Wer mit dem Fahrrad durch Singen fahren möchte, hat es laut Manfred Lehn mitunter ganz schön schwer. Der Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Singen/Hegau beschäftigt sich seit sechs Jahren mit dem Radverkehr in der Stadt. Seitdem hat sich in seinen Augen zwar schon etwas getan, doch an Baustellen fehle es nicht. Nach Ansicht der Stadtverwaltung ist Singen aber auf einem guten Weg: Im Jahr 2012 wurden 174 Maßnahmen angeregt, ein Drittel davon sei inzwischen umgesetzt. "In einer für den motorisierten Verkehr geplanten Verkehrsstruktur, wie wir sie in Singen vorfinden, bedarf es einiger Überzeugungsarbeit für den Radverkehr Raum zu schaffen", hieß es in der Sitzungsvorlage des Aussschuss für Stadtplanung und Bauen. Dort stellte Petra Jacobi von der Abteilung für Straßenbau den Zwischenstand des Radverkehrskonzeptes vor.

Wo soll der Radverkehr verbessert werden?

Das größte Radverkehrsprojekt im laufenden Jahr wird die Fahrradstraße in der Nordstadt in den Straßen Im Iben und Schillerstraße sowie Pfaffenhäule/Werner-von-Siemens-Straße. Außerdem stehen Radwege am Südfriedhof sowie an der Roseneggstraße auf der Agenda. Schutzstreifen sollen die Friedinger Straße sicherer machen. "Radverkehr ist ein stetiger Prozess, auch die Bedürfnisse der Fahrradfahrer sind im Wandel", sagt Fahrradbeauftragte Jacobi. Grundsätzlich sei das Radwegenetz in der Stadt gut ausgebaut.

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Was bleiben Problemstellen?

An der Julius-Bührer-Straße sollen Radfahrer künftig sicherer unterwegs sein können. Ursprünglich war geplant, die Radfahrer durch die Fußgänger- statt durch die Autounterführung zu leiten. Jetzt soll die Julius-Bührer-Straße neu gebaut werden, konkret werden die Maßnahmen laut der Fahrradbeauftragten aber erst nach dem Bau des Bahnhofplatzes/Busbahnhof. Die Julius-Bührer-Straße gehört auch zu den Problemstellen für den ADFC: "Es ist ein Wunder, dass da noch nichts passiert ist", sagt Manfred Lehn. Er ist Vorsitzender und Sprecher des Fahrradclubs. Rechts sei direkt die Betonwand, links neben dem schmalen Radweg der Autoverkehr. Wenn ein Auto rechts abbiegen will, werde es kritisch. "Das ist schwierig und wird teuer", gesteht Lehn bezüglich eines Umbaus zur Verbesserung des Radverkehrs ein, doch aktuell sei es so unsicher, dass viele Radfahrer lieber einen Umweg fahren.

Welche Projekte werden nicht umgesetzt?

"Einige Maßnahmen sind nicht mehr umsetzbar, da sich zum Beispiel die Verkehrsbelastung verändert hat oder durch Neubauplanungen zu erwarten ist", erklärt Petra Jacobi. So entfallen zum Beispiel Schutzstreifen in der Worblinger Straße sowie von der Au- bis zur Georg-Fischer-Straße, weil die Einbahnstraßenregelung aufgehoben wurde. Andere Projekte fordern das Regierungspräsidium, etwa ein Schutzstreifen oder eine vorgezogene Haltelinie in der Freiheitsstraße/B34. Und manche Idee erwies sich laut Stadtverwaltung schlicht als zu teuer, zum Beispiel eine Brücke zur Querung der Hauptstraße an der Bahnhofstraße, wo eine Kostenschätzung von einer Million Euro ausging.

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Wie viel kosten die Maßnahmen?

Die aktuell geplanten Maßnahmen sollen im laufenden Jahr rund 200 000 Euro kosten. Die Bandbreite möglicher Kosten ist groß: Ein baulicher Radweg ist natürlich teurer als eine Abänderung der Beschilderung, wie sie im vergangenen Jahr bei zwölf Straßen im Stadtgebiet geschehen ist. "Seit 2010 hat der Straßenbau für das Thema Fahrrad alleine 2 200 000 Euro investiert", sagt Jacobi.

Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Singen sehen noch Potenzial für Singens Radverkehr. Von links: Christian Oexle, Bruno Frese, Vorsitzender Manfred Lehn, Margit Suhr, Thomas Widemann und Marina Reiser.
Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Singen sehen noch Potenzial für Singens Radverkehr. Von links: Christian Oexle, Bruno Frese, Vorsitzender Manfred Lehn, Margit Suhr, Thomas Widemann und Marina Reiser. | Bild: Arndt, Isabelle

Was sagt der ADFC?

"Es ist kein kontinuierliches Radführungskonzept vorhanden", sagt ADFC-Sprecher Manfred Lehn. Radfahrer würden zu Geisterfahrern, weil sie schlecht geführt werden oder auf dem offiziellen Weg große Umwege brauchen. Vieles ist laut Manfred Lehn bisher nicht umgesetzt worden, weil es zu teuer sei. Beim Umbau der Rielasinger Straße habe sich für Radfahrer beispielsweise nicht viel geändert und sie müssten weiterhin auf der Straße fahren. Wenn die Beifahrer parkender Autos unvermittelt die Türe aufreißen würden, führe das zu gefährlichen Situationen. ADFC-Mitglied Thomas Widemann kritisiert, dass häufig vorrangig aus Sicht der Autofahrer geplant werde. So müsse er als Radfahrer auf dem Weg von Singen nach Gottmadingen allein an einer Kreuzung vier Ampeln hinter sich lassen, was teils über zehn Minuten dauere. Flüssiges Fahrradfahren sieht anders aus. "Vom großen Wurf für die Radverkehrsfreundlichkeit ist das weit entfernt", sagt auch Mitstreiter Christian Oexle. "Der Radfahrer ist kein Gegner, sondern entlastet den Stadtverkehr", betont Margit Suhr. Das solle im Alltag wie bei der Infrastruktur-Planung berücksichtigt werden.

Was hat sich bereits getan?

Es wurden beispielsweise neue Radwege gebaut von Bohlingen nach Moos entlang der Landstraße 222 sowie entlang der Überlinger Straße bis nach Überlingen am Ried (Kreisstraßen 6157 und 6158). Die Stadtverwaltung nennt als Erfolg außerdem den Radweg an der Mittelspange gen Singener Industriegebiet, den Radweg nördlich der Georg-Fischer-Straße und den neuen Radweg von Singen nach Friedingen entlang der K6120. Margit Suhr ist Gründungsmitglied des ADFC und lobt die vielen kleinen Schritte, die bereits unternommen würden. Ihr sind besonders die vielen neuen Fahrradbügel und einige Pump- sowie Flickstationen aufgefallen.

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