Dies ist keine unendliche Geschichte, obwohl es lange Zeit danach aussah. Die Neugestaltung des Singener Herz-Jesu-Platzes ist nach jahrelanger Diskussion und Entwürfen so gut wie fertig. Zum Schluss ging es mit der Umsetzung sogar noch recht zügig. Die 112 Autos sind von der Oberfläche verschwunden. Entstanden ist ein Platz, der von aufgelockert angeordneten Mehrfamilienhäusern eingerahmt wird und vielfältig bespielt werden kann. Samstags und dienstags ist er in den Sommermonaten dem Wochenmarkt vorbehalten. Doch auch sonst soll er künftig unter Bäumen und im Café im Eckgebäude zum Verweilen einladen.

Wohnhäuser werden 2020 fertig

Die Wohn- und Geschäftshäuser sollen im Frühjahr 2020 fertig werden. Insgesamt entstehen hier 17 Eigentums- und sechs Mietwohnungen in der Regie des Siedlungswerks. Ein bisschen Geduld ist noch nötig. Unterdessen kann der umgestaltete Platz ab Juni wieder als Wochenmarkt genutzt werden. Die portugiesischen Facharbeiter der Radolfzeller Firma Couto haben die gleichen Pflastersteine verwendet, die schon im 2012 beendeten ersten Bauabschnitt verlegt wurden. Jetzt haben Dinis Rocha und André Silva den Granit kunstvoll in Bändern zwischen größeren Platten eingebaut. Graue Granitbänke, die auch ein großzügig angelegtes Rosenbeet einfassen, geben dem Platz Struktur.

So sieht der schmucke Herz-Jesu-Platz nach der Neugestaltung aus. Bild: Albert Bittlingmaier
So sieht der schmucke Herz-Jesu-Platz nach der Neugestaltung aus. Bild: Albert Bittlingmaier | Bild: Bittlingmaier, Albert

Nach Norden und Osten begrenzen die neuen Häuserblocks den Platz. Obwohl die Arbeiten noch nicht endgültig abgeschlossen sind, ist jetzt schon erkennbar, dass das Areal rund um die Herz-Jesu-Kirche deutlich aufgewertet wird. Das war auch das Ziel, als sich die Stadt um die Förderung der östlichen Innenstadt aus dem Bundes- und Landesprogramm „Soziale Stadt„ bewarb. Immerhin werden mit dieser Förderung knapp die Hälfte der rund 1,4 Millionen Euro teuren Sanierung im zweiten Bauabschnitt finanziert. Der 2012 erneuerte Teil des Platzes kostete rund eine Million Euro.

Die Tiefgarage wurde nach dem Vorbild der Stadthallengarage gebaut und bietet genug Platz für größere Autos. Sobald alle Brandschutzvorschriften erfüllt sind, wird sie freigegeben. Bild: Gudrun Trautmann
Die Tiefgarage wurde nach dem Vorbild der Stadthallengarage gebaut und bietet genug Platz für größere Autos. Sobald alle Brandschutzvorschriften erfüllt sind, wird sie freigegeben. Bild: Gudrun Trautmann | Bild: Gtr

Die Stadt hatte frühzeitig auf Bürgerbeteiligung gesetzt. Dabei zeigte sich schnell, dass das Thema Parken für die Anlieger sehr hohe Bedeutung hat. Eigentlich hätten auch die Stadträte gerne eine zweigeschossige Tiefgarage unter dem Platz gebaut. Doch das gab die Stadtkasse nicht her. Aus mehreren Entwürfen von Planungsbüros ging die Arbeitsgemeinschaft Hennig & Gemmeke sowie der Freiraumplanung Sigmund als Sieger hervor. In dem eingeschossigen Parkhaus werden nach der Freigabe 75 öffentliche und 39 private Parkplätze zur Verfügung stehen. Weniger also, als vor dem Umbau.

Thomas Hägele und seine Mitarbeiterin Uschi Tschacher freuen sich auf breitere Markstraßen.
Thomas Hägele und seine Mitarbeiterin Uschi Tschacher freuen sich auf breitere Markstraßen. | Bild: Gtr

Auch für die Betreiber der Marktstände war das Parken ein großes Thema. Einige Kunden seien weggeblieben, weil sie zu Beginn des Umbaus Strafzettel fürs Falschparken bekommen hätten. Insgesamt seien die Einbußen aber noch erträglich geblieben. Das werde sich ja nun ändern, sind die Händler zuversichtlich. „Wenn sich erst herumspricht, wie schön der Platz geworden ist, werden sicher noch neue Kunden kommen“, sagt Thomas Hägele. Er weiß schon, dass er wieder ähnlich stehen wird, wie vor dem Umbau. „Aber die Marktgassen werden breiter“, freut er sich. Tilo Brügel erinnert sich, dass die Marktleute der neuen Platzgestaltung von Anfang positiv begegnet sind. Den Eindruck vermitteln auch Wolfgang und Agnes Fröhlich, die ihr Obst regelmäßig auf dem Singener Wochenmarkt verkaufen. „Eigentlich ist das jetzt alles recht schnell und gut über die Bühne gegangen“, sagen sie und freuen sich darüber, dass sie ihren alten Standplatz wieder zugeteilt bekommen haben.

Diana Duventäster-Maier, Erzeugerin aus Moos, ist froh, dass sie mit ihrem Marktstand endlich umziehen kann.
Diana Duventäster-Maier, Erzeugerin aus Moos, ist froh, dass sie mit ihrem Marktstand endlich umziehen kann. | Bild: Gtr

Die Gemüseerzeugerin Diana Duventäster-Maier wird mit ihrem Stand ebenfalls wieder an alter Stelle stehen. „Dann müssen sich die Kunden nicht ganz umgewöhnen“, freut sie sich. Einige Kunden hätten ihren wöchentlichen Marktgang einfach vorverlegt und damit das Parkplatzproblem während der Umbauphase umgangen.

Bis sich alles wieder richtig eingespielt hat, wird noch etwas Zeit vergehen. Aber die Standplätze für die Marktbeschicker sind weitgehend vergeben. Die Stände wurden von der Kirchenmauer bis auf den neuen Platz verteilt. Das Wasserspiel soll in diesem Sommer in Betrieb genommen, das Rosenbeet im Herbst bepflanzt und der Lesegarten mit den Bäumen im Herbst 2019 fertiggestellt werden.