Das Schaufenster in der Poststraße zog viele Schaulustige an. Große Bilder von glücklich lächelnden Hochzeitspaaren oder charmante Familienporträts hingen im Fotogeschäft Huber aus.

Manchmal waren auch Tiere abgelichtet, manchmal Kinder. Und wer in den vergangenen Jahren in Radolfzell das Abitur bestanden oder einen Tanzkurs absolviert hat, der stand ebenfalls vor dem Geschäft von Ralf Huber und hat sich auf einem der zahlreichen Bilder der Abi- und Abschlussbälle gesucht.

Geschäftsaufgabe nach 36 Jahren

Das alles ist dieses Jahr wegen Corona ausgefallen, doch auch im nächsten Jahr wird es keine Fotos mehr in der Poststraße geben, denn Ralf Huber wird nach 36 Jahren das gleichnamige Fotogeschäft aufgeben. Auch mit der professionellen Fotografie möchte der Fotografenmeister komplett aufhören. „Der Konkurrenzkampf und Preisdruck sind in den vergangenen Jahren so groß geworden. Ich möchte nicht mehr kämpfen müssen“, sagt er.

Die Geschäftsaufgabe habe nicht direkt etwas mit der Corona-Pandemie zu tun, doch habe diese Entwicklung seine Entscheidung beschleunigt. Huber gehe nicht davon aus, dass sich die Situation mit den Veranstaltungen in den nächsten Monaten ändern werde.

Wichtige Events sind abgesagt worden

Mehrere Hochzeiten, die er diesen Sommer fotografisch begleiten sollte, seien abgesagt worden. Doch schon seit Jahren habe sein Geschäftszweig stark zu kämpfen. Viele kleine Dinge hätten dazu geführt, dass es für Ralf Huber immer schwerer wurde, sich am Markt zu behaupten.

Freie Fotografen würden immer häufiger ihre Dienste für Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Taufen anbieten. „Und die haben meistens kein Ladengeschäft zu unterhalten“, sagt Ralf Huber. In Drogerie-Ketten stünden fast überall Selbstbedienungs-Automaten, an denen jeder seine Fotos selbst ausdrucken lassen könne.

Jeder ist heute ein Fotograf

Und dank moderner Smartphones habe jeder mittlerweile seinen Fotoapparat jederzeit in der Tasche. Nur noch ambitionierte Hobbyfotografen würden professionelle Fotokameras kaufen. Und das eigentlich stabile Standbein der Passfotos habe auch gelitten, seitdem die Stadtverwaltung im Bürgerbüro einen eigenen Automaten aufgestellt habe.

Ralf Huber habe sich dann vor Kunden für die Preise für seine professionellen Pass- oder Bewerbungsfotos rechtfertigen müssen. „Darauf habe ich keine Lust mehr“, sagt er. Er vermisse die Wertschätzung für den ganzen Berufsstand.

Ihm werden die schönen Momente der Hochzeiten fehlen

Besonder gefallen hätten ihm die vielen Hochzeiten, an denen er als Fotograf teilnehmen durfte. Die glücklichen Paare und die fröhlichen Bilder seien Ralf Hubers Höhepunkte im Alltag der Fotografie gewesen. Manche Familien habe er über Jahre mit Porträts begleitet.

Für viele ältere Kunden sei sein Geschäft noch immer die erste Anlaufstelle beim Thema Foto gewesen, trotz der großen Konkurrenz. In Radolfzell wird es ab dem 1. August 2020 kein Fotofachgeschäft geben.

Fotogeschäft als Familienbetrieb

Im Jahr 1984 hatte Gisela Huber das Fotogeschäft gegründet. Ralf Huber hat es 2000 übernommen, ist dann 2004 von der Höllstraße in die Poststraße gezogen. Über die endgültige Geschäftsaufgabe ist Gisela Huber traurig, berichtet ihr Sohn.

Was nach dem Fotogeschäft kommt, das weiß der 56-Jährige noch nicht. Er wolle sich erst einmal Zeit nehmen, das ganze Kapitel abzuschließen, das Geschäft ordentlich aufzulösen und sich dann neu zu orientieren. Nach Jahren der Selbstständigkeit könne er sich durchaus ein Angestelltenverhältnis vorstellen, sagt Huber.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Geschäftsaufgabe empfinde er als Entlastung nach all den Jahren. Aktuell bemühe er sich vor allem darum, für seine Auszubildende, die noch nicht fertig mit ihrer Lehre sei, eine neue Stelle zu finden. „Ich bin positiv, dass wir das schaffen“, sagt Ralf Huber.

Das könnte Sie auch interessieren