Dicke, verkohlte Balken ragen nach der Feuernacht aus der Ruine der ehemaligen Scheffelhalle in die Luft. Brandgeruch liegt in der Luft. Noch immer versammeln sich Menschen vor der Absperrung, um das ganze Ausmaß der Katastrophe mit eigenen Augen zu sehen. Im Bereich des einstigen Stuhllagers steigt Rauch auf. „Das müssen wir im Auge behalten, wahrscheinlich müssen wir da noch einmal ran“, sagt Feuerwehrkommandant Andreas Egger bei einem Rundgang mit dem SÜDKURIER.

Verkohlte Balken und eingestürzte Wände: Feuerwehrkommandant Andreas Egger vor den Resten der Scheffelhalle. Im Hintergrund sind noch immer Rauchschwaden zu sehen.
Verkohlte Balken und eingestürzte Wände: Feuerwehrkommandant Andreas Egger vor den Resten der Scheffelhalle. Im Hintergrund sind noch immer Rauchschwaden zu sehen. | Bild: Matthias Güntert

Bis zum Dienstagnachmittag haben die Löscharbeiten angedauert, nachdem eine Brandmeldeanlage das verheerende Feuer in der Nacht zum Montag auf Dienstag gegen 1 Uhr gemeldet hatte. Zweimal mussten die Einsatzkräfte bisher noch einmal ausrücken, um etwaige Glutnester zu löschen. Zuletzt am frühen Mittwochmorgen um 5 Uhr.

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„Von der Ausdehnung her und der Brandfläche gesehen, war das das größte Feuer in meiner 17-jährigen Zeit als Feuerwehrkommandant in Singen„, sagt Egger. Der erfahrende Kommandant wirkt auch noch einen Tag nach dem Einsatz wie so viele Menschen in Singen geschockt. Immer wieder sagt er, dass dies für ihn und seine Mannschaft kein normaler Einsatz gewesen sei. „Die Scheffelhalle war ein Stück Singen„, so Egger.

Nur noch Schutt und Asche: Kaum ein Stein steht in der ehemaligen Scheffelhalle noch auf dem anderen.
Nur noch Schutt und Asche: Kaum ein Stein steht in der ehemaligen Scheffelhalle noch auf dem anderen. | Bild: Matthias Güntert

Wie geht es nun weiter? Die Abräumarbeiten der Ruine werden noch auf sich warten lassen. „Um alle Glutnester löschen zu können, müssen wir direkt an sie ran. Aber das ist derzeit nicht möglich“, so Egger. Zu groß sei die Gefahr, dass Dachbalken oder Stelen nicht mehr halten.

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Auch Oberbürgermeister Bernd Häusler erklärte, dass Sicherheit jetzt vorgehe. Deshalb werde die Brandstelle in den nächsten Tagen bewacht: „Damit wollen wir verhindern, dass Unbefugte auf das Areal gelangen.“ Am Dienstag waren die Zäune schon aufgestellt, am Mittwoch wurden sie laut Feuerwehrkommandant Egger zudem verstärkt. Dabei gehe es um die Sicherheit von Passanten, wie er erklärt: Es bestehe weiter Einsturzgefahr, auch die noch stehenden Wandteile können umstürzen und dabei jemanden verletzen.

„Wir wollen den Wiederaufbau„

Aber es wird nach der Brandkatastrophe in Singen auch nach vorne geblickt. Etwa beim Förderverein Freunde der Scheffelhalle. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurde laut dessen Vorsitzenden Peter Adrian Gäng eine Online-Petition zum Wiederaufbau der Scheffelhalle ins Leben gerufen. „Wir hatten am Mittwoch über verschiedene Kanäle über 16.000 Zugriffe“, so Gäng.

Ein Bild aus besseren Tagen: Die Aufnahme entstand am 24. Oktober, Sie zeigt die Scheffelhalle im herrlichen Herbstlicht, im Hintergrund ist der Hohentwiel zu sehen.
Ein Bild aus besseren Tagen: Die Aufnahme entstand am 24. Oktober, Sie zeigt die Scheffelhalle im herrlichen Herbstlicht, im Hintergrund ist der Hohentwiel zu sehen. | Bild: Alfred Auer

Am späten Mittwochnachmittag hatten sich bereits weit über 1500 Menschen daran beteiligt. Diese verdeutliche für ihn, dass den Singenern ihre Scheffelhalle sehr am Herzen gelegen habe. „Da steckte jede Menge Herzblut und schöne, einmalige Erinnerungen darin“, sagt Gäng. Im Förderverein gibt es deswegen nur eine Marschrichtung: „Wir wollen den Wiederaufbau der Scheffelhalle„, fordert Gäng.

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Dafür wolle er die Petition dem Stadtrat und der Stadtverwaltung baldmöglichst zur Verfügung stellen, um damit ein Signal zu senden, wie wichtig die Scheffelhalle für das Singener Vereins- und Kulturleben war und nach deren Wiederaufbau wieder sein werde. „Unser Ziel mit der Petition ist es, dass die Entscheider den Stellenwert der Halle erkennen“, so Gäng weiter. Er wisse, dass eine solche Entscheidung nicht schnell getroffenen werden könne, aber: „Die alte Scheffelhalle wurde in drei Monaten gebaut. Da ist es nicht unmöglich, dass wir 2025 wieder eine Scheffelhalle haben werden.“

Die Betroffenheit bleibt

Auch in der jüngsten Ausschusssitzung war die Brandkatastrophe der Scheffelhalle ein Thema. OB Bernd Häusler lobte noch einmal den Einsatz der Feuerwehr. Die Zerstörung der Halle sei ein herber Schlag. Vor allem mit Blick auf das Singener Vereinsleben, allen voran auf die Fasnachtsvereine. Auch aus finanzieller Sicht: „Viele Vereine haben durch Veranstaltungen in der Scheffelhalle Einnahmen generieren können. Dies wäre etwa in der Stadthalle nicht möglich, da dort ein Vertrag mit einem Caterer besteht“, sagte Häusler.

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