Viele Gemeinderäte sehen es als Zeichen der Solidarität mit Familien: Statt die Kita-Gebühren wie geplant um drei Prozent zu erhöhen, sollen es nun die vom Gesamtelternbeirat Kita vorgeschlagenen 1,9 Prozent sein. Das bedeutet, dass Eltern ab September zwischen zwei und 13 Euro pro Monat mehr bezahlen müssen. Bei einer Erhöhung um drei Prozent wären es zwischen vier und 18 Euro gewesen. Was bleibt, ist die Erhöhung der Verpflegungsgebühr um fünf Euro pro Monat von 85 auf 90 Euro. Die Entscheidung war knapp: 15 Stimmen sprachen sich für 1,9 Prozent aus, acht dagegen und vier enthielten sich. Für die eigentlich geplanten drei Prozent sprachen sich zehn Stadträte aus, 17 waren dagegen.

Der Stadt werden damit 13.000 Euro fehlen, wie Torsten Kalb als Fachbereichsleiter für Jugend, Soziales und Ordnung vorrechnete.

Freie Träger haben mit dem Geld gerechnet – und bitten Stadt um eine Lösung

Auch die freien Träger kündigten bereits an, dass sie mit dem Geld gerechnet haben. Awo, Caritas, evangelische und katholische Kirche sowie das Kinderheim St. Peter und Paul und das Sinnesreich Montessori Kinderhaus haben gemeinsam in einem Brief an die Stadt ihre Haltung erklärt: Die freien Träger seien bereit, im aktuellen Jahr die geringeren Elternbeiträge zu akzeptieren. Das gilt für die Zeit von September bis Dezember. Doch weil die finanzielle Situation der Kitas äußerst angespannt sei, bitten die Träger die Stadt Singen um Unterstützung.

Gemeinsam solle man eine Lösung finden, wie die entgangenen Beiträge für das Jahr 2022 und folgende Jahre ausgeglichen werden könnte. Die freien Träger haben dafür einen Sonderzuschuss oder eine Ergänzung der Förderrichtlinien vorgeschlagen, doch Details blieben in der Ratssitzung am Dienstag unklar.

Davonlaufende Kosten contra angespannte Familienfinanzen

Die Räte taten sich entsprechend schwer: „Die Kosten laufen uns davon“, deshalb wolle man nachhaltig denken, erklärte Franz Hirschle (CDU). Auch Dirk Oehle (Neue Linie) hielt drei Prozent für eine vertretbare Lösung: Es sei unerlässlich, moderat zu erhöhen, um steigende Kosten bewältigen zu können. Torsten Kalb hatte zuvor erneut erklärt, dass der Kostendeckungsgrad der Singener Kitas bei rund zwölf Prozent liege.

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Grüne und SPD hingegen sprachen sich klar für 1,9 Prozent aus – auch als Zeichen der Solidarität mit Familien, die momentan besonders gefordert seien. Walafried Schrott (SPD) appellierte aber auch an das Land, die Kommunen zu unterstützen. „Es ist keine Dauerlösung, aber es soll jetzt in der schweren Zeit ein Signal für die Familien sein“, sagte Marion Czajor (Neue Linie), dank deren Antrag im Ausschuss die Gebührenerhöhung nun im Gemeinderat neu diskutiert wurde.

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Finanzielles Defizit der Stadt wird mit jedem Kind größer

„Ich tue mich schwer mit Signalen, die uns einholen. Und das wird es“, mahnte hingegen Bürgermeisterin Ute Seifried. Denn auch wenn es toll sei, dass wieder mehr Kinder in Singen leben: Das finanzielle Defizit der Stadt werde mit jedem Kind größer.

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