Beim Turnverein startet im Juni eine Sportgruppe für Kinder und Jugendliche, die mit einer Behinderung leben. Die Zirkuspädagogin Nina Breimaier hat die Gruppe mit dem Namen „Die bunten Bären“ und dem Motto „Jeder ist besonders – gemeinsam sind wir stark“ initiiert. Das Angebot steht auch Kindern und Jugendlichen offen, die gemeinsam Sport ohne Leistungsdruck machen möchten. Ein Schnuppertreffen ist für Montag, 30. Mai, geplant.

Inklusion ist nicht überall selbstverständlich

Es wird ein Angebot für Kinder wie Frieda sein. Die Kleine macht beim Treffen mit dem SÜDKURIER einige noch etwas wacklige Schritte im Kies auf dem Spielgelände des Turnvereins. Der einjährige Toni sitzt daneben und sieht seiner älteren Freundin lächelnd zu. Beide Kinder sind mit dem Down-Syndrom geboren. Ihre Mütter Simone Köfer und Nina Breimaier haben sich in der Spielstube Sonnenkinder kennengelernt.

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Beide Frauen waren beruflich mit Inklusionskindern beschäftigt, bevor sie ihre Kinder bekamen. Simone Köfer ist Erzieherin und hat in der Arche Konstanz, einer integrativen Kindertagesstätte, gearbeitet. Nina Breimaier therapiert Kinder und Jugendliche, die in psychiatrischer Behandlung sind. Seit sie selbst Mütter von betroffenen Kindern sind, stellen sie fest, dass Inklusion nicht überall selbstverständlich ist.

Miteinander spielen ist das eine, doch Kinder und Jugendliche mit Behinderung sollen auch miteinander Sport machen können, finden die ...
Miteinander spielen ist das eine, doch Kinder und Jugendliche mit Behinderung sollen auch miteinander Sport machen können, finden die Macher der Gruppe „Die bunten Bären“. | Bild: Natalie Reiser

Teilhabe ist auch in der Freizeit wichtig

„Wir möchten teilhaben, aber das ist nicht immer leicht,“ erzählt Köfer. Oft sei es vom guten Willen der Verantwortlichen abhängig. Nina Breimaier fügt hinzu: „Gemeinschaft bedeutet ja nicht nur, dass die Kinder in die Schule gehen können und Mathe und Deutsch lernen. Man möchte auch in der Freizeit etwas gemeinsam unternehmen.“

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Viele Familien wünschten sich mehr Freizeitangebote mit ihren Kindern, die nicht auf Leistung ausgerichtet sind, so ihre Erfahrung. Das gilt nicht nur, wenn ein Kind mit einer Behinderung lebt, sondern beispielsweise auch wenn Entwicklungsverzögerungen bestehen. Viele dieser Kinder würden gerne Fußball spielen, turnen oder tanzen. Aber in einem anderen Tempo und ohne Wettkampfdruck.

Der Gymnastikraum steht schon bereit

Bei David Kilgus, dem Ressortleiter Sport beim Turnverein Radolfzell, ist Breimaier sofort auf offene Ohren gestoßen. Er hat für die Gruppe am Montagnachmittag einen Gymnastikraum reserviert, in dem Bälle, Tücher und andere Utensilien für den Sport zur Verfügung stehen. Bei schönem Wetter könne auch das Freigelände des Vereins mit Spielgeräten und einer großen Wiese direkt am See genutzt werden.

In welche sportliche Richtung es schließlich gehen wird, hänge von den Anmeldungen und der Zusammensetzung der Gruppe ab, sagt Breimaier. Die Gruppe sei offen für die Kleinsten ab dem Krabbelalter bis hin zu Jugendlichen. Einschränkend erklärt sie: „Wir bieten kein fertiges Programm an.“ Eltern sollten ihre Kinder nicht nur abgeben, sondern mit dabei bleiben. Das gelte vor allem, wenn die Kinder klein sind. Köfer und Breimaier wollen Ideen liefern, wie gespielt und Sport getrieben werden kann. Im Laufe der Zeit schließe sich eventuell der eine oder andere Übungsleiter des Turnvereins an.

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Das genaue Sportprogramm soll sich entwickeln

Wie sich die Gruppe entwickle und ob einige Kinder später auch ohne ihre Eltern Sport machen können, werde man sehen, meint Kilgus. Einzelne Kinder mit Behinderung habe er bereits betreut. „Leicht ist es nicht immer“, sagt der Sportlehrer. Denn: „Offenheit und Freundlichkeit können wir als Übungsleiter mitbringen, aber Inklusionsexperten sind wir nicht.“ Allein für die Möglichkeit, die Gruppe unter dem Dach des Turnvereins anbieten zu können, ist Breimaier sehr dankbar: „So sind wir mit dabei und nicht allein.“