Singen Der Startschuss für das Cano ist gefallen

Der Gemeinderat hat die Baugenehmigung für das Singener Einkaufszentrum erteilt. Der Baubeginn ist jetzt für Anfang Juli vorgesehen. ECE berichtet stolz, dass bereits 60 Prozent der Ladenflächen vermietet seien

Manchmal hat es auch Vorteile, wenn eine Entwicklung länger dauert als geplant. So jedenfalls sehen es Oberbürgermeister Bernd Häusler und Projektmanager Marcus Janko von der Hamburger ECE-Entwicklungsgesellschaft, die in Singen ein großes Einkaufszentrum mit 16 000 Quadratmetern Verkaufsfläche bauen will. Nachdem der Gemeinderat am vergangenen Dienstag bei nur einer Gegenstimme die Baugenehmigung für das städtische Großprojekt erteilt hatte, konnten die Verhandlungspartner am Mittwoch die Verträge unterzeichnen. Damit ist der Startschuss für den Neubau des großen Handelskomplexes gefallen.

Viereinhalb Jahre intensive Planung

Bereits im Juni wollen die Bauherren die Baustelle einrichten. Im Juli startet der Abbruch der Gebäude. Viereinhalb Jahre hat die Intensivplanung gedauert. Doch schon 2009 hatten die Hamburger ein Auge auf Singen geworfen. OB Häusler erinnerte daran, dass die Otto-Gruppe, zu der ECE gehört, bereits am Kunsthallenareal Interesse hatte.

Dass Singen ein attraktiver Handelsstandort ist, bestätigte auch der Projektentwickler von ECE, Marcus Janko: "Wir haben bereits Mieter für 60 Prozent der Verkaufsflächen im Cano", sagte er am Mittwoch beim offiziellen Akt der Baufreigabe. "Die Gastronomiefläche, die sogenannte Food-Lounge im ersten Obergeschoss, könnten wir sogar zweimal vermieten."

Nachdem die Baugenehmigung für das große ECE-Einkaufszentrum "Cano" erteilt wurde, unterzeichneten Oberbürgermeister Bernd Häusler (links) und Marcus Janko (ECE) am Mittwoch die Verträge. Im Juli beginnt der Bau. <em>Bild: Sabine Tesche</em>
Nachdem die Baugenehmigung für das große ECE-Einkaufszentrum "Cano" erteilt wurde, unterzeichneten Oberbürgermeister Bernd Häusler (links) und Marcus Janko (ECE) am Mittwoch die Verträge. Im Juli beginnt der Bau. Bild: Sabine Tesche | Bild: Sabine Tesche

Offenbar sind die Hamburger von dem Erfolg des innerstädtischen Einkaufszentrums fest überzeugt. Anders ist wohl nicht zu erklären, dass die Investitionssumme von anfangs 120 Millionen Euro auf 160 Millionen und mehr gestiegen ist. "Die Preissteigerung ist nicht alleine der Zeitverzögerung anzulasten", sagt Janko. "Wir haben auch weiter am Konzept gefeilt und die Qualität der Shopping-Galerie weiter erhöht." Zwischen 30 und 40 Entwürfen seien gezeichnet worden. Alleine die Positionierung der Eingänge sei dadurch Stück für Stück optimiert worden.

OB legt weiterhin Wert auf größtmögliche Transparenz

Wer mit welchem Konzept in die Läden einziehen wird, durfte am Mittwoch noch nicht offenbart werden. Es werde aber viele weitere Informationsveranstaltungen für die Bürger geben, verspricht Bernd Häusler, der weiterhin Wert auf größtmögliche Transparenz legt. Im Juli sollen erste Mieternamen fallen. Ein Mieter ist bereits bekannt. Das ist die Commerzbank, die vorübergehend in die Postarkaden zieht und nach eigenen Angaben im Frühjahr 2020 ins Cano an der Ecke August-Ruf-/Bahnhofstraße einziehen wird.

Auch ortsansässige Händler als Mieter im Gespräch

Im städtebaulichen Vertrag hat die Stadt Singen mit ECE genau ausgehandelt, wie die Flächen auf die Sortimente verteilt werden sollen. Um einen Verdrängungswettbewerb mit dem bestehenden Handel zu vermeiden, sollen mindestens 30 Prozent der Flächen im Einzelhandels- und Dienstleistungszentrum (EDZ) aus den Sortimenten Schuhe und Bekleidung mit neuen Konzepten belegt werden. "Auch ortsansässige Händler oder solche aus der benachbarten Region sind mit uns als potentielle Mieter im Gespräch", berichtet Janko. Bis Ende des Jahres sollen die Verträge verbindlich unterschrieben sein. "Unser Ziel ist es, im Zentrum mit den aktuellsten und besten Marken präsent zu sein." Größere Flächen sollen für Lebensmittel zur Verfügung gestellt werden. Ebenso sollen auch Unterhaltungselektronik und Drogerieartikel verkauft werden. Die Stadt lege Wert darauf, dass Angebotslücken geschlossen werden, heißt es im 100 Seiten starken städtebaulichen Vertrag. Bis zu 85 Fachgeschäfte sollen auf den drei Verkaufsebenen angesiedelt werden.

Projektentwickler Marcus Janko erklärt, wie sich Laden-, Verkehrs- und Gastronomieflächen im ersten Obergeschoss des Cano verteilen. Die blau markierten Flächen zeigen die Bereiche für großflächigen Handel, die gelben Bereiche stellen den Lichthof und die Verkehrswege dar und die roten Bereiche sind für die Gastronomie vorbehalten. <em>Bild: Sabine Tesche</em>
Projektentwickler Marcus Janko erklärt, wie sich Laden-, Verkehrs- und Gastronomieflächen im ersten Obergeschoss des Cano verteilen. Die blau markierten Flächen zeigen die Bereiche für großflächigen Handel, die gelben Bereiche stellen den Lichthof und die Verkehrswege dar und die roten Bereiche sind für die Gastronomie vorbehalten. Bild: Sabine Tesche | Bild: Sabine Tesche

Parallel zum Cano-Bau will die Stadt den Bahnhofsvorplatz und die Bahnhofstraße umgestalten. Beide Großbaustellen werden in den kommenden beiden Jahren zur Herausforderung für die Stadt. Verkehrsbehinderungen würden bei der besten Planung nicht zu verhindern sein, räumt Bernd Häusler ein. Auch der Zugang für Pendler zum Bahnhof werde zeitweise erschwert. Umgeleitet wird der Verkehr über die Julius-Bührer-Straße auf der Rückseite des Bahnhofs.

 

Das sind die nächsten Schritte

Nach viereinhalb Jahren intensiver Planung sind die Weichen für den Neubau eines großen Einkaufszentrums in der Singener Innenstadt gestellt. Jetzt kann gebaut werden

  • Baustart: In den kommenden Tagen werden die Grundstückskäufe scharf geschaltet, wie Projektentwickler Marcus Janko sagt. Der Kauf der Grundstücke war bisher zwar mit Vorverträgen geregelt, aber immer noch abhängig von der Baugenehmigung. Die liegt seit Dienstag vor, weshalb die Grundstücke jetzt den Besitzer wechseln können. Auch die Stadt Singen kann ihr Schlüsselgrundstück erst jetzt freigeben. Sobald die Eigentümer ihr Geld von ECE bekommen haben, kann gebaut werden.
  • Vorarbeiten: Bereits Mitte Juni wollen die Hamburger Bauherren mit den Vorbereitungen für die Großbaustelle beginnen, und zwar im Osten beim ehemaligen Zollareal. Der echte Abbruch, der nötig ist, um das Gelände freizuräumen beginnt im Juli. Das bedeutet, dass die Gebäude erst entkernt und die Baustoffe nach Fraktionen getrennt entsorgt werden, bevor der schwere Abbruch beginnt. Ab Juli wird auch die Thurgauer Straße gesperrt.
  • Fertigstellung: Zwei Jahre Bauzeit hat ECE für das Cano veranschlagt. In der Zeit ist mit großen Verkehrsbehinderungen zu rechnen, zumal zeitgleich der Bahnhofsvorplatz umgestaltet wird. Die Eröffnung des Einkaufszentrums ist für den Herbst 2020 vorgesehen. (gtr)

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Geplantes Einkaufszentrum am Singener Bahnhof: 16.000 Quadratmeter Verkaufsfläche auf fünf Stockwerken. Am Singener Bahnhof entsteht für 142 Millionen Euro das bislang größte Einkaufszentrum in der Region. Realisiert wird es von der Hamburger Investorenfirma ECE. Das Projekt wurde zum Politikum im gesamten Landkreis. Die Singener gaben per Bürgerentscheid im Juli 2016 grünes Licht für die Shopping-Mall.

So haben die Singener abgestimmt:

Wahlbeteiligung: 36,8% - Das Quorum wurde erreicht (21,57 %).

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