Während der Corona-Krise spendet das traditionsreiche Radolfzeller Bekleidungsunternehmen Schiesser 2500 Wäschestücke an notleidende Bürger der Stadt und im Landkreis. „Es ist ein ganz besonderes Zeichen der Solidarität in schwierigen Zeiten“, würdigt Radolfzells Oberbürgermeister Martin Staab die großzügige Spende am ersten von zwei Ausgabetagen im Tafelladen in der Markthallenstraße.

„Wir wollten ganz spezifisch Menschen begünstigen, die es notwendig haben, und nicht einfach etwas in die Fläche herausgeben“, reagierte der Vorstandsvorsitzende der Schiesser AG, Andreas Lindemann, auf häufig gestellte Anfragen an das Unternehmen nach Unterstützung in der Krisenzeit. Herausgekommen ist eine gut funktionierende Kooperation mit einer punktgenauen Landung der Hilfe: Der Tafelladen stellte für die Verteilung der Wäschestücke sein Betriebsgelände zur Verfügung. Und Auszubildende in der Stadtverwaltung sowie Freiwillige von sozialen Diensten verteilten am ersten Ausgabetag 500 Wäschestücke an Bürger, die berechtigt sind in der Tafel einzukaufen sowie eine Zeller Karte besitzen oder Wohngeld empfangen.

Firma ist selbst stark von der Pandemie betroffen

Andreas Lindemann macht keinen Hehl aus der Wirtschaftslage: Auch die Schiesser AG sei von der Corona-Pandemie stark betroffen. Das Radolfzeller Unternehmen ist sowohl Hersteller von Bekleidung als auch ein Handelsunternehmen mit über 100 Ladengeschäften – den sogenannten Schiesser Stores. „Wir spüren am eigenen Leib, und unsere Mitarbeiter leider auch, was es heißt in dieser Krise zurück zu stecken“, so der Vorsitzende des Vorstands. „Im ersten Moment war bei uns eine operative Hektik“, erinnert sich Andreas Lindemann: Nachdem verschiedene Sachen organisiert waren, besann sich das Unternehmen auf die Antragsteller und wollte vornehmlich regional etwas Gutes tun – dort, wo Schiesser zu Hause sei.

Spenden sollen punktgenau ankommen

Lindemann suchte den Kontakt zu Oberbürgermeister Martin Staab, der die Hilfsleistungen mit dem Vorsitzenden der Tafelläden im Landkreis sowie mit Auszubildenden koordinierte. Andreas Lindemann zeigte sich froh und dankbar gegenüber den Kooperationspartnern, dass die Spende exakt Notleidende vor Ort und im Landkreis erreicht: Was innerhalb der beiden Ausgabentage in Radolfzell nicht weggehe, werde an die Tafeln in Konstanz und Singen ausgeben, so Lindemann.

„Wir haben mit der Corona-Krise und dem einhergehenden wirtschaftlichen Einbruch eine Situation, die es manchen Menschen noch schwerer macht, sich im Leben zurecht zu finden und mit den Finanzmitteln klar zu kommen“, weiß Martin Staab zu berichten. Deshalb habe die Stadtverwaltung den Tafelladen hinzu gewinnen wollen, um die Spendenaktion genau dort zu platzieren, wo die Hilfe notwendig sei und ankomme.

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Auch die Tafelläden im Landkreis standen gleich zu Beginn der Corona-Pandemie im Krisenmodus. In Baden-Württemberg hatten am Anfang der Krise 60 Prozent der Tafelläden geschlossen. Unter anderem wurden Lebensmittel, die von Supermärkten und Geschäften zur Verfügung gestellt werden, durch Hamsterkäufe knapp. In Radolfzell musste darüber hinaus kurzfristig die Tafel geschlossen werden, weil in den zu kleinen Räumen die Sicherheit von Kunden und Personal mit dem Mindestabstand nicht gewährleistet werden konnte.

Der Vorsitzende der Tafelläden im Landkreis Konstanz, Udo Engelhardt, sieht genau in der unkomplizierten und unbürokratischen Form dieser Kooperation eine gut funktionierende Zusammenarbeit, die Tafelläden besonders jetzt bräuchten. Denn die Lebensmittelversorger für notleidende Bürger registrierten aktuell eine stärkere Zunahme an Kunden in ihren Tafelläden. Es kämen nun mehr Familien, die von Kurzarbeit betroffen seien. Sie würden von Kindertagagesstätten, Schulen und der Schulsozialarbeit an die Tafel vermittelt. Eine Zusammenarbeit mit diesen Institutionen werde in nächster Zeit wichtiger werden, erkennt Udo Engelhardt das Unvertraute dieser Situation: „Wenn Menschen neu in diese Lage kommen, ist die Tafel für sie keine Selbstverständlichkeit.“