In der einen Ecke plätschert Wasser in einen Quellstein, in der anderen laden zwei langgezogene Bänke mit Blick auf blühende Tulpen zum Verweilen ein. Doch bisher wissen nur wenige, dass jedermann dort Platz nehmen darf. Die Bänke stehen in einem Garten am Hospiz Horizont in der Singener Hegaustraße. Und das ist nicht irgendein Garten, erklärt Elisabeth Paul, sondern ein eigens konzipierter Trauerort. Dort können Menschen in schöner Atmosphäre zur Ruhe kommen. Das kann nach dem Verlust eines Menschen sein, aber zum Beispiel auch nach einem Jobverlust, betont Paul.

Zwei der Nachrichten, die Trauernde an die Wand geschrieben haben.
Zwei der Nachrichten, die Trauernde an die Wand geschrieben haben. | Bild: Arndt, Isabelle

Ähnliche Orte gibt es nur in Düsseldorf und Mainz

Auf einer rostigen Stahlwand haben einige Besucher bereits bewegende Worte notiert, Kreide liegt dafür allzeit bereit. „Trauer ist ein Gefühl, das jeder Mensch kennt“, sagt Elisabeth Paul, die den Ort neben der Villa Wetzstein mit Ulrike Traub entwickelt hat. Die Idee entstand beim Neubau des Zentrums, sei aber nicht typisch für ein Hospiz: Ähnliche, aber unabhängige Trauerorte gebe es nur in Düsseldorf und Mainz. Auch Angehörige von Menschen im Hospiz- und Palliativzentrum nutzen den Garten, jedoch nicht nur.

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Wer selbst eine Nachricht hinterlassen möchte, findet links der Wand Kreide.
Wer selbst eine Nachricht hinterlassen möchte, findet links der Wand Kreide. | Bild: Arndt, Isabelle

Um Anregungen für die Gestaltung in Singen zu erhalten, haben die beiden Projektleiterinnen dutzende Interviews geführt. Dabei haben sie auch mit Geflüchteten gesprochen, denn der Garten soll ein interkultureller Ort sein.

Dutzende Interviews fließen in Gestaltung ein

Der Trauerort bei der Villa Wetzstein in Singen. Zu sehen sind Sitzbänke hinten, die rostige Stahlwand, der offene Lebenskreis sowie der Rundweg mit Blumen.
Der Trauerort bei der Villa Wetzstein in Singen. Zu sehen sind Sitzbänke hinten, die rostige Stahlwand, der offene Lebenskreis sowie der Rundweg mit Blumen. | Bild: Arndt, Isabelle

Das Ergebnis sind ein kleiner Rundweg, Blumen, ein Obstbaum in der Mitte, ein beleuchtetes Wandbild mit dem geöffneten Lebenskreis. Sitzbänke, die rostige Stahlwand und der Quellstein machen das Bild komplett. Seit Oktober ist der Trauerort zugänglich, möglich wurde er auch dank Landesfördermittel.

Mit der Trauer nicht allein sein

Einige Gespräche waren besonders wegweisend für das Projekt, erzählt Elisabeth Paul. So habe eine Frau gesagt, dass es an diesem Ort abseits der optischen Gestaltung auch um Begegnungen mit anderen Menschen geht. Das sieht die Projektleiterin auch so, wenn auch in Zeiten von Corona mit Sicherheitsabstand. In diesem Garten neben der Villa Wetzstein seien Menschen mit ihrer Trauer nicht allein.

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