Das Hin und her um das Windkraftprojekt auf dem Schienerberg geht in eine neue Runde. Während sich die Projektgemeinschaft, die das Projekt umsetzen möchte, bereits über Interessenten für Aktien freut, gibt es andernorts immer noch heftigen Widerstand.

„Die Projektgemeinschaft ist auf einem gutem Weg, die anstehenden Arbeiten für das Verfahren mit dem Kanton Schaffhausen und der Gemeinde Hemishofen abzuschließen“, sagt Patrick Schenk, Projektleiter der Chroobach Windenergie. Im Oktober wurden entlang der Zuwege Bohrungen für Bodenuntersuchungen gemacht, mit denen die technischen Planungsdokumente für die Eingabe beim Landratsamt vorbereitet werden.

365 Menschen wollen Aktien kaufen

Wann die Unterlagen für die Planungs- und Bewilligungsphase abgegeben werden müssen, stehe aber noch nicht fest. In trockenen Tüchern ist also noch nichts. Trotzdem hätten bereits mehr als 365 Personen Interesse für den Kauf von Windakten bekundet. „Generell erwarten wir im Jahr 2022 die wichtigen nächsten Schritte im Planungsprozess“, so Schenk.

„Bei einer Ablehnung würde die Projektgemeinschaft den Entscheid genau prüfen und ihre Möglichkeiten in Erwägung ziehen.“ Patrick Schenk, Projektleiter Windenergie Chroobach.
„Bei einer Ablehnung würde die Projektgemeinschaft den Entscheid genau prüfen und ihre Möglichkeiten in Erwägung ziehen.“ Patrick Schenk, Projektleiter Windenergie Chroobach.

Für die Realisierung des Windenergieprojektes braucht es eine Änderung im Nutzungsplan der Gemeinde Hemishofen und eine Baubewilligung. Die Projektgemeinschaft Chroobach Windenergie hat im April bei der Gemeinde Hemishofen einen Antrag auf Teilrevision der Bau- und Zonenordnung zur Ausschreibung einer Windenergiezone eingereicht.

Gemeinderat fürchtet um Tierwohl

Doch der Gemeinderat Hemishofen ist alles andere als begeistert von dem geplanten Projekt: „Der Gemeinderat Hemishofen spricht sich nach wie vor gegen den unverantwortbaren Eingriff in die Umwelt, Mensch und Tier gefährdende, vögel- und insektenvernichtende Windparkanlage auf dem Chroobach aus“, hieß es in einem offenen Brief an die Projektgemeinschaft.

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Still steht das Projekt dennoch nicht. Vorbereitungen sind bereits im Gange. Die Projektgemeinschaft ist auch mit dem Kanton und weiteren Behörden in Kontakt. Die Entscheidung über die Windkraftanlage Chroobach liegt letztendlich aber an den rund 470 Hemishofer Stimmbürgern, die über die Teilrevision der Nutzungsplanung abstimmen. „Mit einer Ablehnung würde die Zielerreichung der kantonalen Energieversorgung einen argen Dämpfer erhalten“, sagt Schenk.

Zweifel an der Wirksamkeit der Anlagen

Doch nicht nur der Gemeinderat ist gegen das Projekt, es haben sich auch Initiativen gegen das Windkraftprojekt gebildet. Die Bürgerinitiativen Gegenwind Chroobach und Landschaftsschutz Schienerberg kritisieren, dass Flora und Fauna durch das Windprojekt stark in Leidenschaft gezogen würden. Und das in unmittelbarer Nähe eines Landschaftsschutzgebietes.

„Die Anlagen werden durch die mangelnde Windhöfigkeit keinen entscheidenden Beitrag zur Klimawende leisten“, so Philipp von Magnis vom Oberbühlhof in Öhningen. Für den Pressesprecher der Interessengemeinschaft Landschaftsschutz Schienerberg ist die Windaktie eine Mogelpackung, mit der die Bürger durch verlockende Aussicht auf vermeintlich schnelle Gewinne in das Projekt eingebunden werden sollen.

„Die Windaktie ist eine Mogelpackung, mit der die Bürger durch verlockende Aussicht auf vermeintlich schnelle Gewinne in das Projekt eingebunden werden sollen“, Philipp von Magnis, Pressesprecher der Interessengemeinschaft Landschaftsschutz Schienerberg. Bild: Güntert.
„Die Windaktie ist eine Mogelpackung, mit der die Bürger durch verlockende Aussicht auf vermeintlich schnelle Gewinne in das Projekt eingebunden werden sollen“, Philipp von Magnis, Pressesprecher der Interessengemeinschaft Landschaftsschutz Schienerberg. Bild: Güntert.

André Götti von der grenzüberschreitenden Bürgerinitiative „Gegenwind Chroobach“ geht davon aus, dass der Gemeinderat Hemishofen das Projekt ablehnt und der nächste Schritt nicht mehr eingeleitet werden kann. „Die Interessengruppen sind gespannt auf die Umweltverträglichkeitsprüfung“, sagt Götti und erinnert daran, dass der Regierungsrat auch versprochen habe, dass die Autonomie der Gemeinde respektiert werde.

Für von Magnis ist es nicht ausgeschlossen, dass der Kanton die Entscheidung der Gemeinde dann übergreifen kann, wenn ein übergeordnetes Interesse vorliegt. Das heißt, der Kanton könnte sich immer noch für das Projekt aussprechen, auch wenn die Bürger dagegen sind. „Sollte sich der Kanton dazu hinreißen lassen, käme das einem Paradigmenwechsel gleich, der schweizweit sicher Aufmerksamkeit erregen würde“, sagt von Magnis.