Der Neubau der Ratoldus Gemeinschaftsschule ist am gestrigen Freitag offiziell mit einem Festakt eingeweiht worden. 12,5 Millionen Euro hat das Vorhaben gekostet. Oberbürgermeister Martin Staab bezeichnete es in seiner Rede als Meilenstein für die Radolfzeller Bildungslandschaft.

Obwohl man ob der höchsten Investitionssumme der vergangenen Jahre in Radolfzell dankbar sei, dass sich Stadtverwaltung und Gemeinderat für die Baumaßnahmen an der Ratoldus Gemeinschaftsschule ausgesprochen hatten, nutzte Schulleiterin Angelika Haarbach die Gunst der Stunde, um weitere kleine Wünsche zu äußern: Sie hatte es ihren Schülern versprochen. Denn diese würden sich riesig über eine neue Tischtennisplatte im Innenhof und einen Wasserspender für den neuen Schulcampus freuen, sagte Haarbach.

Lehrer Jakob Sans (rechts) und die Schüler der zweiten Klasse der Ratoldus Gemeinschaftsschule sangen den Gästen bei der Einweihungsfeier ein fröhliches Lied.
Lehrer Jakob Sans (rechts) und die Schüler der zweiten Klasse der Ratoldus Gemeinschaftsschule sangen den Gästen bei der Einweihungsfeier ein fröhliches Lied. | Bild: Jarausch, Gerald

Ob es nun abgesprochen war, oder einfach nur Zufall: Im Architekturbüro Dury und D'Aloisio schien der Wunsch bekannt. Umso überraschter zeigte sich Haarbach, als Helmut Dury ihr kurzerhand eine Mini-Tischtennisplatte zu Einweihung überreichte. "Das Original wird in spätestens drei Wochen in voller Größe auf dem Schulhof installiert", versprach er zusammen mit seinem Partner Fredi D'Aloisio. Auf den üblichen Schlüssel aus Gebäck habe man deshalb verzichtet.

OB Staab: "In diesem Projekt steckt viel Herzblut"

Bis zum Festakt wollten die Schüler der Ratoldus Gemeinschaftsschule nicht warten. Sie hatten ihre neuen Räumlichkeiten bereits seit dem 14. Januar offiziell in Beschlag genommen. "Der heutige Tag ist ein besonderer für alle Beteiligten, insbesondere aber für die Schüler und Lehrer unserer Gemeinschaftsschule. In diesem Projekt steckt sehr viel Herzblut", sagte Oberbürgermeister Martin Staab.

Die Stadt habe durch die neue Gemeinschaftsschule hohe Standards im Bereich der Ganztagesbeschulung und der Inklusion geschaffen. "Nicht viele Schulen im Landkreis können dies vorweisen", so Staab weiter. Er bekräftigte aber auch, dass man sich in der Verwaltung auf dem Erfolg nicht ausruhen wolle. Vielmehr wolle die Stadt und der Gemeinderat nachziehen. Als Beispiel hierfür nannte er den geplanten Anbau an der Gerhard-Thielcke-Realschule. Weitere neun Millionen Euro will die Stadt in das Projekt, das 2020 fertig sein woll, investieren.

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Schulleiterin Angelika Haarbach schien an diesem Freitagvormittag aus dem Loben gar nicht mehr herauskommen zu wollen. Neben der Stadt und dem Gemeinderat richtete sie ihren Dank auch an die Architekten und die Bauarbeiter. Diese hätten die Maßnahmen während dem laufenden Schulbetrieb bewerkstelligt, wodurch die Bauarbeiten gerade für die Schüler zu einem Abenteuer wurden.

"Wir ermöglichen der Radolfzeller Schullandschaft mit einer modernen und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Schule neue Möglichkeiten", betonte Haarbach. Es sei eine Schule für den ganzen Tag entstanden. "Eine Schule für alle – egal ob superschlauer Schüler oder langsamer Lerner", sagte Haarbach.

Neue Sporthalle wäre das I-Tüpfelchen

Allerdings waren die Schüler der Ratoldus Gemeinschaftsschule nicht die einzigen mit Wünschen: Auch Schulleiterin Haarbach gab den anwesenden Gemeinderäten und Teilen der Stadtverwaltung einen eigenen Wunsch mit auf den Weg: eine neue dreiteilige Sporthalle.

Damit stand sie in der Idee nicht gänzlich alleine da. Reinhard Rabanser, SPD-Stadtrat und ehemaliger Rektor der Ratoldusschule, sprach sich ebenfalls für den Neubau einer Halle aus. Denn die jetzige Ratoldushalle sei in einem schlechten Zustand. "Eine Sanierung wird nicht mehr reichen", sagte er. Eine dreiteilige Sporthalle könne er sich am jetzigen Standort allerdings nicht vorstellen. Aber eine neue Ratoldussporthalle wäre das Tüpfelchen auf dem I, wie er im Rahmen des Festaktes erklärte.

MdL Keck zeigt sich versöhnlich

Der FDP-Landtagsabgeordnete Jürgen Keck, der der neuen Gemeinschaftsschule in Radolfzell lange kritisch gegenüberstand, zeigte sich bei der Eröffnung versöhnlich. Seine Bedenken, dass sich die restlichen Radolfzeller Schulen, ob der hohen Investition in die Gemeinschaftsschule vernachlässigt fühlten, habe sich zerschlagen.

Schule hat Platz für bis zu 560 Schüler

  • Der Neubau: Im Neubau der Ratoldus Gemeinschaftsschule werden seit Jahresbeginn die Klassen der Sekundarstufe unterrichtet. Wenn alle Sekundarstufen vollständig sind, pauken dort künftig bis zu 560 Schüler. Derzeit gehen 365 Schüler in die Radolfzeller Gemeinschaftsschule.
  • Das Kollegium: Insgesamt umfasst das Lehrerkollegium an der Ratoldus Gemeinschaftsschule 35 Lehrkräfte. Davon sind vier Lehrer als Sonderpädagogen angestellt.
  • Die Mensa: Mittelpunkt des neuen Schulcampus ist die neue Mensa. Seit Schuljahresbeginn hat sie ihre Türen geöffnet hat. Derzeit werden dort jeden Tag rund 180 Mahlzeiten ausgegeben. Bis zu 146 Schüler können hier zeitgleich essen.
  • Die Gemeinschaftsschulen: Laut der Grünen Landtagsabgeordneten Nese Erikli gibt es in Baden-Württemberg über 300 Gemeinschaftsschulen. In ihnen werden über 50.000 Kinder beschult. Der Etat des Kultusministeriums umfasse im Haushaltsjahr 2018 mehr als 11 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Jahr 2017 war dies eine Steigerung um über 476 Millionen Euro. Im Haushaltsjahr 2019 sind weitere 273 Millionen Euro dazugekommen, wie Erikli sagte. 
  • Tag der offenen Türe: Am heutigen Samstag, 2. Februar, findet von 10 bis 15 Uhr ein Tag der offenen Türe an der Gemeinschaftsschule statt. Neben einer Schulhausführung wird es im Neubau auch einen Bücherflohmarkt geben. Zudem stellt sich die neue Mensa mit Köstlichkeiten vor. (mgu)