Erinnern Sie sich? An Ostern 2020 haben sich noch viele Klopapierrollen geschenkt. Das war ein Running-Gag, schließlich war Klopapier zu Beginn der Corona-Pandemie ständig ausverkauft. Damals waren die Mengenbeschränkungen, die Supermärkte und Discounter zum Schutz vor Hamsterkäufen eingeführt haben, irgendwie neu und komisch.

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind die mahnenden Schilder wieder da – und zeigen, dass wichtige Lebensmittel nicht jederzeit und überall in unbegrenzten Mengen vorhanden sind, so wie die deutschen Nachkriegsgenerationen das gewohnt sind.

Eine Fotogenehmigung für Ketten wie Kaufland? Gibt es für die Presse nicht. Nur vom Gehweg aus darf fotografiert werden.
Eine Fotogenehmigung für Ketten wie Kaufland? Gibt es für die Presse nicht. Nur vom Gehweg aus darf fotografiert werden. | Bild: Wienrich, Sabine

Donnerstagmorgen. Der Parkplatz vom Kaufland in Friedrichshafen-Manzell ist bereits gut gefüllt. Schnell den Wocheneinkauf erledigen, bevor die Masse kommt. Auf dem Einkaufszettel stehen vor allem Grundnahrungsmittel: Nudeln, Reis, Müsli, Butter, Milch. Katzenfutter, Bier, Klopapier. In Mengen, wie sie eine fünfköpfige Familie eben für eine Woche braucht. Also drei Packungen Nudeln, zwei Packungen Butter (Kuchenbacken einberechnet), fünf Flaschen Milch und so weiter. Vielleicht noch ein paar Erdbeeren. Den Rest gibt es direkt vom Erzeuger.

Beim Sonnenblumenöl, das vorrangig aus der Ukraine kommt, herrscht seit Wochen Knappheit. Auch Rapsöl wird in großen Mengen aus der Ukraine eingeführt, kann jetzt aber nicht exportiert werden, weil die ukrainischen Häfen seit dem russischen Angriff still stehen. Aktuell zeigt sich nicht nur beim Öl, welch wichtige Rolle die Ukraine als Lebenslieferant für Deutschland spielt. Als „Kornkammer Europas“ ist das Land wichtigster Getreidelieferant.

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Der Druck in der Branche ist deutlich spürbar. „Es gibt in unseren Rewe-Märkten weiterhin eine höhere Nachfrage nach bestimmten Produkten“, berichtet Rewe-Sprecher Thomas Bonrath. Deshalb bitte man die Kunden, nur in „haushaltsüblichen Mengen“ einzukaufen: „Nur auf Verkäufe in dieser Größenordnung sind die Produktionsmengen und die Lieferlogistik der gesamten Lebensmittelkette im Einzelhandel ausgerichtet.“ Rewe arbeite mit den Lieferanten intensiv daran, die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die Lieferketten so gering wie möglich zu halten und habe die Lagerbestände erhöht, so der Sprecher.

Zuerst die Nudeln. „Abgabe nur in haushaltsüblichen Mengen“ steht auf den roten Schildern am gut gefüllten Regal. Was „haushaltsüblich“ bei Nudeln im Manzeller Kaufland bedeutet, wird auch gleich erklärt: 2 Packungen. Die verbraucht eine große Familie, vielleicht noch mit hungrigen Teenagern, allerdings bereits bei einer Mahlzeit. Für eine ganze Woche Nudeln einkaufen? Hier unmöglich. Das Hartweizen für die Nudeln, auch das hängt in ukrainischen Häfen und auf Schiffen fest und kann nicht genutzt werden. Was sich bei uns lediglich anhand von Nudelrationierungen äußert, bedeutet in vielen Ländern dieser Welt Hungersnot.

Der Preis für Butter ist deutlich gestiegen. Kerrygold kostet im Kaufland Manzell derzeit 3,29 Euro. Diese Foto stammt aus einem ...
Der Preis für Butter ist deutlich gestiegen. Kerrygold kostet im Kaufland Manzell derzeit 3,29 Euro. Diese Foto stammt aus einem Supermarkt in Radolfzell. | Bild: Moll, Mirjam

Butterpreis knackt die 3-Euro-Marke

Zu den unterbrochenen Lieferketten kommen massive Preissteigerungen. Die steigenden Energie- und Rohstoffpreise sorgen teilweise für regelrechte Explosionen. Da wäre beispielsweise der Butterpreis. Etliche Marken-Butter großer Hersteller wie Kerrygold oder Meggle haben für 250 Gramm längst die 3-Euro-Marke geknackt. An der Süddeutschen Butter- und Käse-Börse in Kempten hat sich der Butterpreis bereits fast verdoppelt zum Vorjahr. Wurden das Kilo Butter im April 2021 noch für maximal 3,95 Euro gehandelt, sind es ein Jahr später 7,30 Euro. Laut Börse ist die Nachfrage allerdings normal.

Im Kaufland Manzell kostet die Kerrygold-Butter aktuell 3,29 Euro. Und trotz des hohen Preises sind die Mengen begrenzt – auf fünf Stücke, also 1250 Gramm. Hamstern die Menschen jetzt Butter? Oder ist das die Folge des ständig ausverkauften Sonnenblumenöls, das ja gerne auch zum Backen verwendet wird? Eine Kundin am Butterregal raunt: „Es ist wieder Öl da.“ Tatsächlich: Seit vielen Wochen landet zum ersten Mal wieder eine Flasche Sonnenblumenöl im Einkaufswagen. Das Öl-Regal ist voll. Trotzdem bleibt die Einkaufsmenge auf eine Flasche begrenzt. Eine Mitarbeiterin erklärt das so: „Mittwochs kommen die Lieferungen, da sind die Regale wieder voll. Aber wenn wir nicht begrenzen würden, wären sie Freitagmittag schon leer.“

Hamsterkauf? Nein, dieses Foto zeigt den üblichen Wocheneinkauf einer fünfköpfigen Familie. Derzeit beschränken die Discounter die ...
Hamsterkauf? Nein, dieses Foto zeigt den üblichen Wocheneinkauf einer fünfköpfigen Familie. Derzeit beschränken die Discounter die Einkaufsmengen wieder – zum Beispiel bei Nudeln. | Bild: Wienrich, Sabine

Doch was machen Familien, die größere Mengen brauchen und nicht so oft einkaufen können? Die „haushaltsüblichen Mengen“ einer großen Familie sind nun mal anders als beim Single-Haushalt. Zuletzt machte eine Lidl-Filiale Schlagzeilen, weil sie Kindern und Jugendlichen den Einkauf von Öl verboten hat. Aus der Kaufland-Konzernkommunikation heißt es dazu: „Selbstverständlich unterstützen wir Großfamilien, wo immer es möglich ist. So gibt es beispielsweise nur für einige wenige Artikel eine Mengenbegrenzung. Zudem ist die haushaltsübliche Menge, z.B. bei Aktionswaren, äußerst großzügig bemessen, sodass auch Großfamilien im entsprechenden Umfang bei uns ihre Einkäufe erledigen können.“ Außerdem würden die Filialen ihre Kunden kennen – und könnten situativ reagieren.

Jetzt fehlt noch das Klopapier. Eine Packung darf laut Hinweisschild mit. Offenbar wird auch hier wieder gehamstert wie in Lockdown-Zeiten, weil die Menschen Angst haben, dass der Krieg nach Deutschland kommt. Das nächste Mal geht es wieder zum kleinen Edeka um die Ecke. Man kennt sich und weiß, dass drei Packungen Nudeln in einer fünfköpfigen Familie eine normale Wochenmenge sind. Schilder braucht es da nicht.

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