Kummer sind die Berufsfischer von der Insel Reichenau und der Höri mittlerweile gewohnt. Seit etlichen Jahren müssen sie Rückgänge bei den Fängen bilanzieren. Aber dass es immer noch schlechter geht, zeigt das Jahr 2020. Nur 89 490 Kilogramm Fische landeten in den Netzen und Reusen der 22 deutschen Berufsfischer, berichten der Vorsitzende Stefan Riebel und sein Stellvertreter Werner Keller vom Fischereiverein Untersee und Rhein. „Wir hatten leider wieder kein gutes Jahr“, so Keller. Denn das waren rund 8250 Kilo weniger als im Jahr 2019 und gar rund 38 620 Kilo weniger als im Zehn-Jahresschnitt davor. Einen letztmals schlechteren Fang hatte es im Jahr 1960 gegeben (rund 80.920 Kilo). Und Riebel fügt an, dass die Statistik ohnehin ein eher verzerrtes Bild gebe, weil im Zehn-Jahresschnitt bereits schlechte Fangjahre enthalten seien. Wenn er die Fänge aus den 1970er- oder 1980er-Jahren als Vergleich heranziehe, wären die Rückgänge noch gravierender.

Vor allem Schleien hat der Berufsfischer Stefan Riebel in den vergangenen Tagen gefangen. Das sei der edelste der Weißfische und sollte sich besser vermarkten lassen, ist er der Ansicht.
Vor allem Schleien hat der Berufsfischer Stefan Riebel in den vergangenen Tagen gefangen. Das sei der edelste der Weißfische und sollte sich besser vermarkten lassen, ist er der Ansicht. | Bild: Zoch, Thomas

„Nur vom Fang können wenige Berufsfischer leben“, erklärt Keller. Zumal es im vergangenen Jahr vor allem bei den edlen Fischarten wie Hecht, Aal und Barsch, die höhere Einnahmen bringen, schlecht ausgesehen habe. Wenigstens sei der Rückgang beim wirtschaftlich wichtigsten Fisch nicht so deutlich gewesen: „Beim Felchen sind wir mit einem fast blauen Auge davon gekommen“, sagt Keller. 44.727 Kilogramm, das waren nur rund 1450 weniger als 2019, allerdings rund 40.190 Kilogramm weniger als im Zehn-Jahresschnitt. Felchen machen damit aber immer noch rund die Hälfte des Gesamtfangs aus.

Aal ist am teuersten

Die mit Abstand am besten bezahlte Fischart sei der Aal, erklärt Keller. Hierbei lag der Fang mit 3637 Kilogramm um 1154 Kilogramm unter dem Vorjahr. Sehr stark rückläufig war das Ergebnis zudem beim beliebten Kretzer, dem Barsch. 3091 Kilo fingen die Fischer im Jahr 2020, in den drei Jahren zuvor waren es stets mehr als 8000. Regelrecht eingebrochen sei der Hechtfang mit 5118 Kilogramm gegenüber 2019, als es 11.490 Kilogramm waren. Das sei unerklärlich, berichten die erfahrenen Berufsfischer. In den vergangenen zehn Jahren habe es beim Hechtfang fast immer eine fünfstellige Kilozahl gegeben. Und auch beim Zander sah es ganz schlecht aus. Nur 495 Kilo bedeuteten 1633 weniger als im Jahr 2019.

Deutliche Steigerung beim Karpfen

14.281 Kilo Karpfen haben die Fischer 2020 im Untersee und Rhein gefangen, im Jahr davor nur 5829. Diese Steigerung sei nach dem Hitzesommer 2018 sogar schon im Vorjahr zu erwarten gewesen, schreibt die Fischereiaufsicht in ihrem Jahresbericht, denn so war es auch 2004 nach dem Hitzesommer 2003, als sich die Karpfen stark vermehrten. Erfreulicherweise sei auch der Schleienfang wie seit einigen Jahren weiter auf hohem Niveau, betont die Fischereiaufsicht. 9181 Kilogramm bedeuteten ein Plus von 290. Werner Keller erklärt, die Schleie sei eine langsam wachsende Fischart und habe deshalb ein schönes festes Fleisch: „Das ist der edelste unter den Weißfischen.“ Sein Kollege Stefan Riebel pflichtet ihm bei.

Aber warum sinkt der Fischfang? Die Fischereiaufsicht und die erfahrenen Fischer sehen eine ganze Reihe von Gründen. Zum einen sei das Wasser sauberer als früher und damit nährstoffärmer, sagt Werner Keller. Wenn Fische schreien könnten, würden sie es wohl oft vor Hunger tun, fügt er hinzu. Der zweite wichtige Grund seien die vielen fischfressenden Vögel, die zudem im extrem klaren Wasser ihre Beute noch besser sehen, so Riebel und Keller. „Es sind einfach zu viele Vögel“, sagt Keller. Für die Berufsfischer ist nicht nachvollziehbar, warum Vögel für den Naturschutz einen höheren Stellenwert hätten als Fische. Weitere Grüne, so Stefan Riebel, seien der Klimawandel mit steigenden Wassertemperaturen und niedrigen Wasserständen sowie eingeschleppte Tierarten. Eine größere Schwebegarnelenart raube der frisch geschlüpften Fischbrut die Grundnahrung Plankton. Ohne die Fischbrutanstalt ihres Vereins sähe es um die Fänge noch schlechter aus, sagen die Vorstandsmitglieder.

Das könnte Sie auch interessieren

Werner Keller berichtet, dass der Verein allein von Felchen etwa 2 Millionen schwimmfähige Brut und zirka 23 Millionen angefütterte Brut im Untersee ausgesetzt hat. Beim Hecht seien es rund 500.000 angefütterte Brut gewesen. Zudem habe der Verein 75.000 Glasaale und rund 9000 Farmaale eingesetzt. Der Verein suche für die Brutanstalt derzeit eine Führung, sagt Stefan Riebel. Derzeit investiere der Verein in die Sanierung des verpachteten Gebäudes. Werner Keller betont: „Das ist schon ein Kraftakt finanzieller Art.“ Allerdings gibt es einen Grund zur Freude für die erfahrenen Berufsfischer. Bei einem Kollegen in Hemmenhofen gebe es seit vergangenem Jahr einen Auszubildenden, berichtet Riebel. Das habe es bei den Mitgliedern seit vielen Jahre nicht mehr gegeben.