Dieter lümmelt im Unterhemd, Trainingshose und mit Bierflasche in der Hand auf dem Sofa, er weist Alexa an, ihm noch ein Bier aus dem Keller zu holen. Alexa ist seine Frau Renate, sie muss sich aber schön machen für den Hausball, zu dem Gäste erwartet werden.

Zu ihnen zählen auch die Zuschauer vor ihren Bildschirmen, die das Geschehen online verfolgten und sich einbringen konnten. Unter dem Motto „Mamme häng de Schurz a d‘Wand“ luden Hegau-Narren verschiedener Vereine zur ersten Live-Fasnacht-Improvisations-Comedy via YouTube, zu der auch die Zuschauer Spielbefehle über einen Chatdienst geben konnten. Die jeweils angesprochenen Darsteller bekamen diese Befehle dann mitgeteilt, ohne dass die anderen auf der Bühne davon wussten.

Bowle, „Griechischer Wein“ und Yoga

Und das haben die Zuschauer an den Bildschirmen zu sehen bekommen: Fasnacht ist gefährlich, warnt Dieter seine Tochter Fanta. Das weiß er noch von früher aus der Scheffelhalle. Sie aber rät ihm: „Papa häng de Hemd a d‘Wand und mach dich a bissle nett.“ Dieter winkt ab, Trainingshose und Hemd seien seine Verkleidung, er sei das ganze Jahr über närrisch.

Nach und nach trudeln die Gäste ein, aber so richtig Stimmung will nicht aufkommen. Renate wartet auf die bestellte Live-Musik, Helga singt „Griechischer Wein“ und trinkt Bowle, Fanta macht zwischendrin Yogaübungen.

Tanz, Gesang und Tätärä

Von Helga sehnsüchtig erwartet, rückt Dieters Bruder Mäx an. Und mit ihm kommt endlich Bewegung in die Gesellschaft und auch Abwechslung für die Zuschauer. Die Akteure tanzen durch das Wohnzimmer und Helga ist von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt. Auch die Party-Mäusle Carmen und Hanna gesellen sich dazu.

Dieter plagen ganz plötzlich die Hämorrhoiden, dazu kommt auch noch Ordnungshüter Ernst mit einer Beschwerde. Die skurrile Veranstaltung nimmt ihren Lauf – Max und Renate tanzen Tango, Hanna und Fanta messen sich im Boxkampf, und als alle Zumba Zumba Tätärä singen, Arme und Beine schwingen, ruft Renate entzückt: „Die Band ist da.“ Es ist ein Klarinettist, der etwas stockend „Kommt ein Vogel geflogen“ spielt.

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Damit findet der Hausball sein Ende. Die neun Akteure auf dem Bildschirm, so manch einem von Veranstaltungen der Narren-Zünfte bestens bekannt, verlassen nach rund eineinviertel Stunden die Online-Bühne. Die Video-Plattform, auf der der Improtheater-Hausball weiterhin zu sehen ist, verzeichnet ein paar Tage nach der Veranstaltung fast 600 Aufrufe. Mitorganisator Rainer Maier von der Singener Poppele-Zunft äußert sich sehr glücklich darüber, wie die erste Auflage der Veranstaltung gelaufen ist. In den etwa eineinviertel Stunden habe man von den Zuschauern mehr als 250 Spielbefehle für die Darsteller bekommen: „Die konnten wir gar nicht alle abarbeiten.“