Bevor die Pläne zur Erweiterung des Hotels Bora konkreter werden, hat OB Simon Gröger zu einem großen runden Tisch ins Milchwerk eingeladen. In der Auftaktveranstaltung legten jeweils zwei Vertreter aller angrenzenden Vereine, der Naturschutzvereine BUND und NABU sowie des Jugendgemeinderats und der Fraktionen des Gemeinderats ihren Standpunkt zum Bauprojekt dar.

Die Bedenken und Vorschläge werden an den Investor weitergegeben, der dann eine denkbare Bebauungsmöglichkeit vorstellen soll. Am 29. März soll der Gemeinderat einen Grundsatzbeschluss fassen.

OB Simon Gröger hört sich an, welche Bedenken Simon Stumpp vom Eisenbahner Sport Verein gegen die Erweiterung des Bora Hotels vorbringt.
OB Simon Gröger hört sich an, welche Bedenken Simon Stumpp vom Eisenbahner Sport Verein gegen die Erweiterung des Bora Hotels vorbringt. | Bild: Natalie Reiser

Mit dieser Veranstaltung wolle er sein Wahlversprechen einlösen, alle Beteiligten anzuhören, bevor grundsätzliche Beschlüsse gefasst werden, so Gröger. Transparenz in der Planung habe für ihn große Bedeutung. „Das ist ein wichtiges Thema für Radolfzell. Hier sollten die Weichen richtig gestellt werden“, so der OB.

Vor einer Woche hatte er eine Petition mit 3449 Unterschriften der Initiative „Hände weg vom Streuhau“ entgegengenommen. Bereits während des Wahlkampfs hatte Gröger einen Vorschlag ins Spiel gebracht, der das Streuhau unberührt lässt. Bei den Naturschützern fand er damit großen Anklang.

Der Kompromiss-Vorschlag des OB

Statt in westlicher Richtung ins Biotop Streuhau zu bauen, schlug er vor, ein Hotel gegenüber dem bestehenden Komplex in dem Wäldchen auf der anderen Seite der Straße zu errichten. Auf der Wiese daneben, zwischen dem neuen Hotel und Skateplatz, nördlich vom Vereinsgelände des Wassersportclubs Wäschbruck, könnten die geplanten Chalets gebaut werden. Der Bereich vom jetzigen Hotel bis zum Bodenseereiter sollte als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen werden, so Gröger.

Über diese „neue Chance, das wertvollste Gebiet im Landkreis, das bislang noch nicht geschützt ist“, unangetastet zu lassen, sei der BUND glücklich, sagte Thomas Giesinger. Eberhard Klein vom NABU schloss sich dem an. Das Gebiet sei „äußerst sensibel“ und es sei die richtige Entscheidung, es als Puffer zum dahinter liegenden Naturschutzgebiet als Landschaftsschutzgebiet auszuweisen. Zustimmung kam auch von Peter Schubkegel vom Bürgerforum Bauen.

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Die Vereine brachten allerdings einige Bedenken vor. Einige fürchteten, ihr Vereinsgelände nicht behalten zu können. So betonte Reiner Mauch vom Club der Wasserfreunde, diese seien seit 50 Jahren dort ansässig. Es sei ein großes Anliegen, den „wunderschönen Platz“ weiter nutzen zu können. Eine weitere Sorge war, dass das ohnehin stark frequentierte Ufer künftig von noch mehr Badegästen besucht wird.

„Ich habe Sorge, was passiert, wenn der Druck noch höher wird“, meinte Helmut Eisler vom Wassersportclub Wäschbruck. Es sei verständlich, dass die Menschen Erholung suchten, doch der Platz sei begrenzt. Bereits jetzt kämen viele Einheimische im Sommer nicht mehr an den See, weil es ihnen zu voll sei, fügte Rainer Biller von den Windsurfern hinzu.

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Sollten das neue Hotel und die Chalets östlich des jetzigen Hotels gebaut werden, wären die Tanke und der Skateplatz direkte Nachbarn des Hotels. „Wir denken, die Hotelgäste werden sich vielleicht von uns gestört fühlen“, meinte Radolf Schoepke vom Jugendgemeinderat. Der Platz sei aber nun einmal ein Gelände für Jugendliche, an dem auch mal laut Musik gespielt werde.

Auch Christoph Manz von der Tanke sah „erhebliches Konfliktpotential“, denn: „Wir haben Gesellschaften, manchmal Hochzeiten. Da wird es eben auch mal lauter.“ Zudem sei die Wiese für die Chalets regelmäßig von Hochwasser gefährdet. Uwe Gessendorfer vom Angelsportverein Frühauf verwies zusätzlich auf die ohnehin angespannte Parksituation.

Eine der Kleingruppen diskutiert die Streuhau-Problematik.
Eine der Kleingruppen diskutiert die Streuhau-Problematik. | Bild: Natalie Reiser

Angesichts all dieser Bedenken zeigte sich der Investor Bernd Schuler überrascht. „Die Hotelgäste überfluten nicht alles“, hielt er entgegen. Seine Gäste strömten in diverse Richtungen aus, in die Stadt, in den Biergarten und ins Herzenbad. Für großen Andrang von Badegästen sorgten in seinen Augen eher Camper des Wohnmobilparkplatzes und Sonntagsausflügler.

Was Gemeinderäte sagen

Die Gemeinderäte befürworteten die östliche Lösung weitgehend. Walter Hiller (FW) begrüßt es, die „touristische Entwicklung Radolfzells weiterzubetreiben“. Ein Landschaftsschutzgebiet halte er allerdings „nicht für die optimale Entscheidung“. Das schränkte den Handlungsspielraum für kommende Generationen ein. Jürgen Keck (FDP) hielt die touristische Entwicklung für sehr wichtig, auch wenn Konflikte mit der Jugend vorprogrammiert seien.

Auch Helmut Villinger (CDU) und Siegfried Lehmann (Bündnis 90/Die Grünen) befürworteten die Erweiterung des Hotels Richtung Osten. Ein Eingriff ins Streuhau wäre eine „historische Fehlentscheidung“ gewesen, so Lehmann, die nun ad acta gelegt sei. Gröger kündigte an, dass in der gleichen Runde der Bebauungsvorschlag vorgestellt werde.