Der Gewinner ist gefunden: Ab sofort sind im Untergeschoss der Stadtbibliothek Radolfzell die besten Entwürfe für eine Neuentwicklung der Seebar zu sehen. Die Studien sind aus einer Hausarbeit von Studierenden der HTWG Konstanz hervorgegangen. Unter anderem findet sich dort ein Siegerentwurf, den eine 16-köpfige Jury aus Fach- und Sachpreisrichtern jetzt prämiert hat. Eine interdisziplinäre Gruppe aus drei Architektur- und zwei Kommunikationsdesignerinnen hat nach Ansicht der Jury die passende Mischung aus einer filigranen, modernen und ökologischen Konstruktion geschaffen, die das Potenzial habe, die bisherige Seebar nahe dem Konzertsegel zu ersetzen.

Haben nach Ansicht der Jury die beste Idee, wie die Seebar zwischen Konzertsegel und Wasserspielplatz aussehen soll (von links): Nikolas Ebner, Stefanie Heller, Lea Benz, Elena Knaus und Niklas Frank.
Haben nach Ansicht der Jury die beste Idee, wie die Seebar zwischen Konzertsegel und Wasserspielplatz aussehen soll (von links): Nikolas Ebner, Stefanie Heller, Lea Benz, Elena Knaus und Niklas Frank. | Bild: Jarausch, Gerald

Diese Anforderung zu erfüllen, war nicht einfach. „Die Seebar in Radolfzell ist längst zu einer Marke geworden“, erklärte Eberhard Schlag, Professor an der HTWG und Pro-Dekan der Fakultät Architektur und Gestaltung. Es galt daher, den bisherigen, lockeren Charakter der Einrichtung zu erhalten, aber gleichzeitig die Defizite der in die Jahre gekommenen Zeltkonstruktion zu beseitigen. Ganz bewusst hat Radolfzell dabei nach Aussage von OB Martin Staab darauf verzichtet, renommierte Architekturbüros um Entwürfe zu bitten. „Wir wollten einmal einen anderen Weg gehen, um möglichst junge, kreative Ideen zu sehen“, erläuterte er jetzt bei der Preisübergabe in der Stadtbibliothek. Gleichzeitig hob Staab die Zufriedenheit mit den Ergebnissen hervor, die der Wettbewerb hervorgebracht habe. „Wir sind sehr angetan, was uns präsentiert wurde“, sagte er.

OB Martin Staab: „Wir wollten einmal einen anderen Weg gehen, um möglichst junge, kreative Ideen zu sehen.“
OB Martin Staab: „Wir wollten einmal einen anderen Weg gehen, um möglichst junge, kreative Ideen zu sehen.“ | Bild: Jarausch, Gerald

Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Studenten sind die Entwürfe mehr als reine architektonische Lösungsmöglichkeiten. Vielmehr haben sie einen komplett neuen Markenauftritt für die Seebar geschaffen. Dieser reicht von den Entwürfen der Gebäude bis hin zu der stringenten Farbgebung, den Materialen und fertig ausgearbeiteten Speise- und Visitenkarten. Auch wenn diese Entwürfe lediglich eine Orientierung für die Gemeinderäte darstellen, ergeben sie ein in sich schlüssiges Konzept. Am Anfang ihrer Überlegungen stand eine „intensive Auseinandersetzung mit dem Ort“, wie Eberhard Schlag erklärte. Dazu gehörte nach Auskunft der Studenten auch ein Befragung von Radolfzeller Bürgern, die als potentielles Publikum für die Seebar in Frage kommen. Aus diesen gewonnenen Erkenntnissen entwickelten sie den Gesamtentwurf.

Der sieht bei den Siegern eine Anordnung von zwei schlichten Flachbauten vor, in deren Zwischenraum sich ein Biergarten befindet. Darin ist zusätzlich Raum für eine kleine Bühne und zwanglos angeordneten Sitzmöglichkeiten. Überhaupt war den Studenten die „entspannte Atmosphäre wichtig“, wie sie bei der Präsentation betonten. Die Atmosphäre wird ferner durch Liegestühle, eine spezielle Terrasse für die Abendsonne und die lockere Anordnung der beiden Gebäude erreicht. Genau dieses Beibehalten der bisherigen Vorzüge und die Tatsache, dass nicht ein größerer Baukörper die Sicht auf den See versperrt, gefiel der Jury besonders. Im Hauptgebäude stehen 60 Sitzplätze hinter großzügig dimensionierten Fensterfronten zur Verfügung und im zweiten Gebäude befindet sich die Infrastruktur für ein erweitertes Angebot sowie eine öffentliche Toilette.

Aus der Vogelperspektive: So sollen die beiden Baukörper der neuen Seebar angeordnet sein. Bild: Stadt Radolfzell
Aus der Vogelperspektive: So sollen die beiden Baukörper der neuen Seebar angeordnet sein. Bild: Stadt Radolfzell | Bild: Jarausch, Gerald

Die Gastronomie könnte durch diese Aufteilung auch im Winter öffnen. „Das hatten wir bisher noch gar nicht angedacht, ist aber sehr charmant“, sagte OB Martin Staab. Die Gebäude würden in Holzständerbauweise errichtet und könnten auf ihren Flachdächern eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von rund 33 Kilowattstunden unterbringen. Energetisch gesehen wäre die Seebar zumindest in den Sommermonaten unabhängig, erklären die Studenten. Nicht vorgesehen bei dem Entwurf war eine Kostenaufstellung. Durch die relativ einfache Konstruktion sollten sich die Kosten in einem machbaren Bereich befinden. Ob die Stadt selbst oder etwa ein Investor die Umsetzung vornimmt, muss noch entschieden werden. Dennoch ist in den Haushalt 2022 ein Summe dafür eingestellt.

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