Herr Zimmermann, Sie waren über Weihnachten und Dreikönig ziemlich viel auf Reisen im Hegau, weil sie in der katholischen Seelsorgeeinheit Singen als Vakanzvertreter etliche Gottesdienste gestalten mussten. Sind Sie froh, dass die Feiertage rum sind?

Der Eindruck täuscht. Ich war nicht in Hetze. Wir hatten den Luxus durch unsere Planung, dass ich jeden Tag nur einen Gottesdienst hatte. Das hätte sogar ein Priester alleine machen können. Aber wir wollten Pfarrer Bernhard Knobelspies entlasten und haben uns die Dienste aufgeteilt. Ich fand es sehr interessant, die verschiedenen Gottesdienstgemeinden in Singen kennenzulernen.

Dafür mussten die Katholiken im oberen Hegau auf Sie verzichten.

Wir mussten in Engen den Gottesdienstplan etwas auslichten. Dort waren dann drei statt vier Priester im Einsatz. Aber alle kleinen Dörfer waren im Plan berücksichtigt.

Die Gläubigen fühlen sich geehrt, wenn der Dekan den Gottesdienst leitet. Aber ist es die Aufgabe des Dekans, als Springer durch die Pfarreien zu reisen?

Ich bin zu 80 Prozent für die Leitung des Dekanats zuständig und als Vorstandsvorsitzender für die Caritas verantwortlich. Ich bin nur zu 20 Prozent als Pfarrer im oberen Hegau und Tengen eingesetzt. Ich nehme mir sehr gerne die Zeit für Vertretungen.

Wo waren Sie schon überall im Einsatz?

Ich haben die Krankheitsvertretung im Aachtal übernommen, war in Gottmadingen und in Steißlingen und Volkertshausen und unterstütze jetzt seit dem Weggang von Pfarrer Lichtenberg die Seelsorgeeinheit in Singen.

Wie soll das weitergehen? Die Zahl der Priester wird ja nicht größer.

Das ist richtig. Wir haben leider nicht das nötige Personal, um alle Planstellen zu besetzen. Also müssen wir nach neuen Wegen suchen. In Tengen können wir die Entwicklung sehen. Dort haben wir zwei Möglichkeiten ausgelotet. Es galt zu entscheiden, ob wir mit Nachdruck nach einem Priester suchen oder ob wir Tengen in eine größere Einheit einbinden. Die Tengener haben sich für die zweite Variante entschieden. Ein größeres Team hat den Vorteil, dass sich die einzelnen Mitwirkenden spezialisieren können. Die meisten Aktiven berichten mir, dass sie das als Gewinn sehen, weil sich die Gemeinde ihre Eigenheiten bewahren könne.

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Heißt das, dass die selbstständigen Pfarreien ganz aufgegeben werden?

Es wird sich in der Erzdiözese schon ab 2025 viel verändern. Bis spätestens 2030 sollen aus 240 Seelsorgeeinheiten 40 Pfarreien werden. Das gehört zu der großen Strukturreform, die bis 2030 umgesetzt werden soll. Wir müssen handeln, weil wir für die alten Strukturen zu wenig Priester und Hauptberufliche haben. Ich sehe aber auch große Chancen in den neuen Strukturen, weil die ehrenamtlich Engagierten und die gläubigen Christen mit mehr Verantwortung eingebunden und begeistert werden können.

Wie sehen Sie dabei Ihre Aufgabe?

Meine Aufgabe ist es, vernetzte Strukturen zu schaffen. Das kann ich leisten, weil ich viele Ehrenamtliche, Mitarbeiter und hauptberufliche Theologen habe, die die Kirche mitgestalten und weiterentwickeln. Als ich anfing, war ich Pfarrer für fünf Feldberggemeinden und für alles zuständig. Das war damals machbar. Heute kann ich mich auf viele Unterstützungssysteme verlassen, angefangen bei den Sekretärinnen, die sehr viel Hintergrundarbeit erledigen, bis hin zu den Verwaltungsbeauftragten, die mir einen Großteil der Bürokratie abnehmen können.

Ist das die Form der Spezialisierung, die Leute begeistern soll?

In der neuen Struktur können die Aufgaben besser nach Neigungen verteilt werden. Mir fällt es leicht zu organisieren und anderen Verantwortung zu überlassen. So haben junge Erwachsene aus dem Oberen Hegau zum Beispiel viel Freizeit investiert, um Gottesdienste über Livestreams zugänglich zu machen.

Im Moment ist die Leitung der Seelsorgeeinheit Singen vakant. Können Sie schon sagen, wie es da weiter gehen soll?

Die Frage kann ich leider noch nicht beantworten. Ich bin zwar mit dem Erzbischof im Gespräch. Zwei Wege zeichnen sich ab. Wie es weitergehen könnte, muss aber mit dem Pfarrgemeinderat der Seelsorgeeinheit und den hauptberuflich Beschäftigten diskutiert werden. Hier will und kann ich nicht vorgreifen. Über die Beschlüsse wollen wir zeitnah informieren.

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