Peter Adrian Gäng kommt ein paar Minuten zu spät zur Verabredung an der Brandruine der Scheffelhalle an. Und dies aus gutem Grund: Nur wenige Minuten zuvor hat der Vorsitzende des Fördervereins Freunde der Scheffelhalle einen Anruf aus Frankfurt am Main bekommen. Am anderen Ende der Leitung: Eine ehemalige Singenerin, die sich nach dem aktuellen Stand der Onlinepetition zum Wiederaufbau der Scheffelhalle erkundigen und sich mit einer eigenen Unterschrift dafür stark machen wollte. „Mein Handy steht seit der Unglücksnacht kaum mehr still“, sagt Gäng.

Am Zaun rund um die Scheffelhalle wurde mittlerweile ein Sichtschutz angebracht. Die Erinnerungsstücke sind aber noch immer zu sehen.
Am Zaun rund um die Scheffelhalle wurde mittlerweile ein Sichtschutz angebracht. Die Erinnerungsstücke sind aber noch immer zu sehen. | Bild: Matthias Güntert

Aber er freue sich über die Resonanz, denn sie verdeutliche, wie sehr die Scheffelhalle im Herzen der Menschen, die eine Verbindung zur Stadt Singen haben, verankert ist. Quasi über Nacht wurde die Onlinepetition zur Mitte der vergangenen Woche ins Leben gerufen und die Nachfrage ist riesig: Am Dienstagabend haben sich rund 3.500 Unterschriften angesammelt. „Das hört nicht auf, wir haben am Tag rund 100 neue Unterschriften“, so Gäng. Die Rückmeldungen seien enorm. „Jeder hat Erlebnisse, die er mit der Scheffelhalle verbindet“, erklärt Gäng. Unterstützung gab es vom CityRing, in dessen Geschäften ebenfalls Unterschriftenlisten ausgelegt wurden.

Langfristiges Ziel ist das Jahr 2025, wenn möglich aber schon früher

In der vergangenen Woche wurde die Scheffelhalle mitten aus dem Herzen der Vereins- und Kulturlandschaft der Stadt Singen gerissen. Aber für Peter Adrian Gäng steht fest: Die Scheffelhalle muss wieder aufgebaut werden. Dafür stehen auch die vielen gesammelten Unterschriften: „Die Bevölkerung sagt durch die Petition, dass wir die Halle brauchen.“

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Langfristiges Ziel des Fördervereins sei es deshalb, dass die Scheffelhalle bis zum Jahr 2025 – dann wäre die alte Halle 100 Jahre alt geworden – wieder stehen soll. Dafür wolle man laut Gäng 10.000 Unterschriften sammeln. „Das ist das lange Ziel, aber es wäre ein Supergau, wenn die neue Halle nicht bereits 2022 wieder steht“, macht Gäng deutlich. Denn die Vereine bräuchten eine günstige Halle als Alternative zur Stadthalle. Ein Wiederaufbau sei deshalb unabdingbar.

Nur noch Trümmer: Ein Brand hat die Scheffelhalle in Singen in der vergangenen Woche komplett zerstört.
Nur noch Trümmer: Ein Brand hat die Scheffelhalle in Singen in der vergangenen Woche komplett zerstört. | Bild: Matthias Güntert

Gäng selbst geht davon aus, dass ein Neubau in Holzständerbauweise für Baukosten von fünf Millionen Euro realisierbar sei. Dies hätten ihm Architekten in persönlichen Gesprächen mitgeteilt. Während der Wiederaufbau der abgebrannten Halle dem Förderverein nicht schnell genug gehen kann, fordert Gäng bei einer anderen Angelegenheit Geduld: dem Abriss der Brandruine. „Der noch stehende Teil steht unter Denkmalschutz“, betont Gäng. Deshalb dürfe er nicht einfach abgerissen werden. Stattdessen bitte Gäng darum, dass er – wenn möglich – in einen Neubau und dessen Planung integriert werde.

OB Bernd Häusler dämpft die Erwartung

Im Singener Rathaus ist man vom Zulauf der Onlinepetition und dem Wunsch vieler Bürger nach einem Wiederaufbau der Halle nicht überrascht. Im Gegenteil, wie Oberbürgermeister Bernd Häusler bestätigte: „Nein, es hätte mich eher gewundert, wenn es anders gewesen wäre. Die Scheffelhalle ist ein Teil der Singener Geschichte und viele Menschen in unserer Stadt beziehungsweise dem Hegau sind mit der Scheffelhalle emotional sehr eng verbunden“, sagt Häusler.

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Auch im Singener Rathaus seien eine Vielzahl von Mails und Schreiben eingegangen, die einen Wiederaufbau wünschen. Und gerade diesen Wunsch könne OB Häusler sehr gut nachvollziehen, da auch ihm die Scheffelhalle sehr am Herzen liege. „Ich stehe einem Wiederaufbau der Scheffelhalle grundsätzlich positiv gegenüber“, sagte er.

Fundierte Planung und erweitertes Nutzungskonzept

Aber der Singener Rathauschef drückt auch auf die Euphoriebremse: Entscheidend sei hierfür, wie sich die Mehrheit des Gemeinderates zu diesem Wunsch positioniere und mit welchen Kosten für einen Wiederaufbau zu rechnen sei. „Hierzu bedarf es fundierter Planungen und eines erweiterten Nutzungskonzeptes“, so Häusler.

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Auch auf die Frage, ob der Neubau der Halle – wie vom Förderverein Freunde der Scheffelhalle gewünscht – spätestens zum 100. Geburtstag 2025 wieder stehen könnte, gibt sich Häusler zurückhaltend. „Diese Frage kann ich erst dann beantworten, wenn wir uns mit diesem Thema baulich intensiver auseinandergesetzt haben. Dafür ist die Zeit nach dem Brand bisher zu kurz gewesen“, so Häusler. Vorrang habe in den letzten Tagen die Beseitigung der möglichen Schadstoffe zum Schutz der Bevölkerung im angrenzenden Wohngebiet gehabt.

Im Inneren der Scheffelhalle steht kaum ein Stein mehr auf dem anderen.
Im Inneren der Scheffelhalle steht kaum ein Stein mehr auf dem anderen. | Bild: Matthias Güntert

Laut Häusler sollen die Abräumarbeiten der Brandruine nach Freigabe durch die Polizei, der Versicherung und nach Entscheidung der Denkmalbehörde erfolgen. Diese stehe aber derzeit noch aus. Nicht beteiligen wolle sich die Stadtverwaltung zudem an den Spekulationen zur Brandursache, machte Oberbürgermeister Häusler deutlich.