anders aus als bei Mahmo. Für die weitere Nutzung der Grundstücke soll es Handlungsspielraum geben, so Stolz (siehe Kasten). Was die Suche nach neuen Räumen angeht, so hätte er kein Problem damit, etwas zu vermitteln. Doch etwas Neues müsse schon passen. Zudem sei dies Sache der Wirtschaftsförderung. Ein persönliches Gespräch zwischen Stolz und Mahmo, wie es sich der Mieter wünscht, das es aber bisher nicht gab, würde nichts zur Sache tun.