Die letzten Blätter hängen noch an der neu gepflanzten Quitte, die das Zentrum im neuen Trauerort bildet. Feierlich eröffnet wurde der Ort nun nach einer rund dreijährigen Vorbereitungsphase. Damit übergaben Elisabeth Paul und Ulrike Traub das von ihnen durchgeführte Projekt an die Öffentlichkeit.

Trauer ist Leben

„Im Garten der Trauer wächst die Blume des Trostes“ – dieser Satz ist in dem gebogenen Element aus Cortenstahl zu lesen. Eine kleine Sitzbank davor lädt zum Verweilen ein. Auf der rechten Seite ein weiteres Element aus diesem rostigen, wetterfesten Stahl, das mit dem Wort „Leben“ übersäht ist. „Dieser Kreis symbolisiert unseren Lebensweg“, sagte Ulrike Traub.

Eine Tafel am neuen Trauerort trägt die Aufschrift „Trauer ist Leben“
Eine Tafel am neuen Trauerort trägt die Aufschrift „Trauer ist Leben“ | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Viele Ideen wurden in die Realisation des Projektes eingebracht. Elisabeth Paul und Ulrike Traub hatten dafür rund 120 Interviews geführt, um zu erfahren, was sich Menschen für einen solchen Ort wünschen. Die gebogene Wand biete auch Platz für Zettel mit Wünschen oder Gedanken.

Chance für Begegnung und Neuanfang

Der interkulturelle Trauerort ist ein Teil des Hospizzentrums Horizont. In diesem Ort wollen die Initiatoren die zentrale menschliche Erfahrung von Sterben, Tod und Trauer als Ansatzpunkt und Chance für Begegnung, Neuanfang und Integration aufgreifen. Menschen aus unterschiedlichen Kulturen haben hier ihre Ideen eingebracht, um das 100 Quadratmeter große Gartenstück zu gestalten.

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„Wie schön muss es erst im Himmel sein, wenn er von außen schon so schön aussieht!“ – diese Worte von Astrid Lindgren zitierte Ulrike Traub bei der Einweihung. Die beiden Projektleiterinnen dankten den Geschäftsführern von Horizont, Christian Grams und Wolfgang Heintschel, weil sie die Möglichkeit gaben, dieses Projekt zu realisieren.

„Wir hatten eine lange Vorbereitungszeit, aber der Trauerort passt ideal zu Horizont„, sagte Grams. Ein Dank ging auch an den Hospizverein Singen und Hegau, den Verein InSi, die Stadt und die beteiligten Firmen und Planer.

Stiftung zahlt 100 000 Euro

Der Trauerort Horizont wurde mit einer Förderung in Höhe von 100 000 Euro im Rahmen des Programms „Vielfalt gefällt! Orte des Miteinanders“ durch die Baden-Württemberg Stiftung gefördert. Eine Broschüre erläutert, auch in anderen Sprachen, für wen der Trauerort gedacht ist.

Er möchte ein Ort sein, an dem Menschen trauern dürfen und Abschied nehmen können. Er solle auch ein Ort für Menschen aller Religionen sein, oder für Menschen, die ihre Heimat verloren haben und wo die Gräber der verstorbenen Angehörigen nicht hier sind. Auch die Symbolik wird in der Broschüre erklärt.

Nach einem Vorbild aus Düsseldorf

Die Initialzündung für den Trauerort brachte ein Kinoabend der Hospizvereine der Region im April 2016 in Radolfzell, heißt es in der Broschüre. In einem Film wurde damals die Entstehung eines Trauerortes in Düsseldorf gezeigt. Als die Planungen des Hospizzentrums losgingen, schlug die Vorsitzende des Hospizvereins, Irmgard Schellhammer, vor, einen Trauerort neben der Villa Wetzstein zu realisieren. 14 Menschen haben sich für den ehrenamtlichen Dienst am Trauerort ausbilden lassen.

Weitere Besichtigungstermine mit den beiden Projektleiterinnen sind am Dienstag, 3. Dezember von 11 bis 12 Uhr, am Donnerstag, 12. Dezember von 14 bis 15 Uhr und am Montag, 16. Dezember von 17 bis 18 Uhr. Der Garten ist aber immer öffentlich zugänglich.