Die Stadträte im Planungsausschuss haben sich auf eine in der Höhe abgespeckte Form für das neue Baugebiet auf der Weinburg geeinigt. Die Mehrfamilienhäuser in der südlichen Reihe des geplanten Baugebiets Stürzkreut Süd werden auf eine Höhe von 9,20 Meter begrenzt.

Die an die Linie der bestehenden Häuser neu zu bauenden Gebäude dürfen mit zwei Vollgeschossen und einem zurückgesetzten Staffelgeschoss oder Penthouse errichtet werden. Für alle Baukörper ist ein Flachdach vorgeschrieben. Das hat der Ausschuss bei acht Ja- und vier Gegenstimmen beschlossen. Der Planentwurf geht nun in die öffentliche Anhörung und in die Behördenbeteiligung.

Winkel markieren die Geschosshöhe

Zuvor waren die Stadträte bei einem Ortstermin auf "überhitzte Teilnehmer" getroffen, wie Stadträtin Waltraut Fuchs von der Freien Grüne Liste es beschrieb. Die Bauverwaltung hat auf der Wiese zwischen Lohrinsel und der jetzigen Bebauung auf der Weinburg zwei Stangengerüste zur Anschauung aufstellen lassen, die die Höhe der geplanten Gebäude nach dem Entwurf der Verwaltung darstellen sollen. Baudezernatsleiter Thomas Nöken beschrieb die Funktion des Gerüsts: "Die Winkel markieren die oberen Geschosse."

Bei diesem Ortstermin konfrontierten Anwohner der Weinburg die Stadträte und Dezernatsleiter Nöken mit ihrer Kritik. Die Gebäude seien zu massiv und würden die Sicht versperren. Es wurde die Sinnfrage gestellt: "Warum wird hier gebaut?" Und die Geschmacksfrage der "Schuhschachtelarchitektur" ist in einigen Beiträgen auf der Wiese schon einmal vorab beschieden worden: "Das gibt doch nur so hässliche Zweckbauten." Auch wurde die Forderung laut, die Fläche nur mit Einfamilienhäusern zu bebauen.

Ortstermin auf der Wiese: Dezernatsleiter Thomas Nöken erläutert die geplante Bebauung im Norden mit zwei Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss.
Ortstermin auf der Wiese: Dezernatsleiter Thomas Nöken erläutert die geplante Bebauung im Norden mit zwei Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss. | Bild: Becker, Georg

Dezernatsleiter Nöken entgegnete, dass es in Radolfzell einen hohen Wohnungsbedarf gebe. Die Spitalstiftung benötige den Erlös aus dem Verkauf des Grundstücks für die Finanzierung des Pflegeheims auf der Mettnau. Die Fläche nur mit Einfamilienhäusern zu bebauen, sei wegen des Wohnbedarfs und des städtebaulichen Anspruchs wenig sinnvoll: "Auch der Gestaltungsbeirat hat gesagt, dass dieses Grundstück am Ortseingang eine kräftigere Bebauung verträgt." Zudem sei der Hang mit einer Nettobaufläche von rund 5700 Quadratmetern schon seit Jahren Bauerwartungsland: "Sie mussten auf diesem Gelände immer mit einer Bebauung rechnen." Nöken verteidigte auch die Flachdächer: "Bei einem Satteldach werden die Gebäude höher."

Kein Recht auf freie Sicht

Die Stadträte mussten in der Sitzung des Planungsausschusses ihre Eindrücke des vorangegangenen Ortstermins erst einmal sacken lassen. Übereinstimmend lobten sie die Verwaltung für die Idee, ein Stangengerüst mit den beispielhaften Dimensionen der geplanten Bebauung aufstellen zu lassen.

Waltraut Fuchs sortierte ihre Argumente und befand: Es gebe kein Recht der Anwohner "auf freie Sicht", es gebe aber ein Recht auf ein gutes Stadtbild. Das sah sie eingeschränkt, wenn die Gebäude an diesem Teil der Weinburg über vier Geschosse gehen: "Die Gebäude werden als einzelne Türme gesehen." Sie empfahl für die südliche Reihe eine maximale Gebäudehöhe für drei Geschosse oder 9,20 Meter.

Kein Penthouse auf den Mehrfamilienhäusern

Ähnlich argumentierte Norbert Lumbe (SPD): "Wie wäre es, wenn wir auf der südlichen Seite den Penthouse-Effekt herunter nähmen? Dann könnten die Anwohner eher zustimmen." Drei Interessen gäbe es bei der Festsetzung der Bebauung abzuwägen: Die Interessen der Menschen, die oberhalb des Baugebiets wohnen, die Interessen der Menschen, die Wohnungen suchen, und die Interessen der Spitalstiftung, die mit dem Verkaufserlös einen Teil des neuen Pflegeheims auf der Mettnau finanzieren will.

OB Staab weist auf Finanzierung für Pflegeheim hin

An dieser Stelle hakte Oberbürgermeister Martin Staab in die Diskussion ein. Mit der Begrenzung der Gebäudehöhe auf drei Vollgeschosse werde man nicht auf den Erlös kommen, den die Spitalstifung für ihr Projekt benötige: "Das wird im Protokoll stehen."

Der OB machte keinen Hehl daraus, dass er die Begrenzung für das falsche Signal hält. Der steigende Wohnraumbedarf müsse auf den vorhandenen Flächen in der Stadt untergebracht werden: "Wir kämpfen damit, dass wir städtischer werden, dann müssen wir diese Aufgabe auch erfüllen."

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