In einer Nacht im Mai vorigen Jahres wurden zwei junge Männer, die in einem Haus am Bahnhofplatz in Radolfzell lebten, durch merkwürdige Geräusche und Brandgeruch aus dem Schlaf gerissen. Es war kurz vor Mitternacht, als sie feststellen mussten, dass in der Küche der gemeinsam bewohnten Wohnung ein „Gelber Sack“ und ein Wäscheständer angezündet worden waren.

Es gelang ihnen, die Brandherde zu löschen, bevor das Feuer auf die Wohnung übergreifen konnte. Hätten sie das Geschehen nicht rechtzeitig bemerkt und es wäre zu einem Vollbrand gekommen, hätten sie die Wohnung nicht mehr verlassen können. Die Eingangstür war nur durch die Küche zu erreichen. So stellte sich das Geschehen der Nacht nun in der Verhandlung vor dem Landgericht Konstanz dar.

Festnahme noch in der Tatnacht

Noch in der gleichen Nacht nahm die Polizei einen 36-jährigen Insassen des Zentrums für Psychiatrie Reichenau als dringend tatverdächtig fest. Es war nicht das erste Mal, dass der aus dem Raum Tuttlingen stammende Mann nach reichlichem Alkohol- oder Drogenkonsum den starken Drang verspürte, etwas zu zerstören oder Feuer zu legen.

Vor 13 Jahren verurteilte ihn das Landgericht Rottweil wegen zahlreicher Delikte dieser Art und wegen Drogendelikten zu vier Jahren Haft und ordnete die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Acht Jahre später wurde er nach mehreren Bandstiftungen in Konstanz verurteilt und wegen Mehrfachabhängigkeit sowie einer kombinierten Persönlichkeitsstörung in der Psychiatrie untergebracht.

Eigentlich hatte es Therpieerfolge gegeben

Nach fünf Jahren Aufenthalt im Zentrum für Psychiatrie Reichenau hatte sich der 36-jährige, psychisch kranke Straftäter durch therapeutische Erfolge einige Lockerungen erarbeitet. Dies ist jeweils nur mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft möglich. Nur deshalb konnte er sich frei bewegen und teils auch einer Arbeit nachgehen.

Nach der Brandlegung in Radolfzell war sofort Schluss damit. Weil der 36-Jährige als schuldunfähig gilt und deshalb nicht bestraft werden kann, gab es keine Anklage. Stattdessen leitete die Staatsanwaltschaft Konstanz ein Sicherungsverfahren wegen versuchter, besonders schwerer Brandstiftung in Tateinheit mit Sachbeschädigung ein.

Mann räumt ein, getrunken zu haben

Dadurch wurde der Sachverhalt vor Gericht mit Zeugen und einem psychiatrischen Sachverständigen noch einmal genau geklärt. Dies diente vor allem dazu, festzuhalten, dass er eine weitere Straftat begangen hat. Und es wird Konsequenzen für die Dauer seines Aufenthalts in der Psychiatrie haben.

Zum Hergang erklärte der 36-Jährige vor Gericht, er habe damals in Radolfzell verbotenerweise wieder reichlich getrunken. Irgendwann in der Nacht habe er dann eine Toilette gesucht. Die nicht verschlossenen Türen des Hauses am Bahnhofplatz hatten es ihm leicht gemacht, in die Wohnung einzudringen. Dann überkam ihn seine krankhafte Zerstörungswut, die ihn für die Allgemeinheit so gefährlich macht, dass er eingesperrt werden muss.