Sagen Sie mal Herr Malär, wie kam es zur Zusammenarbeit mit Ihrer Schauspielkollegin Cornelia Schirmer und der Gründung des Duos Cocodello?

Es hat sich in der Tat einfach so ergeben. Cornelia war meine Dozentin an der Schauspielschule in Hamburg, ich hatte bei ihr Monologunterricht. Sie wusste, dass ich Musik mache und fragte mich, ob ich sie bei einem Auftritt musikalisch begleiten würde. Da der Auftrag der Geigerin Angelika Bachmann kam und ich schon lange ein großer Fan ihres kammermusikalischen Frauen-Quartetts „Salut Salon“ bin, war ich gleich Feuer und Flamme und wir haben losgelegt. Cornelia und ich haben bereits bei der ersten Probe gemerkt, dass wir musikalisch und künstlerisch zündeln und bei unserem Auftritt hat in der Tat die Hütte gebrannt. Da war klar, dass wir mehr zusammen machen wollen. Wir haben Lieder geschrieben und wollten diesen Liederabend szenisch umsetzen.

Entstanden ist das Zweipersonenstück „Auf alten Pfannen lernt man kochen“, in dem es um die „amour fou“ zwischen einem attraktiven, jungen Musiker und seiner ehemaligen Schauspiellehrerin geht. Hm, ist das womöglich eine autobiografische Geschichte?

(lacht) Ja und nein. Sicherlich fließt viel von unserer Persönlichkeit mit ein, von unserem Beruf als Schauspieler, als Musiker. Wir benutzen in dem Stück unsere eigenen Namen, vieles ist echt, wir vermischen es jedoch mit Fiktion und lassen dem Publikum Raum für Spekulationen. Es darf sich durchaus fragen: Was ist echt, was nicht?

Sie haben die Texte und die Lieder gemeinsam mit Cornelia geschrieben, spielen die Rollen selbst und führen auch die Regiearbeit im Team. Was macht ihre offensichtlich produktive Zusammenarbeit aus?

Dass wir beide das, was wir auf der Bühne machen, lieben und dabei die gleiche Vorgehensweise haben. Zuerst proben wir drauf los, lassen alles zu, was da kommt, wir feiern das regelrecht. Erst im zweiten Durchgang fangen wir an, den Rohling zu bearbeiten, sind dabei richtige Streber, wenn es darum geht, dem Stück final den Feinschliff zu verleihen. Und das wohl wichtigste ist, dass wir beide die Improvisation und Spielfreude lieben und genau diese Begeisterung für die Sache überträgt sich auch auf das Publikum.

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Sie nennen sich als Team Cocodello und bezeichnen sich als „Micro Musical Theater“. Was genau kann man darunter verstehen?

Musical, da denken viele an Andrew Lloyd Webber, an eine große Show. Ein Musical ist jedoch ein Musical, sobald ein Dialog gesungen wird. Wir sind zwei Personen, dazu ein Tisch, zwei Stühle, ein Paravent. Wir schauspielern, wir singen, begleiten uns selbst musikalisch auf unterschiedlichen Instrumenten. Oft verblüffen wir unser Publikum damit, dass es sich am Ende der Vorstellung fragt: „Und da waren wirklich nur zwei Leute auf der Bühne?“ Und das beweist: Wenn die Musik an sich tight ist, braucht es kein Drumherum.

Von Rock ‚n‘ Roll, englischsprachigem Pop, Chansons, Samba-Rhythmen bis hin zu Deutsch-Rap, ist Ihre Musik äußerst vielseitig. Warum vereinen Sie diese unterschiedlichen Musikstile?

Conny und ich sind an allem interessiert und musikalisch breit aufgestellt. Musik bewegt etwas. Je nachdem, wie man sie verwendet, löst sie unterschiedliche Gefühle aus, kann etwas bewirken. So kann ich Komik erreichen, wenn ich ein Genre wähle, das nicht zum Text passt. Es gibt da ein super Beispiel von den Prinzen. Die haben den derben Text „Mein Hund ist schwul, die dumme Sau“ musikalisch mit einem klassischen Kirchenchoral unterlegt und dadurch grandiose Ironie und Komik erreicht. Auch wir haben Texte und Musik so gemischt, dass es das Publikum überrascht. So unterlegen wir einen Gangster-Rap mit Cello-Klängen von Bach. Cocodello ist eine Wundertüte, in der die Vielschichtigkeit von Musik in allen Facetten gezeigt und zu einem harmonischen Ganzen zusammengefügt wird.

Delio Malär ist Schauspieler und Musiker mit Leidenschaft.  Bild: Maximilian Ruhm
Delio Malär ist Schauspieler und Musiker mit Leidenschaft. Bild: Maximilian Ruhm

Sie beherrschen unterschiedliche Instrumente, sprechen mehrere Sprachen, darunter auch Indonesisch. Wie kam es dazu?

Ich habe italienische Wurzeln, meine Eltern waren mit meinem Bruder und mir viel auf Reisen. Als ich eineinhalb Jahre war, waren wir in Indonesien und Kinder in dem Alter saugen eine Sprache auf, wie ein Schwamm. Indonesisch ist leicht zu lernen. Die Sätze werden mit Subjekt, Verb, Objekt gebildet und phonetisch ist die Sprache dem Italienisch ähnlich. Also habe ich die Sprache ganz automatisch gelernt.

Aktuell haben Sie einen Kinofilm in der Schweiz gedreht. Worum geht es da?

Der Film heißt Platzspitzbaby und kommt im Januar 2020 ins Kino. Es geht um eine drogensüchtige Mutter und ihre zwölfjährige Tochter, die einen imaginären Freund mit einer Gitarre hat, den ich spielen durfte. Damit wurde mir ein Traum erfüllt, denn ich konnte damit nicht nur auf der Bühne, sondern erstmalig vor der Kamera meine Leidenschaft zur Improvisation zeigen. Der Regisseur hat gesehen, was ich kann, und hat mich vieles einfach machen lassen. Ein ganz großes Geschenk.

Was möchten Sie beruflich unbedingt noch machen?

Was ich unbedingt noch machen möchte – wofür ich aber niemals besetzt werden würde – ist ein total überzogener Kung-Fu-Streifen. Mein Onkel ist Karatelehrer und ich habe mit ihm als Kind zusammen alle diese Filme geschaut und mache seit einiger Zeit Kampfsport. Aber ich bin ja erfinderisch und habe mir den Traum ein kleines Stückchen selbst erfüllt. (lacht) Ich hatte die Idee, in Cocodellos aktuellem Stück „Auf der Bühne gehörst du mir“ eine Kung-Fu-Szene einzubauen. Und Conny ist echt der Hammer, die macht alles mit. Für die Szene haben wir uns von Sifu Emanuel Bettencourt, dem fünffachen Weltmeister in Kung-Fu, sogar coachen lassen und die Szene ist zu einem echten Highlight geworden.

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