35 Impftermine hat er schon, sagt Jürgen Schröder erleichtert. Doch dafür hat er wochenlang Vermittlungscodes generiert und auf freie Termine gewartet – ein frustrierendes Unterfangen, wie der Vorsitzende des Bürgervereins Überlingen am Ried erklärt. Denn 45 Namen hat er noch auf seine Liste. Jürgen Schröder sitzt auch für die CDU im Singener Gemeinderat und schilderte neulich in einer Ausschusssitzung, wie frustrierend das Prozedere ist.

Seine Versuche, mit dem Landratsamt oder dem Land eine einfachere Vorgehensweise zu finden, seien gescheitert. Von Landesgesundheitsminister Manfred Lucha oder Ministerpräsident Winfried Kretschmann (beide Grüne) habe er auch nach Wochen nicht einmal eine Antwort erhalten.

Er träumt von einem mobilen Impfteam. Bislang vergebens

„Für die Über-80-Jährigen ist es nicht zumutbar, dass sie sich selbst um ihren Termin kümmern“, findet Jürgen Schröder. Bei seiner eigenen Mutter habe er erlebt, wie herausfordernd es sein kann, einen Termin im Kreisimpfzentrum Singen zu bekommen.

Jürgen Schröder
Jürgen Schröder | Bild: SK

Sein Vorschlag, ein mobiles Impfteam nach Überlingen am Ried zu bringen, sei abgelehnt worden. Dabei habe das in Rickenbach im Landkreis Waldshut so gut funktioniert, bedauert er. „Die ganze Organisation vor Ort mit Aufbau, Abbau und Helfern hätten wir übernommen, ehrenamtlich und kostenlos.“ Doch das sei nicht möglich gewesen.

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Was Missbrauch verhindern soll, macht es Helfern schwer

Also bemüht er sich weiter selbst um Termine. Mitte Januar habe er sogenannte Vermittlungscodes generiert. Dafür muss man sich per Handy verifizieren, pro Tag sind nur drei Codes pro Handynummer möglich. Eine Maßnahme, um Missbrauch vorzubeugen, die es dem ehrenamtlichen Helfer schwer macht. „Mit meinen beiden Töchtern und meiner Frau haben wir vier Handys im Haushalt, konnten also immerhin zwölf Codes pro Tag generieren.“

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Während andere abends auf der Couch sitzen, prüfen seine Frau und er nun regelmäßig, ob Impftermine frei sind. Hoffnung machte ihnen ein Abend, an dem sie 22 Senioren unterbringen konnten. „Meistens ist aber kein Termin verfügbar.“ Am 2. März sei der erste Senior von Schröders Liste in Singen geimpft worden, seitdem waren es 34 weitere. Für die Betroffenen gebe es dann auch eine Mappe mit den wichtigsten Informationen, damit es im Kreisimpfzentrum schnell gehen kann. Und wer nicht mehr mobil ist, kann sich vom Verein fahren lassen.

Anderes Impfzentrum? Schwer möglich. Ein anderer Termin leider auch nicht

Kurz habe er überlegt, ob sie die Senioren auch in andere Impfzentren fahren sollen, erklärt Jürgen Schröder. Doch das sei logistisch schwierig – und eigentlich auch nicht sinnvoll. Schröder bedauert allerdings auch die fehlende Flexiblität des Impfzentrums: Wenn jemand, der einen Impftermin erhalten hat, diesen nicht wahrnehmen kann, verfällt der mühsam vereinbarte Termin. Der Vereinsvorsitzende hatte jüngst zwei solche Fälle: Ein Senior sei verstorben, ein anderer liege im Krankenhaus. Zu gerne hätte er diese zwei Termine an jemand anderen auf seiner Warteliste weitergegeben.

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Freude und Frust liegen sehr nah beeinander

„Wir erhalten viele Rückmeldungen“, sagt Jürgen Schröder. Wer geimpft worden ist, sei dankbar. Häufig werde er aber auch angesprochen, wann es endlich so weit sei mit dem Impftermin. Das kann Jürgen Schröder nicht sagen: Er hofft, dass es ab dem heutigen Dienstag, 23. März, einfacher wird. Denn dann werde die Plattform nach einer Pause wieder freigeschaltet – hoffentlich mit neuen Terminen.

Ganz aufgeben will Schröder seine Hoffnung, dass das einfacher gehen muss, aber nicht.

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