Die beliebtesten Suchtmittel sind, dies geht aus dem Jahresbericht für 2015 hervor, Nikotin und Alkohol. Doch bei der Abhängigkeit von Glücksspiel und neuen Medien sei ein Anstieg zu verzeichnen, sagt Fachstellenleiter Lars Kiefer.

Aber er hat auch eine gute Nachricht: Die Zahl der Klinik-Einweisungen von Jugendlichen nach Alkoholkonsum im Landkreis Konstanz sei weniger geworden, weiß der Leiter der Singener Fachstelle, die zum Baden-Württembergischen Landesverband für Prävention und Rehabilitation gehört, bei der Vorstellung der Jahresbilanz. "Dies bestätigt, wie wichtig Prävention ist", sagt er und lobt die Zusammenarbeit mit dem Landkreis und dem Netzwerk b.free. 113 Präventionsveranstaltungen seien 2015 durchgeführt worden.

Insgesamt sei der Alkoholverbrauch mit jährlich 9,7 Litern reinem Alkohol pro Kopf seit Jahren fast unverändert hoch. "In Deutschland haben zehn Millionen Menschen ein Alkoholproblem und nur 200.000 lassen sich behandeln", betont Lars Kiefer. In Familien und auch in Betrieben werde das Thema oft ignoriert. "Wegschauen ist eine Verlängerung der Sucht", sagt er. Um das erklärte Ziel zu erreichen, den Stellenwert von Alkohol in der Gesellschaft zu verändern, habe die Fachstelle Sucht zahlreiche Aktionen in Singen durchgeführt – und neue geplant: Für Herbst soll es eine Vortragsreihe in Unternehmen rund um das Thema "Sucht und Gesundheit im Betrieb" geben, kündigt er an.

"Es fehlt häufig das Bewusstsein, dass es sich um eine psychische Erkrankung handelt", erklärt Sandra Hartmann. Die Sozialarbeiterin weiß, dass der Gang zur Suchtberatung oft eine Hemmschwelle ist. Das hilfreiche Angebot der Fachstelle Sucht beinhaltet Gespräche, Behandlung, Nachsorge und Selbsthilfegruppen. Neu im Programm ist Akupunktur. 77 Prozent der Klienten, deren Behandlung 2015 endete, seien abstinent oder die Problematik habe sich deutlich verbessert, sagt Kiefer. Dabei gehe es weniger um Erfolgsquoten, sondern in erster Linie um den Mensch. "Wir legen Wert auf jede einzelne Person", betont er.