Das Thema Biodiversität soll nun auch in der Gemeinde Reichenau wichtiger werden. Es geht um die Förderung und den Erhalt der biologischen Vielfalt von Tieren und Pflanzen und deren Lebensräumen in Ökosystemen.

Laut Greenpeace Deutschland sind 41 Prozent der einheimischen Tierarten bedroht oder extrem selten, drei Prozent ausgestorben oder verschollen. 26,4 Prozent der rund 3000 einheimischen Farn- und Blütenpflanzen seien bestandsgefährdet und über 70 Prozent der Lebensräume als gefährdet einzustufen. Fachleute halten die Artenvielfalt auch für die Menschen für sehr bedeutend.

Ein Rückgang von Arten sei festzustellen

Kerstin Sauer aus der Waldsiedlung und Matthias Middendorf von der Insel haben nun die Initiative ergriffen, um einen Reichenauer Arbeitskreis Biodiversität zu gründen. Denn der Rückgang von Arten sei trotz der diversen Naturschutzgebiete auch hier in der Region festzustellen, erklären sie.

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So gebe es beispielsweise deutlich weniger Schmetterlinge, Stare oder Schwalben als noch vor zehn oder 20 Jahren. Sauer berichtet, früher habe es immer mehrere Schwalbennester an ihrem Elternhaus gegeben. Diese würden heute kaum noch bezogen. Die Gemeinde will dies organisatorisch und auch finanziell unterstützen.

Ansprechpartner in der Verwaltung ist Hauptamtsleiter Mario Streib. Doch auch andere Institutionen wie die Gemüse-Genossenschaft, der Verkehrsverein, der Winzerverein und die politischen Gruppierungen hätten in Vorgesprächen bereits ihre Unterstützung zugesagt, so Middendorf. Wobei Streib anmerkt, wichtig sei es, dass die Bevölkerung als größte Gruppe mitmache – natürlich freiwillig.

Zur Gründung des Arbeitskreises gibt es nun am 15. Juli eine Auftaktveranstaltung für alle Interessierten.

Nester von Mehlschwalben hängen unter einem Vorsprung. Für Schwalben wird die Aufzucht ihrer Jungen immer schwieriger. Als Gründe nannte ein Nabu-Sprecher Veränderungen in der modernen Kulturlandschaft.
Nester von Mehlschwalben hängen unter einem Vorsprung. Für Schwalben wird die Aufzucht ihrer Jungen immer schwieriger. Als Gründe nannte ein Nabu-Sprecher Veränderungen in der modernen Kulturlandschaft. | Bild: Maurizio Gambarini

„Wir wollen keine Symbolpolitik machen“

„Das Schöne bei dem Thema ist, dass man Maßnahmen lokal ergreifen kann“ meint Middendorf. „In der Gemeinde gibt es ein breites Potenzial.“ Und die Gemeinde sei gut geeignet, weil es eine kleinteilige Landschaft gebe, mit vielen bestehenden Biotopen, die man miteinander vernetzen könnte.

Grundsätzlich gehe es einerseits darum, in der Gemeinde und der Bevölkerung für das Thema zu werben und zu sensibilisieren. Aber es gehe natürlich auch darum, konkrete Projekte zu entwickeln und umzusetzen. „Wir wollen keine Symbolpolitik machen“, betont Middendorf.

Doch Sauer erklärt, man wolle dem Arbeitskreis auch nicht vorgreifen, was konkret gemacht werden könnte. Man müsse sich die Situation in der Gemeinde näher anschauen und dann fachlich prüfen, was sinnvoll sei, wobei man auf die Unterstützung von Fachleuten etwa vom Naturschutzbund (Nabu) oder Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) setzt.

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Gemeinde und Privatleute können Naturschutz leisten

Aber die Gemeinde könne natürlich mit gutem Beispiel vorangehen, indem sie Gemeindeflächen wie etwa die Obere Ergat ökologisch aufwerte – zum Beispiel mit insektenfreundlichen Blumenmischungen – meint Middendorf. Diese bietet seit einiger Zeit auch das Gärtnercenter der Genossenschaft auf der Reichenau an. Die Insekten dienen dann Vögeln oder Reptilien als Nahrung.

Landwirte könnten dazu beitragen, etwa durch die Gestaltung der Randstreifen von Feldern oder den Verzicht auf Spritzmittel. Aber auch Privatleute könnten einiges machen, so Sauer. Im eigenen Garten könne man die Artenvielfalt fördern, indem man eine verwilderte Ecke mit Steinchen, Totholz, Brennnesseln und Wildkräutern zulasse, so Sauer: „Es gibt viele kleine Sachen, die man machen kann.“