Bereits zum siebten Mal fragt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (adfc) die Menschen in den Gemeinden Baden-Württembergs nach ihrer Bewertung der Radwegequalität. Noch bis Ende November läuft der Fahrradklima-Test, an dem sich in Singen bisher rund 70 Bürger beteiligt haben. Gemessen an der Beteiligung in Konstanz ist das eine gute Zahl. Doch der Vorsitzende des Singener Adfc-Ortsvereins, Manfred Lehn, würde gerne eine dreistellige Zahl erreichen. "Je mehr Leute teilnehmen, um so mehr Gewicht erhalten die Aussagen", sagt Lehn. So sieht es auch Dieter Rummel von der Stadt.

Nicht in allen Fragen des Singener Radwegenetzes sind sich die beiden Männer immer so einig. Während Rummel berichtet, dass schon 65 Prozent der für die Südstadt beschlossenen Maßnahmen umgesetzt wurden, ist Lehn der Meinung, dass die Radwege-Infrastruktur grundsätzlich ein Problem in Singen ist. Seit 2010 ist Singen Mitglied in der Arbeitgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK) in Baden-Württemberg. Konstanz ist erst 2016 dazu gestoßen. Mittlerweile sind 58 Gemeinden und Landkreise dabei. Sie wollen die Radwegeinfrastruktur weiter zu verbessern.

Nach der Bestandsaufnahme im Jahr 2010 wurde 2015 überprüft, was sich seither getan hat. "Etliche Radwege sind in der Zwischenzeit fertig gestellt worden", sagt Rummel. "So im Pfaffenhäule, in der Georg-Fischer-Straße beim Ortsausgang, bei der Mittelspange und in der Überlinger Straße." Und es geht weiter: Der ziemlich in die Jahre gekommene Radweg in der Rielasinger Straße wird derzeit im letzten Abschnitt für rund 800 000 Euro saniert. Im Frühsommer 2017 soll er fertig sein.

Manfred Lehn sieht durchaus, dass sich die Stadt Singen bemüht, radfahrfreundlich zu werden. Trotzdem kritisiert er, dass es noch keine durchgehenden Radwege gebe. "Die Straßen wären breit genug, um Schutzstreifen oder durchgezogen Radfahrstreifen (wie in der Hohenkrähenstraße) aufzumalen", sagt Lehn. Untersuchungen hätten ergeben, dass Radfahrer auf diesen Streifen von den Autofahrern besser gesehen würden als auf baulich abgetrennten Radwegen. Diese Meinung ist auch im ADFC-Landesverband weit verbreitet, wie die Landesvorsitzende Gudrun Zühlke erklärt. "Die Unfallzahlen beweisen, dass die objektive Sicherheit für Radfahrer auf fahrbahnnahen Streifen höher ist, sagt sie.

Die Landesvorsitzende macht sich für eine starke Beteiligung der Bürger an dem Fahrradklima-Test stark. "Wir werben für eine breite Teilnahme, um den Druck in den Gemeinden erhöhen zu können", sagt Zühlke. "Die Bürgermeister schauen sich genau an, wie ihre Stadt im Test abschneidet." Bei 70 Teilnehmern sei die Aussagekraft zu gering, um Konzepte daraus abzuleiten. Während sich Manfred Lehn mindestens 100 Teilnehmer wünscht, stellt sich Gudrun Zühlke 300 bis 500 vor.

27 Fragen sind in der Online-Umfrage zur Frahrradfreundlichkeit zu beantworten: ob das Radfahren Spaß oder Stress bedeutet, ob die Radwege oft zugeparkt sind und ob sie im Winter geräumt werden.Entwickelt wurde der Fahrradklima-Test vor allem für größere Kommunen. Das spiegelt sich beim Blick in die Tabelle der aufgelisteten Gemeinden wider. In Dörfern nehmen in der Regel nur sehr wenig Bürger an der Umfrage teil. Hier gibt es wenig Konflikte zwischen Radfahrern, Autofahrern und Fußgängern. Dass Singen seit 2010 Mitglied der AGfK ist, geht auf Grüne und Freie Wähler im Stadtrat zurück.

Die Umfrage

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist laut Club weltweit die größte Befragung zum Radfahrklima. Pro Stadt muss eine Mindestteilnehmerzahl erreicht werden. Für Orte unter 50 000 Einwohner müssen das 50 Teilnehmer sein, zwischen 50 000 und 100 000 Einwohner ebenfalls mindestens 50. Städte mit 100 000 bis 200 000 Einwohner benötigen 75 Teilnehmer; bei über 200 000 Einwohnern sollten sich 100 Bürger an der Umfrage beteiligen. Der Test von 2016 wird im Frühjahr 2017 ausgewertet. Die Gemeinden erhalten Rückmeldungen zu Stärken und Schwächen der Radverkehrsförderung. Die Umfrage läuft noch bis Ende November.

Die Umfrage ist abrufbar unter: http://www.fahrradklima-test.de

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