Der Förderverein der Färbe lässt sich nicht lumpen. Angesichts des bevorstehenden 40jährigen Bestehens des Privattheaters in der Schlachthausstraße wurden der Impressario Peter Simon und Dramaturgin Cornelia Hentschel beauftragt, einen Dokumentationsband über die Entwicklungen und besonderen Theaterereignisse in den vergangenen 15 Jahren zu erarbeiten. Zusammen mit einem bereits zum 25jährigen Bestehen vorgelegten Band liegt dann eine durchgängige Beschreibung der Färbe-Geschichte vor.

Die beiden Repräsentanten des Hauses ließen sich das nicht zwei Mal sagen, denn das Buch kommt nicht nur einer Würdigung ihrer Arbeit gleich: Das Konvolut mit den Ausmaßen eines Katalogs und einem Umfang von 300 Seiten ist zugleich eine Möglichkeit der hochwertigen Werbung für das Singener Theater. Denn billig ist das Projekt nicht. Cornelia Hentschel rechnet bei einer Auflage von 700 Exemplaren mit einem Kostenaufwand von 30 000 Euro.

Allerdings sorgte der Auftrag des Fördervereins für einige Sonderschichten in der ohnehin arbeitsintensiven Zeit der Saisonvorbereitung. Gut möglich, dass Cornelia Hentschel und Peter Simon dabei die Beherrschung historisch anmutender Arbeitsweisen zugute kam. Statt der heute üblichen Software bei der Herstellung von Druckerzeugnissen griff das Duo auf die Hardware von Schere, Pappkarton und Kleber zurück. Was aus den vergangenen Jahren an Fotografien, Broschüren oder etwa Zeitungskritiken als geeignet für die Darstellung der Entwicklung des Theaters erschien, wurde auf diese Weise zu einem Prototypen des Buches zusammengesetzt.

Das Bastelwerk wäre es wert, seinerseits als Dokument hinter Glas und in einer Vitrine ausgestellt zu werden, denn es ist typisch für die Färbe. Wer will, mag darin ein anachronistisches Überbleibsel in einer ansonsten von Events und Zweckorientierung geprägten Kulturlandschaft erkennen. Genauso gut aber beschreibt es die Einzigartigkeit der Färbe, die gerade deshalb bis heute als Ideenschmiede für ein lebendiges Verständnis von Theater gilt. Wo sonst beispielsweise lassen sich Mimik, Gestik oder Deklamationskunst einer Meisterin der Schauspielkunst wie Dinah Hinz so unmittelbar erleben wie in der Färbe? Mit der 83jährigen Schauspielerin, die in Singen bei der Inszenierung von Friedrich Dürrenmatts "Die Physiker" mitwirkte und die auf zahlreichen deutschsprachigen Top-Bühnen zuhause ist, gibt es in der bevorstehenden Saison ein Wiedersehen.

Cornelia Hentschel und Peter Simon gehen übrigens davon aus, dass Dinah Hinz bei der Buchtaufe mit dabei sein wird – so wie andere Schauspieler oder auch Regisseure, die in den vergangenen Jahrzehnten auf oder hinter der Bühne mitwirkten. Einige von ihnen haben es inzwischen zu Bekanntheit gebracht, sind im Fernsehen präsent oder beispielsweise in der Branche als Drehbuchautoren gefragt. Cornelia Hentschel will in den nächsten Wochen Anschreiben zur Buchtaufe verschicken, sodass die Präsentation der Dokumentation zum 40jährigen Bestehen der Färbe durchaus zugleich zu einem illustren Stelldichein von Vertretern der gehobenen Schauspielkunst werden könnte.

Buch und Fest verdeutlichen damit, was die Färbe auch ist: Ein kulturelles Markenzeichen der Stadt Singen, das Botschaften weit über die Region sendet. Sichtbar wurde dies unter anderem im vergangenen Jahr bei den Hamburger Theatertagen, bei denen die Singener Färbe mit ihrem Beitrag mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde.

Die Buchtaufe zum 40jährigen Bestehen der Singener Färbe findet am Donnerstag, 18. Oktober, um 20 Uhr in der Basilika statt