Seit Jahresbeginn muss sich Jule Meier einiges von ihren Gästen anhören. Die Inhaberin der Seebar am Radolfzeller Ufer hat aus der Not heraus den Service in ihrer Bar umgestellt. Weil sie mit Personalproblemen zu kämpfen hat, gilt dort Selbstbedienung. Doch das gefällt nicht jedem Gast. Weil es bisher üblich war, dass eine der Servicekräfte die Bestellung am Tisch aufgenommen und später dorthin gebracht hat, haben sich die Menschen an diesen Vorgang gewöhnt. „Meine Mitarbeiter würden auch gerne Service machen“, sagt Jule Meier. Aber die aktuelle Situation zwinge sie – wie auch viele andere Gastronomen – zu Sparmaßnahmen.

Denn die vergangenen beiden Jahre haben der Branche nicht nur zugesetzt, sondern auch für eine starke Veränderung im Personalbereich gesorgt. Viele Menschen, die in der Gastronomie gearbeitet haben, waren während der Corona-Krise genötigt, sich andere Beschäftigungen zu suchen. Etliche davon wollen jetzt nicht mehr in die Gastronomie zurückkehren, weil die Arbeitszeiten wenig attraktiv sein können und die Branche nicht gerade für ihre fürstliche Entlohnung bekannt ist.

Fehlendes Personal, hohe Kosten

„Alle Gastronomen suchen händeringend nach Personal“, berichtet Jule Meier. Und aktuell kommen für die Betreiber von gastronomischen Einrichtungen auch noch die dramatischen Preissteigerungen als Problem hinzu. Im Einkauf müssen die Gastronomen derzeit bis zu 70 Prozent höhere Preise in Kauf nehmen und auch laufende Kosten wie Energie und Lohn steigen.

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So mancher Artikel, der beim Großhändler bestellt wird, kommt sogar nur in geringerer Anzahl oder gleich gar nicht: „Manchmal sind Dinge wie Erdnüsse und Chips nicht lieferbar“, sagt Jule Meier beispielhaft. Dennoch kann sie die Preise für die Kunden nur minimal anpassen – sonst bleiben sie schlichtweg weg.

Bitte um mehr Wertschätzung

Ihrer Branche bleibt daher nur der Ausweg, die Konzepte anzupassen, wie sie erklärt. Um die eigenen Mitarbeiter zumindest halten zu können, habe sie daher auf die Selbstbedienung umgestellt. Aus ihrer Sicht sei das nicht zwangsläufig ein Nachteil für die Gäste: „Viele finden es toll – so sind sie als Gast unabhängiger und müssen nicht aufs Zahlen warten“, sagt Jule Meier.

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Trotz all der Schwierigkeiten liegt es ihr fern, über die eigene Situation zu klagen. Sie liebt ihren Job: „Der Beruf macht unendlich Spaß. Ich möchte ihn noch viele Jahre weitermachen“, sagt sie. Einen Wunsch hat sie dennoch, denn aus ihrer Sicht wird der Wert der Gastronomie bisher nicht sonderlich hoch eingeschätzt: „Wir arbeiten sieben Tage in der Woche – das darf man auch mal wertschätzen“, sagt Jule Meier.