Vor zehn Tagen schloss die Radolfzeller Tafel. Dafür gab es gleich mehrere Gründe. Die Ladenfläche war zu klein, um den in der aktuellen Situation angemessenen Abstand einhalten zu können. Viele Helfer und Kunden sind zudem älter und gehören zu der Risikogruppe für schwer verlaufende Corona-Infektionen. Für die Kunden und die Mitarbeiter wäre die Ansteckungsgefahr zu hoch gewesen, erläutert die Vorsitzende der Radolfzeller Tafel, Hildegard Gallenschütz. Der Tafelladen fand nun einen Weg, seine Kunden mit günstigen Lebensmitteln zu versorgen: Am Freitag, 3. April, steht ab 13 Uhr in der Markthallenstraße und im Hof der Tafel zwei Stunden lang ein Lastwagen bereit, an dem Tafelkunden eine vorgepackte Tasche mit Lebensmitteln erhalten. Die Ausgabe soll jeden Freitag erfolgen.

Vor der Schließung hatte die Tafel den Zutritt bereits auf wenige Personen beschränkt. Doch mit den Helfern an der Theke und an der Kasse war der Tafelladen einfach viel zu voll, so die stellvertretende Leiterin der Radolfzeller Tafel, Susanne Hiltner. Bereits vor den landesweiten massiven Einschränkungen habe sie den Eindruck gewonnen, dass sich die Kunden nicht mehr in Grüppchen versammelten, sondern sich im ganzen Hof vor dem Tafelladen verteilt hatten. Den Kunden war die Gefahr ganz bewusst, so Hiltner: „Alle waren sehr vorsichtig.“

Überraschendes Geschenk zu Ostern

Bei der Schließung standen die Gesundheit und die Sicherheit der Tafelkunden sowie der Mitarbeiter im Vordergrund. Kunden zeigten sich wie die Kollegen erleichtert, dass der kleine Laden geschlossen wurde. Nun sollen die Waren in vorgepackten Taschen im Freien verteilt werden. Zwei jüngere Mitarbeiter und ein Helfer von der freien evangelischen Gemeinde unterstützen den Tafelladen bei der Ausgabe. Susanne Hiltner wünscht sich, dass die Kunden der Tafel anstelle von Geldscheinen lieber Münzgeld mitbringen. Eine Frau aus dem Landkreis Konstanz brachte für den Ausgabetag zwei große Kartons mit 50 Tüten mit Schokoladeneiern und Osterhasen in den Tafelladen, die kostenlos an die Kunden verteilt werden sollen.

Es waren schwere Zeiten für die Tafelläden im Landkreis. „Nach dem ersten Schock sieht für uns die Situation wieder positiv aus“, erläutert der Vorsitzende der Tafeln im Landkreis Konstanz, Udo Engelhard aus Singen. Wegen der verstärkten Vorratshaltung in den Haushalten gab es deutlich weniger Spenden aus Lebensmittelgeschäften. Die Situation habe sich grundlegend geändert, als die Lebensmittelläden für Schweizer Kunden nicht mehr erreichbar waren, so Engelhard. Dadurch seien in der Grenzregion mehr Waren von Lebensmittelgeschäften übrig geblieben. Eine weitere Quelle, von der die Tafelläden nun schöpfen können, seien gastronomische Betriebe, die für die Tourismus-Saison eingekauft hatten. Verstärkt bekommt Udo Engelhard Angebote von Hoteliers und Gastronomen.

„Nach dem ersten Schock sieht für uns die Situation wieder positiv aus.“ Udo Engelhard, Vorsitzender der Tafeln im Landkreis Konstanz
„Nach dem ersten Schock sieht für uns die Situation wieder positiv aus.“ Udo Engelhard, Vorsitzender der Tafeln im Landkreis Konstanz | Bild: Georg Lange

Der Vorsitzende zeigt sich inzwischen zuversichtlicher. Die Landesregierung habe die Tafelläden mit in die neuen Verordnungen aufgenommen und für sie Ausnahmeregelungen geltend gemacht. Auf kommunaler Ebene haben sowohl Radolfzell wie auch die Städte im Landkreis ihre Unterstützung zugesagt. „Der Tafelladen ist eine wichtige Anlaufstelle, um die Versorgung der schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft sicherzustellen“, so der Radolfzeller Oberbürgermeister Martin Staab. Es sei eine Gemeinschaftsaufgabe, den Tafelladen leistungsfähig zu halten und gleichzeitig die Helfer aus dem Kreis der Risikogruppen zu schützen. Hier unterstütze die Stadt Radolfzell gerne, so Martin Staab.

Vorsitzender bittet Bürger um Spenden

Udo Engelhard versichert seinen Kunden, dass die Tafelläden eine relativ breite Auswahl anbieten können. Die Bereitschaft zu Spenden sei gestiegen. Es gebe auch Großspenden, die er über den Bodensee-Verteiler bekomme. Der Vorsitzende wendet sich direkt an die Bürger: „Wenn sie bemerken, dass sie eigentlich zu viel eingekauft haben und feststellen, dass sie es nicht brauchen, so können sie am Freitag lang haltende Lebensmittel abgeben. Gerne nimmt die Tafel auch Toilettenpapier entgegen.“