Drei Namen, sagt Yvonne Istas, haben ihre Dienstzeit als Leiterin von Stadtmuseum und -archiv geprägt: Sohn, Hotz und Wagner. 2003, zwei Jahre nach ihrem Arbeitsbeginn in Stockach, habe sie für die Stadt den Nachlass der Familie Sohn erwerben können – eine Sammlung von Zizenhausener Terrakotten, die seitdem einen prominenten Teil der städtischen Sammlung ausmacht. Und deretwegen immer wieder Besucher auch aus größerer Entfernung den Weg nach Stockach finden würden, wie Istas erzählt. "Mehr als 1500 Objekte waren zu erfassen und zu restaurieren", erinnert sich die Museumsleiterin. Gleich in ihrem ersten Jahr in Stockach habe sie auch Kontakt zu Gustav IV. Hotz aufgenommen, wegen des Bilderbestandes der Stockacher Fotografendynastie. Eine erste Ausstellung dazu habe sie 2013 gezeigt, 2014 sei der Ankauf des Bestandes gelungen, mit Unterstützung durch die Kulturstiftung Baden-Württemberg. Und die dritte große Sache für Istas und das Stadtmuseum war Heinrich Wagners Leihgabe seiner Kunstsammlung, aus der derzeit die ersten 80 Werke im Stadtmuseum zu sehen sind.

Doch wenn Istas, die am Freitag, 30. Juni 2017, ihren offiziell letzten Arbeitstag im Dienst der Stadt Stockach hat, auf 16 Jahre bei Stadtmuseum und -archiv zurückblickt, erschöpft sich das nicht in den drei Großprojekten, auch wenn diese die Institution Stadtmuseum stark geprägt haben. Zu den Erinnerungen gehört auch die Einrichtung der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung 2003. Oder die erste Sonderausstellung zum Maler Emil Lugo 2002, die sie noch an ihrem ersten Stockacher Arbeitsplatz im Archiv im Keller des Rathauses vorbereitet hatte, wo Istas ein Jahr untergebracht war.

Erst im April 2002 ging es für sie in das neu eröffnete Kulturzentrum Altes Forstamt. Für die Ausstellung über Kirchenschätze im Jahr 2008 hatte sie auch die Bestände von Kirchen in und um Stockach genutzt. Und einige Ausstellungen mit Künstlern mit Bezug zur Region wie Gustav Rockholtz, Werner Mollweide oder Ernst Würtenberger stehen ebenfalls auf ihrer Liste.

Der Nachlass von dessen Bruder Karlmax liege in Kreuzlingen, wodurch sich für Istas eine Verbindung zu ihrer neuen Wirkungsstätte, dem Kreuzlinger Museum Rosenegg, ergibt. "Dort möchte ich mal eine Ausstellung über ihn machen", sagt sie, und denkt schon an Gemeinschaftsprojekte beider Häuser. Mit dem neuen Leiter Johannes Waldschütz sieht sie ihre alte Wirkungsstätte in guten Händen – und freut sich, dass mit Sybille Trefflich nun auch jemand zum Team gehöre, der sich speziell an Familien wendet. Denn trotz des Wunsches, die Zielgruppe über das klassische Bildungsbürgertum hinaus zu erweitern, seien Familien bisher kein Schwerpunkt gewesen: "Meine Herausforderung war, große Sammlungen zu übernehmen und die Hintergrundarbeit zu leisten." Istas geht mit der Erinnerung an eine schöne Zeit und die "tolle Aufgabe, das Museum aufzubauen."

Zur Person

Yvonne Istas (52) kam in Düsseldorf zur Welt. Aufgewachsen ist sie in Frankfurt, wo sie eine kaufmännische Ausbildung machte. Später folgten Studium und Promotion in Kunstgeschichte an der Uni Freiburg sowie ein Volontariat auf Schloss Drachenburg im Rheinland. Im Museum Rosenegg in Kreuzlingen wird es keine Archivarbeit für sie geben, dafür organisiert sie Konzerte – gut für die Musikliebhaberin, die im Kammerchor Stockach singt. (eph)