Die neue Klinikkapelle ist nun offiziell ihrer Bestimmung übergeben worden. In den vergangenen Tagen kamen deshalb besonders viele Gäste in die Kapelle, die in den letzten Monaten komplett umgebaut und saniert worden war. Den Festgottesdienst gestalteten der Evangelische Bischof Professor Jochen Cornelius-Bundschuh und der katholische ehemalige Weihbischof Paul Wehrle gemeinsam.

Der Reiz der Kapellenfenster

„Das Licht ist einfach schön!“ – dieser Eintrag steht in dem Büchlein, das in der Klinikkapelle ausliegt und Menschen die Gelegenheit gibt, um Bitte oder Danke zu sagen oder etwas zu schreiben, was sie bewegt. Für dieses Licht sind in erster Linie die Kapellenfenster des Künstlers August Babberger verantwortlich, die nun in neuem Glanz erstrahlen.

Für Annette Liesem hat die Klinikkapelle eine ganz besondere Bedeutung. Als sie 1949 im Singener Krankenhaus geboren wurde, ist sie dort notgetauft worden. „Ich spüre deshalb eine ganz besondere Verbindung und bin in letzter Zeit wieder öfters hier“, so Annette Liesem.

Viel Lob von den Besuchern

„Die Kapelle ist sehr schön geworden“, findet sie. Und mit dieser Meinung steht sie nicht alleine da. Nicht nur bei sonnigem Frühlingswetter, wie am Festwochenende, dringt das Licht immer wieder anders in seinen bunten Facetten durch die schönen Glasfenster, die im Originalzustand von 1928 erhalten sind.

Warum das Singener Krankenhaus im Jahre 1928 die Klinikkapelle bekam, das erläuterte der Architekt Jörg Wuhrer beim Tag der offenen Kapelle am Sonntag. Über den Künstler August Babberger sprach der Kunsthistoriker Andreas Gabelmann, der sich in seiner Promotion intensiv mit dem Werk Babbergers beschäftigt hatte.

Die neue Klinikkapelle wurde am Wochenende eingeweiht. Die 1928 hergestellten künstlerischen Fenster spielen im Erscheinungsbild eine besondere Rolle.
Die neue Klinikkapelle wurde am Wochenende eingeweiht. Die 1928 hergestellten künstlerischen Fenster spielen im Erscheinungsbild eine besondere Rolle.

Die Fenster seien aufgrund der Vermittlung durch den Architekten Hermann Dilling in Auftrag gegeben worden. Anfangs habe es zwei Kapellen gegeben, so Andreas Gabelmann. Die nun umgebaute Kapelle war ursprünglich für die Katholiken gedacht.

In den 60-er-Jahren zogen die Protestanten mit ein

Auf dem gleichen Stockwerk wurde aber 1928 auch eine kleinere Kapelle für die evangelischen Gläubigen gebaut. Diese musste jedoch in den 1960-er-Jahren Umbaumaßnahmen weichen. Ursprünglich gab es also sechs Fenster in den damals zwei Kapellen. Die drei Fenster der evangelischen Kapelle sind teilweise heute im Evangelischen Altenheim „Haus am Hohentwiel“ verbaut.

Die Glasfenster gehören für Gabelmann zu den Höhepunkten des Werks von August Babberger (1885 bis 1936). Die Motive wurden anhand von Bibelstellen gewählt.

Architekt arbeitet kostenneutral

„Für unseren außergewöhnlichen Traum hatten wir ganz großes Glück, mit dem Architekten Jörg Wuhrer jemanden zu finden, der sich Gedanken gemacht hat, was dieser Raum braucht“, sagte der evangelische Krankenhausseelsorger Christoph Labuhn.

Bereits 1895 hatte es das erste Krankenhaus in Singen gegeben, am Standort des heutigen Amtsgerichts. Doch erst 30 Jahre später begannen die Planungen für den Bau des heutigen Klinikums. Damals hatten 93 Architekten einen Entwurf abgegeben.

Zum Zuge sei damals Hermann Dilling, der Zweitplatzierte, gekommen, weil er sich darauf fokussiert hatte, dass das Gebäude sich ins Landschaftsbild direkt am Fuße des Hohentwiels einfügt, erklärte Wuhrer.

Viele Veranstaltungen möglich

Als Mitglied des Lions-Clubs Singen-Hegau hat Jörg Wuhrer die Planung für die Sanierung kostenneutral gemacht. Die ehemals abgehängte Decke, die den oberen Teil der Fenster verdeckt hatte, sei so hoch wie möglich nach oben gesetzt worden, so Wuhrer.

„Die Fenster sollten wieder in voller Größe erlebbar werden“. Vom Flur aus hat die Kapelle eine Öffnung erfahren. Durch die nun flexible Bestuhlung sind in der Kapelle vielfältige Veranstaltungen möglich.