Betreiber von Hegauer Gaststätten und anderen Unternehmen sind aus allen Wolken gefallen, als sie von der Entscheidung der Bundesregierung und der Länderchefs erfahren haben, dass sie ab Montag wegen Verschärfungen der Corona-Verordnungen bis mindestens Ende November schließen müssen. „Das ist unglaublich und völlig unverständlich“, wettert Andreas Piller. Was den Inhaber der Gaststätte „Pille‘s Treff“ auf der Sportanlage Talwiese des 1. FC Rielasingen-Arlen besonders wurmt: „Da investieren die Gaststätten viel Geld und tun alles, um die Corona-Auflagen zu erfüllen. Wir selbst bezahlen 15.000 Euro für eine Verglasung der Terrasse, damit es mehr Platz für die Gäste gibt. Und nun das“.

Mit Kiosk-Verkauf über Wasser gehalten

Schlimm sei auch, dass jeglicher sportlicher Betrieb ab dem Wochenende eingestellt werde. Piller leitet die Junioren-Abteilung des 1. FC Rielasingen-Arlen. „Die Jungen dürfen sich nicht mehr austoben und kontrolliert ausgehen. Dabei haben sich Corona-Fälle überwiegend in privaten Gesellschaften ereignet“, betont Piller. „Wir haben uns während der ersten Schließung mit dem Kiosk-Verkauf von Essen über Wasser gehalten. Finanzielle Ersatzleistungen haben wir nicht in Anspruch genommen. Und ob es diesmal Geld gibt, glaube ich erst, wenn ich es sehe“, so Piller. Kleinere von Schließungen betroffene Unternehmen sollen laut Bundesregierung 75 Prozent, größere 70 Prozent des Umsatzes im Vorjahresmonat November erhalten.

Idyllisch liegt das Hotel-Restaurant Bibermühle im Tengener Stadtteil Blumenfeld. Es wird aber durch die verordneten Schließungen in den nächsten Wochen verwaist sein.
Idyllisch liegt das Hotel-Restaurant Bibermühle im Tengener Stadtteil Blumenfeld. Es wird aber durch die verordneten Schließungen in den nächsten Wochen verwaist sein. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Überrascht und entsetzt ist auch Anja Rösner, die das Hotel-Restaurant Bibermühle leitet und auch im elterlichen Betrieb der Autobahn-Raststätten samt Hotels auf Engener Höhe mitarbeitet. „Nach der ersten Ankündigung der Schließung im Frühjahr haben viele Leute bei uns angerufen, diesmal meldet sich bisher noch niemand. Ich glaube, die Leute können es wie wir gar nicht glauben, dass alle Gasthäuser wieder zumachen müssen“, erklärt Anja Rösner.

Hoffnung auf Änderung von Entscheidung

„Es gab bisher noch keine Stornierungen. Auch ein Ehepaar, das nächste Woche Goldene Hochzeit feiern will, hofft wie ich, dass die krasse Entscheidung rückgängig gemacht wird“, betont Anja Rösner. Sie bezweifelt auch, dass das Ausfall-Geld in allen Betrieben ankommt. „Es sind noch keine genauen Kriterien bekannt“, sagt Anja Rösner.

„Gaststätten in Randlagen sind besonders negativ betroffen. Wir können nicht, wie beispielsweise gastronomische Betriebe am Bodensee, den dicken Hauptumsatz im Sommer machen. Unser Hotel-Restaurant ist auf das Ganzjahresgeschäft angewiesen“, betont Anja Rösner. Ihr Vater Rolf Riemensperger bemühe sich darum, dass die Raststätten an der Autobahn oberhalb von Engen zumindest für die Lasterfahrer und Reisenden eine Notverköstigung anbieten dürfen. Dass dies bei der Schließung im Frühjahr nicht möglich gewesen sei, habe zu Chaos an der Rastanlage geführt.

Das Singener Gesundheitsstudio Move muss wegen der coronabedingten Schließung alle Kurse, wie Indoor-Cycling in der Gottmadinger Filiale (Bild), im Innenbereich ausfallen lassen.
Das Singener Gesundheitsstudio Move muss wegen der coronabedingten Schließung alle Kurse, wie Indoor-Cycling in der Gottmadinger Filiale (Bild), im Innenbereich ausfallen lassen. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Auch Stefan Burkart war völlig überrascht, als er erfuhr, dass er sein Singener Gesundheitsstudio Move an den drei Standorten vorübergehend schließen muss. „Unsere vielen Kunden müssen nun leider auf ein lieb gewordenes Ritual verzichten. Sie dürfen keinen Sport treiben und müssen die sozialen Kontakte einstellen. Solche pflegen viele jüngere und ältere Kunden sehr intensiv, wie bei Hocks in unserer Gaststätte„, schildert Burkart.

„Wir haben die Überweisungen unserer Kunden für den November-Beitrag bereits zurückbuchen lassen“, sagt er. Es gebe Angebote, dass die Trainer im Freien persönliche Kurse für einzelne Kunden ausführten. Bei Verzicht auf Rückerstattung von Beiträgen winkten auch größere Leistungspakete.

Erleichterung und etwas Sorgen beim Singener Einzelhandel

  • Erleichterung beim Handel: „Wir sind froh, dass die Geschäfte weiter öffnen dürfen“, bekennt Hans Wöhrle, Vorsitzender des Singener Einzelhandelsverbandes. „Bedauerlich ist aber, dass die Gasthäuser schließen müssen. So wird die Innenstadt weniger belebt. Das könnte auch dem Einzelhandel schaden. Es fehlen ohnehin seit etwa zwei Wochen massiv Schweizer Kunden, weil zeitliche Einreise-Beschränkungen auch für Verunsicherung und Ängste sorgen“, betont Wöhrle.
  • Sport steht still: Hans Wöhrle führt auch als Vorsitzender den Förderverein des FC Singen 04. Er freut sich, dass die erste Mannschaft in der Landesliga als Tabellenführer bisher sehr erfolgreich in der noch jungen Saison abschneidet. Er fieberte am Donnerstagmorgen schon dem Spiel am Samstag gegen den Tabellenzweiten Hegauer FV entgegen. Nun seht aber fest. Der Südbadische Fußballverband hat den gesamten Spielbetrieb im Amateurbereich bei den Aktiven und Junioren wegen der neuen Corona-Verordnungen vorläufig eingestellt. Das ist ein herber Rückschlag für die vielen Vereine und Mannschaften, die im Hegau kicken. Sie mussten bereits im Frühjahr die Saison 2019/2020 vorzeitig beenden.

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