Wer in Radolfzell in den Bus steigt, kommt günstig an sein Ziel. Seit zwei Jahren kostet ein Einzelfahrschein einen Euro, 365 Euro zahlen Erwachsene für ein Jahresticket. Und seit das so ist, steigen laut Statistik über 12.000 mehr Menschen pro Monat in die Stadtbusse.

Wie der SÜDKURIER berichtete, profitieren davon wiederum die Stadtwerke. Sie nehmen mittlerweile mehr Geld ein als zu früheren Zeiten, in denen die Tickets teurer waren. Win-win nennt man eine solche Situation auf Neudeutsch. Wäre das Radolfzeller Erfolgsmodell auf Singen übertragbar?

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Carlo Maroni ist bei den Stadtwerken Geschäftsbereichsleiter für den Öffentlichen Personennahverkehr. Er sieht die Stadtbusse bereits auf einem guten Weg: „Wir haben die Mehrfahrtenkarte im März noch einmal radikal reduziert“, erklärt Maroni. „Nach dem Motto ‚zehn für sechs‘ zahlt der Kunde für eine Zehnerkarte jetzt lediglich den Preis von sechs Einzelfahrten.“

Konkret bedeutet das: Erwachsene zahlen für ein Zehnerticket 13,20 Euro, Kinder 7,20 Euro. Bei den Jahreskarten herrschen in der Hegaumetropole bereits Radolfzeller Verhältnisse. „Auch bei uns kostet das Jahresticket 365 Euro“, betont der ÖPNV-Geschäftsbereichsleiter.

„Es würde zu Verspätungen kommen“

Dass der Einzelfahrschein noch etwas teurer ist als bei den Nachbarn am See hat seinen Grund: „Durch den Umbau des Bahnhofvorplatzes kommt es im Moment zu Verspätungen“, erläutert Maroni. „Im Durchschnitt liegen wir hier bei acht Minuten pro Linie.“

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Zwar sei es wünschenswert, die Fahrgastzahlen noch zu erhöhen. Es sei aber zu befürchten, dass sich die Schlangen bei den Busfahrern verlängern, sollte man die Einzelfahrscheine jetzt noch weiter reduzieren. „Es würde zu weiteren Verspätungen kommen. Aus diesem Grund hat uns auch ein Gutachter davon abgeraten.“

Bild: Tesche, Sabine

Gerade aus Rücksicht auf die bereits leidgeplagten Kunden habe man den Fokus lieber auf kostengünstigere Mehrfahrtentickets gelegt – mit Erfolg, wie Maroni betont. Die vergünstigten Monats- und Jahreskarten würden bereits stark angenommen.

Spannend wird es, wenn der Busbahnhof 2020 zur Einweihung des Einkaufszentrums Cano fertig wird. „Dann kann man sich nochmal Gedanken über Einzelfahrscheinpreise machen“, sagt Maroni.

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Auch Eberhard Röhm, Stadtrat und Grünen-Politiker, ist zuversichtlich, dass der Gemeinderat bis dahin entsprechende Beschlüsse fällt. „Mit dem neuen Mobilitätskonzept wird es Verbesserungen geben“, ist er sicher.

Ein Thema sei zum Beispiel die Einführung eines vergünstigten Tickets für Zeiten, in denen die Stadtbusse nicht so stark ausgelastet sind. Ein weiterer wichtiger Baustein des Radolfzeller Modells, über den man sich in Singen Gedanken machen müsse, sei zudem die Parkplatzsituation. Denkbar sei sowohl eine Erhöhung der Preise als auch eine Reduzierung der oberirdischen Parkplätze. „Wir werden uns dem Thema stellen müssen“, sagt Röhm. Nach Ferienende erwartet er entsprechende Gespräche im Gemeinderat.