Die Stadt Radolfzell hat sich ins Zeug gelegt, um der Verleihung der Bundeskunstpreise für Menschen mit Behinderung einen würdigen Rahmen zu verleihen: Im Milchwerk saß man an großen Tischen, auf denen Getränke bereitstanden. Ein Catering-Service hatte ein Buffet mit Häppchen aufgebaut.

Einzige Stadt, die diesen Preis ausrichtet

Oberbürgermeister Simon Gröger, Schirmherrin und SPD-Bundestagsabgeordnete Lina Seitzl sowie Oswald Ammon, Behindertenbeauftragter für den Landkreis Konstanz, ließen es sich nicht nehmen, Grußworte zu sprechen und bei der Verleihung der Urkunden und Preise aktiv zu werden. Durch die Veranstaltung führte mit lockerer und kompetenter Moderation der ehemalige Behindertensportler Matthias Berg.

Simon Gröger betonte, wie stolz Radolfzell sei, als einzige Stadt in Deutschland den Bundeskunstpreis auszurichten: „Alle Menschen sollen gleiche Chancen haben, sich gegenseitig achten und respektieren. Dazu leistet Kunst die beste Teilhabe.“

Petra Bialoncig von der Messmer-Stiftung mit den Preisträgern Andreas Fink, Benjamin Kölbl und Simon Weigt. Im Hintergrund ein ...
Petra Bialoncig von der Messmer-Stiftung mit den Preisträgern Andreas Fink, Benjamin Kölbl und Simon Weigt. Im Hintergrund ein Ausschnitt aus der Radierung „Pippi Langstrumpf“ von Benjamin Kölbl. | Bild: Veronika Pantel

Lina Seitzl schätzte sich glücklich, dass sie ihre erste Schirmherrschaft als Mitglied des Bundestages für den Bundeskunstpreis übernehmen durfte: „Menschen mit Behinderung bereichern unsere Gesellschaft. Kunst unterscheidet nicht zwischen Menschen mit oder ohne Behinderung. Dieser Preis ist ein Beispiel für gut gelingende Inklusion und er sorgt für Strahlkraft Radolfzells als Hauptstadt der Kunst.“

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Oswald Ammon betonte, dass Inklusion heiße, gemeinsam verschieden zu sein. Es sei wichtig, Diversität sensibel zu gestalten, denn Inklusion müsse überall sichtbar sein. Musikalische Darbietungen des Klarinetten-Quartetts der Stadtkapelle rahmten die Redebeiträge.

15 Preise wurden vergeben

Dann wurde es für die 15 Preisträger, die mit Familien, Freunden und Betreuern aus ganz Deutschland angereist waren, spannend. Zahlreiche Sponsoren und Förderer hatten dazu beigetragen, dass beim 23. Bundeskunstpreis wieder 15 Preise vergeben werden konnten: Der erste Preis ist mit 1000 Euro, der zweite mit 750 Euro und der dritte mit 500 Euro, alle weiteren mit jeweils 350 Euro dotiert.

Marc Türksch schuf „Geheime Botschaften“, das mit dem dritten Preis ausgezeichnet wurde.
Marc Türksch schuf „Geheime Botschaften“, das mit dem dritten Preis ausgezeichnet wurde. | Bild: Veronika Pantel

Den ersten Preis erhielt die 92-jährige Wilma Keulertz aus Köln für ihr Gemälde „Weihnachtsschrecken“. Trotz Lähmung ihrer Hand malte sie ein Bild, das den Schrecken der Corona-Zeit mit ihrer Isolation sichtbar macht: Durch düstere Baumsilhouetten schauen bedrohlich blickende Augen. Ihre Pflegerin habe sie ermutigt, wieder zu malen und das Bild beim Bundeskunstpreis einzureichen. „Mein Pastellbild zeigt meine Angst vor der Pandemie“, sagte sie.

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Die ausgezeichneten Bilder sind ausgestellt

Die 24-jährige Milena Kirtschig erhielt für ihre „Blume“ in einfacher Zeichensprache und leuchtenden Farbigkeit den zweiten Preis. Im Bild „Geheime Botschaften“, das den dritten Preis erhielt, gibt Marc Türksch (28 Jahre) dem Betrachter tatsächlich Rätsel auf: Verschlungene Zeichen und lebendige Farben lassen viele Entdeckungen und Assoziationen im vierteiligen Bild zu.

„Blume“ von Milena Kirtschig erhielt den zweiten Preis.
„Blume“ von Milena Kirtschig erhielt den zweiten Preis. | Bild: Veronika Pantel

Auch alle anderen prämierten Werke zeigten eine erstaunliche Vielfalt und die faszinierende Kreativität ihrer Schöpfer. In der Villa Bosch sind alle von der Jury aus 179 Bewerbungen ausgewählten 100 Kunstwerke von Menschen mit einem Behinderungsgrad von mindestens 80 Prozent, sei sie geistiger, körperlicher oder psychischer Art, in einer beeindruckenden Ausstellung zu sehen.