Wer in Radolfzell mit dem Bus fährt, der kommt günstig an sein Ziel. Seit August 2017 kostet das Ticket für eine Fahrt mit dem Stadtbus gerade einmal einen Euro (für Kinder und Jugendliche 50 Cent). Betrieben werden die Stadtbusse von den Stadtwerken Radolfzell, bei denen die Stadt Radolfzell Mehrheitsgesellschafterin ist.

Positiver Trend hält an

Das zunächst als Test gestartete Projekt erwies sich bereits nach einem einjährigen Probebetrieb als voller Erfolg: Der Verkauf von Einzelfahrscheinen hatte im Vergleich zum Ausgangsjahr um mehr als 100 Prozent zugenommen. Aktuelle Zahlen belegen jetzt, dass sich der positive Trend in den vergangenen zwölf Monaten nicht nur gefestigt hat, sondern sogar noch einmal gesteigert werden konnte.

Mittlerweile haben sich die Verkäufe der Einzelfahrscheine gegenüber dem Ausgangsjahr 2016 verdreifacht. Gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum ergibt sich immer noch eine Steigerung um 24 Prozent.

Jahreskarte für 365 Euro

Der zunächst einsetzende Verlust bei den Monatskarten – vor allem im Schülerbereich – wird mittlerweile wieder durch steigende Verkaufszahlen im Jahreskartenbereich kompensiert. Hier spielt nach Ansicht der Verwaltung die 365-Euro-Jahreskarte für Erwachsene (200 Euro für Schüler), die seit dem 1. Januar 2019 angeboten wird, eine wichtige Rolle. Auch die Fahrgastzahlen sprechen eine deutliche Sprache.

Günstiger gehts kaum: In Radolfzell fährt man seit Juli 2017 für einen Euro mit dem Stadtbus.
Günstiger gehts kaum: In Radolfzell fährt man seit Juli 2017 für einen Euro mit dem Stadtbus. | Bild: Gerald Jarausch

Seit der Änderung steigen laut Statistik über 12 000 mehr Menschen pro Monat in die Stadtbusse. Und auch finanziell wird die Preisanpassung immer attraktiver für die Betreiber. In vier von zwölf Monaten nehmen die Stadtwerke mehr Geld ein, als zu Zeiten, als die Tickets mit 2,30 Euro pro Einzelfahrschein mehr als doppelt so teuer waren wie heute.

„Das war nicht zu erwarten“

Damit hat sich die Umstellung auf die günstigeren Ticketpreise als positiv herausgestellt. Mit einem derartigen Erfolg hatte man selbst in der Radolfzeller Stadtverwaltung und bei den Stadtwerken Radolfzell als Betreiber der Buslinien nicht gerechnet. Oberbürgermeister Martin Staab sagte dazu: „Wir haben nie damit gerechnet, dass das so angenommen wird. Das war nicht zu erwarten“.

Das belegen auch die Kalkulationen. Mit der Reduzierung der Buspreise hatte die Stadtverwaltung anfangs mit einem Einnahmenverlust von etwa 120 000 Euro für zwölf Monate gerechnet. Der war dann aber geringer ausgefallen. Das Minus durch die Preissenkung betrug im Jahr 2018 lediglich 40 000 Euro.

Umstieg auf freiwilliger Basis

Als echter Verkaufsschlager entpuppte sich das Angebot von ermäßigten Einzelfahrscheinen für 50 Cent. Diese haben im Testzeitraum um satte 144 Prozent zugenommen. Schüler können seither zum halben Preis den Stadtbus nutzen. Vielerorts habe der Bus das Elterntaxi abgelöst, vermutet man bei der Stadt.

Vor allem freut man sich darüber, dass der Umstieg auf freiwilliger Basis stattgefunden hat: „Das ist wirklich ein voller Erfolg. Die Menschen sind umgestiegen und wir mussten nichts davon anordnen“, sagt OB Martin Staab.

Parken ist teurer geworden

Eine weiterer Baustein des Stadtentwicklungsplans, der eine sich verändernde Mobilität zu Kenntnis nimmt und diese auch befördert, ist das Parken in der Innenstadt. Mit der gleichzeitigen Anhebung der Preise für das Parken auf einen Euro pro Stunde – was im Vergleich mit anderen Städten immer noch sehr bezahlbar ist – hat man indirekt ebenfalls einen Anreiz für den Umstieg auf Busse oder gar das Fahrrad geschaffen.

Dieses Vorgehen ist für Staab der elegantere und effektivere Weg für den Umstieg auf umweltfreundlichere Fortbewegungsmittel: „Es gibt ordnende und lenkende Maßnahmen. Aber es ist immer besser, die Menschen mitzunehmen“, sagt er.

Sammeltaxi-Angebot wird ausgeweitet

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Infrastruktur: Diese soll laut Oberbürgermeister Staab angepasst und verbessert werden. Neben dem Ausbau des Radwegenetzes stehen eine Ausweitung des Anruf-Sammeltaxi-Angebots sowie eine engere Taktung der Busfahrzeiten während des Berufsverkehrs an. „Wir sind in der Lage, noch mehr zu tun“, ist sich der OB sicher.

Stadtbusse und Anruf-Sammeltaxis in Radolfzell

  • Die Radolfzeller Stadtbusse: Sieben Linien erschließen flächendeckend die Kernstadt, drei Linien führen in die Ortsteile. Infolge eines dichten Netzes sind die einzelnen Haltestellen gut erreichbar. Die gesamte Bedienung ist auf den Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) direkt am Bahnhof ausgerichtet. Dort laufen alle Linien zusammen. Hier ist auch das Umsteigen auf andere Stadtbuslinien, den regionalen Busverkehr oder auf Züge möglich.
  • Anruf-Sammeltaxi: Die Stadtwerke Radolfzell bieten ein Anruf-Sammeltaxi als verlängerten Buslinienverkehr von Freitag bis Sonntag an. Es bedient die Ortsteile Böhringen, Güttingen, Liggeringen, Markelfingen und Möggingen. Die AST-Zentrale erreicht man unter Telefon (0 77 32) 80 08-777 von Montag bis Sonntag (6 bis 24 Uhr). Man sollte 30 Minuten vor der im Fahrplan angegebenen Abfahrtszeit in der AST-Zentrale anrufen und die Abfahrtshaltestelle, Abfahrtszeit, Fahrziel und Personenanzahl nennen.
  • Bus-Tarife: Das Einzel-Monatsticket wurde am 1. Januar 2019 von 38 Euro auf 36,50 Euro reduziert, das Jahresabo von 380 Euro auf 365 Euro. Die Senioren-Monatskarte kostet 31 Euro (Jahreskarte 310 Euro), die Schüler-Monatskarte wurde von 25 auf 20 Euro (Jahresabo von 250 auf 200 Euro) reduziert. Die Familienkarte kostet 57 Euro (Jahreskarte 570 Euro). Zum Vergleich: Eine Einzelfahrt mit dem Konstanzer Stadtbus kostet 2,40 Euro. Ein Monatsticket kostet dort 47 Euro, für die Jahreskarte werden 470 Euro fällig.