Das Land Baden-Württemberg hat die dritte Warnstufe in der Corona-Pandemie ausgerufen, doch für die Passagiere des Öffentlichen Personennahverkehrs ändert das wenig. Wer bisher schon dicht gedrängt am Morgen im Seehas und im Seehäsle zwischen Stockach und Radolfzell unterwegs ist, der wird auch jetzt wenig Chancen auf Abstand halten haben.

Zur Pandemie kommen noch erschwerte Bedingungen auf die Pendler zwischen den beiden Mittelzentren Radolfzell und Stockach. In den Herbsferien vom Samstag, 24. Oktober, bis Mittwoch, 28. Oktober, fährt das Seehäsle nicht. Die Südwestdeutsche Landesverkehrs AG (SWEG) will auf der Strecke mehrere Gleisbauarbeiten durchführen und setzt darum auf den Schienenersatzverkehr, also Busse ein.

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„Es wird enger“

Die Folge: „Es wird enger“, sagt Ralf Bendl, der beim Landratsamt die Abteilung für Nahverkehr und Straßen leitet. Und weiß: „Die Corona-Anforderungen sind dann nur schwer einzuhalten.“ Die Gleisbauarbeiten seien bewusst auf die Ferienzeit und um ein Wochenende gelegt worden. „Sodass die Schüler und ein Teil der Pendler schon einmal wegfallen und wir etwas weniger Personenverkehr haben.“

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Amtsleiter Bendl kennt das mulmige Gefühl, das einen überkommt, steht man dieser Tage dicht an dicht in einer überfüllten Bahn oder in einem Bus. Doch der Fahrgast habe auch in diesen Pandemie-Zeiten keinen Anspruch auf Abstand. Unternehmenssprecher Christoph Meichsner von der SWEG bezieht sich auf die Gesetzeslage: „Nach der Corona-Verordnung gilt im öffentlichen Personennahverkehr keine Abstandspflicht.“ Weder im Zug noch in den Bussen werde die Personenanzahl begrenzt. „Wer mit will, darf mit“, sagt Meichsner.

Maskenpflicht kann nicht immer kontrolliert werden

Natürlich seien alle Fahrgäste in Bus und Bahn verpflichtet – genau wie beim Einkaufen – eine Mund-Nase-Bedeckung während der gesamten Fahrt zu tragen. Die Bedeckungspflicht gelte auch an den Haltestellen und an Busbahnhöfen beim Warten oder Umsteigen. Meichsner weiß aber, „dass das nicht immer kontrolliert werden kann“.

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Während der Gleisbauarbeiten sind Samstag und Sonntag, 24. und 25. Oktober, insgesamt zwei Busse und Montag bis Mittwoch, 26 bis 28. Oktober, insgesamt drei Busse im Einsatz. Für jeden Zug, der ausfällt, wird jedoch nur ein Bus eingesetzt. Mehr Kapazitäten seien einfach nicht da, meint Meichsner.

Auch zu normalen Zeiten gibt es wenig Platz

Unter Kapazitätsengpässen müssen die Fahrgäste der SWEG auch unter ganz normalen Zug-Zeiten leiden, wenn keine Busse als Schienenersatzverkehr unterwegs ist. Immer wieder kommt es vor, dass das Seehäsle morgens zu Schulzeiten nur mit einem Treibwagen von Stockach nach Radolfzell und wieder zurück unterwegs ist. Die Folge: Schüler bleiben an den Haltestellen in Wahlwies und Stahringen stehen, weil der Wagen schon gerammelt voll ist.

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Das könne man nicht ändern, sagt SWEG-Sprecher Meichsner: „Es gibt Tage, an denen wegen einer Fahrzeugstörung nur ein Fahrzeug unterwegs ist.“ Andere Triebwagen ließen sich aus technischen Gründen auf der Strecke nicht einsetzen. Dass das in Corona-Zeiten besonders ärgerlich sei, kann er verstehen. „Aber alles was fahren kann, ist im Einsatz“, sagt Meichsner. Die Folge für die stehen gebliebenen Schüler: Das Elterntaxi muss ran, damit sie noch rechtzeitig in die Schule kommen. Pendler kommen dann nur mit Verspätung an ihre Arbeit.

Das ist auch ein Risiko des Schienenersatzverkehrs. Die Busse benötigen mehr Zeit als die Züge, sodass die gewohnten Anschlüsse nicht immer erreicht werden können. „Die Reiseverbindung sollte deshalb vor Fahrtantritt geprüft werden“, sagt Meichsner. Fahrkarten müssten an den Automaten erstanden werden, in den Bussen werden keine Fahrscheine verkauft.

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