Wie sicher ist die Energieversorgung angesichts Ukraine-Krieg und drohender Gasknappheit? Zu diesem Thema diskutierten die FDP-Bundestagsabgeordnete Ann-Veruschka Jurisch und Judith Skudelny, Generalsekretärin der FDP Baden-Württemberg, in der Singener Stadthalle auf Einladung des FDP-Kreisverbandes. Skudelny sei mit ihrer Zugehörigkeit zum Umweltausschuss extrem gut informiert, begrüßte die Kreisvorsitzende Birgit Homburger die Damen und das Publikum.

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Judith Skudelny sprach von einer Zeitenwende: „Wir waren energiepolitisch nicht vorbereitet.“ Bei Erdgas und Kohle sei Deutschland zu 50 Prozent, bei Öl zu 35 Prozent von russischen Importen abhängig. „Öl ist nicht das Problem“, so Skudelny. Das sei von Leitungen unabhängig transportierbar und könne auch aus anderen Ländern importiert werden. Kohle zur industriellen Nutzung werde noch zu acht Prozent importiert. Beim Gas sei man immer noch zu 35 Prozent abhängig. Daher habe die Bundesregierung LNG-Terminals für Fracking-Gas aus den USA gebaut, Gasverträge mit Norwegen geschlossen. „Bis 2024 wollen wir von russischem Gas unabhängig werden.“

Ein weiteres Problem

Ein großer Teil werde verstromt. „Aber wenn Gas knapp wird, müssen die Privathaushalte Priorität haben. Die Menschen müssen heizen können“, betonte Skudelny. Gas soll nun nach den neuesten Beschlüssen vorrangig nicht mehr verstromt werden. Falls Putin Ende Juli den Gashahn zudrehe, werde man echte Energieknappheit erleben. Dann sollte – so Skudelny – Kernenergie länger genutzt werden: „Diese Option muss dann geprüft werden, auch wenn damit eine extrem Heilige Kuh der Grünen geschlachtet werden müsste.“

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Es gelte, über den Tellerrand hinauszuschauen, neue Wege zu gehen und Lehren aus der Krise zu ziehen. Beziehungen zu Ländern wie China und Taiwan, die das Russland-Embargo unterwandern, abzubrechen, sei schwierig: Rohstoffe wie seltene Erden seien deren Exportware, die für Digitalisierung und E-Mobilität gebraucht würden, so Skudelny. Sie appelliert für den Einsatz synthetischer Kraftstoffe. „Wir sollten uns nicht von einzelnen Ländern abhängig machen, sondern uns überlegen, welche weiteren Rohstoffpartnerschaften wir eingehen können“, schloss Judith Skudelny.