Radfahrer freuen sich über jeden Radweg und nutzen ihn, weil sie sich darauf sicherer fühlen. Wenn ein blaues Schild auf den Rad- oder den Rad- und Fußweg hinweist, müssen sie sogar genutzt werden. In Singen müssen Radfahrer in Tempo-30-Zonen nicht mehr auf dem Radweg fahren. Das heißt, sie können in diesen Zonen die vorhandenen Radwege nutzen, müssen aber nicht. Die Aufhebung der sogenannten Benutzungspflicht in den 30er-Zonen sieht das Radverkehrskonzept von 2012 und die Straßenverkehrsordnung schon seit 2013 vor. Die Stadt Singen setzt sie um. Betroffen sind in der Nordstadt in Teilstücken die Conradin-Kreutzer-Straße, Richard-Wagner-Straße, Im Iben, Schubertstraße, Reichenaustraße, Herderstraße, Fichtestraße, Beethovenstraße, Am Posthalterswäldle und Uhlandstraße. In der Südstadt sind es Teilstücke der Freiburger Straße, Bohlinger Straße und Masurenstraße.

Der Radweg müsse nur dann genutzt werden, wenn die Verkehrssicherheit dies "nach einer über das Normalmaß hinausgehende gesteigerten Gefahrenlage dringend erfordert". Das sei in Tempo-30-Zonen nicht der Fall, erläuterte Bauingenieurin Petra Jacobi im Bauausschuss, die in der Abteilung Straßenbau neu für die Fuß- und Radwege zuständig ist. Untersuchungen belegten, dass Radfahrer im Sichtfeld der Autofahrer sicherer wären, als auf einem separaten Radweg. Gefahrensituationen ergeben sich dort vor allem an Aus- und Einmündungen. Radfahrern, die auf der Straße fahren dürfen, bleibe außerdem das Queren von hohen Bordsteinkanten erspart. "Der baulich getrennte Radweg bleibt bestehen, und kann von unsicheren Radfahrern genutzt werden", erklärte Jacobi. Die Pflicht, auf dem Radweg zu fahren, wird durch die blauen Verkehrszeichen gekennzeichnet. Diese würden in den 30er-Zonen abgebaut. Jacobi wies zudem darauf hin, dass Autofahrer auf Radwegen weder halten, noch parken dürften. Wer dagegen verstoße, muss mit einem Strafzettel rechnen.

Vielen Stadträten schien es nicht ganz plausibel, dass es auf der Straße sicherer sei, als auf dem Radweg. SPD-Stadtrat Manfred Bassler fragte, ob man die Regelung überall durchsetzen müsse. Die Regelung sei Gesetz und müsse umgesetzt werden, erklärte Jacobi. Auch Fragen nach der Räumpflicht und der rechtlichen Situation, wenn sich Fußgänger und Radfahrer in die Quere kämen, wurden laut. An der Räumpflicht für Anwohner ändere sich nichts, so die Stadtverwaltung. Bei einem "Fahrrad frei" Schild wie in der Uhlandstraße, dürfen die Radfahrer den Gehweg benutzen, sie müssen aber Schrittgeschwindigkeit fahren und Fußgänger haben Vorrang.

 

Schilder für Radfahrer

Ein blaues rundes Schild mit Radsymbol bedeutet, dass der Radfahrer den Radweg nutzen muss. Ein blaues senkrecht geteiltes Radfahrer- und Fußgängerschild zeigt, auf welcher Seite die Verkehrsteilnehmer den Weg nutzen müssen. Das waagerecht geteilte Schild bedeutet, dass Fußgänger und Radfahrer den Weg nutzen dürfen.