Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung droht den Grundschulen in Baden-Württemberg bis 2025 eine mangelhafte Lehrerversorgung. Die Studie prognostiziert, dass deutschlandweit 35 000 Lehrkräfte fehlen werden. Auch in den Radolfzeller Grundschulen ist die Situation wenige Wochen nach Schuljahresbeginn zum Teil angespannt, wie Norbert Schaible, Rektor der Teggingerschule, auf Nachfrage des SÜDKURIER berichtet: „Wir sind am Anschlag, eigentlich darf nichts großartiges passieren.“

Rektor Norbert Schaible von der Teggingerschule schaut mit Sorge auf die aktuelle Lehrerversorgung an Grundschulen: Der Direktbereich sei abgedeckt, aber es fehle an Krankheitsvertretungen.
Rektor Norbert Schaible von der Teggingerschule schaut mit Sorge auf die aktuelle Lehrerversorgung an Grundschulen: Der Direktbereich sei abgedeckt, aber es fehle an Krankheitsvertretungen. | Bild: Matthias Güntert

An der Teggingerschule, die neben einem Grundschul- auch einen Werkrealschulzweig anbietet, sei die Lehrerversorgung zu 90 Prozent gewährleistet. „Eigentlich müssten es aber 110 Prozent sein, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein“, so Schaible weiter. Gerade Krankheitsfälle von Lehrern seien in der Grundschule schwer aufzufangen. „Der Direktbereich ist abgedeckt“, sichert Schaible zu, „aber der Markt an Krankheitsvertretungen ist leer.“

Dadurch würde in Krankheitsfällen etwa die Sonderförderung – also der Unterricht für Inklusionskinder – ausfallen müssen. Für ein wenig Entspannung sorgt in der Teggingerschule die derzeitige Situation im Sekundarbereich der Werkrealschule. „Wir sind dort bis auf die achte Klasse einzügig“, so Schaible. Im Grundschulbereich seien alle Klassen zweizügig. Dadurch können Werkrealschullehrer Krankheitsausfälle ihrer Kollegen noch auffangen.

Männliche Lehrer sind selten

Ein weitere ernstzunehmende Entwicklung an Grundschulen für Norbert Schaible: Männliche Lehrer an Grundschulen werden zu einer seltenen Spezies. Das habe seiner Ansicht nach Folgen: Bei den Kindern verfestigen sich klassische Rollenbilder. „Viele Kinder werden bis zum Abitur ausschließlich von Frauen erzogen“, sagt er. In der Teggingerschule sei lediglich ein Mann Klassenlehrer. Insgesamt unterrichten 28 Lehrer an der Teggingerschule. 14 davon sind in der Grundschule tätig. 340 Schüler gehen auf seine Schule, 200 davon sind Grundschulkinder.

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Auch Angelika Haarbach, Leiterin der Ratoldus Gemeinschaftsschule Ratoldus, sieht die Grundschulen vor einer großen Herausforderung. „Als neu gegründete Schule wächst unsere Schule Jahr für Jahr nach oben. Im Schuljahr 2019/20 haben wir drei Klassen mehr als im vergangenen Jahr, weshalb unter anderem der Bedarf an Lehrerstunden besonders groß war“, sagt sie. Aktuell wurden 16 neue Lehrer zum neuen Schuljahr eingestellt. „Wodurch wir unsere Pflichtversorgung gerade so erfüllt haben“, so Haarbach. Leider können aber die durch Krankheitsfälle auftretenden Ausfälle nicht immer und vor allem nicht immer fachlich versorgt werden.

Sie sehe das Problem darin, dass die Stundentafel in den Grundschulen in den letzten Jahren von 98 auf 102 Stunden erhöht wurden. „Inklusive Bildungsangebote und der Ganztagsbereich benötigen aber mehr Lehrerstunden“, so Haarbach. Und: Die Vorausberechnungen der Geburtenzahlen habe nicht mit der tatsächlichen Geburtenzunahme übereingestimmt. „Baden-Württemberg benötigt im Grundschulbereich insgesamt mehr Lehrkräfte – und diese stehen nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung.“

So sieht die Lehrerversorgung an anderen Grundschulen aus

  • Grundschule Moos-Weiler: Die Lehrerversorgung an den Grundschulen auf der Höri unterscheidet sich von der aktuellen Situation an den Radolfzeller Bildungseinrichtungen. Jan Becker, Rektor der Grundschule in Weiler, berichtet, dass sie in diesem Schuljahr bestens ausgestattet seien. Die Grundschule in Weiler habe seinen Angaben zufolge im vergangenen Schuljahr zwei vierte Klassen verabschiedet und lediglich eine erste Klasse sei in diesem Schuljahr nachgerückt. „Die Versorgung hat sich deshalb bei uns sogar verbessert“, sagt Becker. Dies sei auch der guten Arbeit des Schulamtes zu verdanken, führt der Rektor weiter aus.
  • Grundschule Markelfingen: Rektorin Johanna Seib konnte zum Schuljahresbeginn zwei neue Kolleginnen an ihrer Schule begrüßen. „Wir sind damit gut versorgt. Wir wurden rechtzeitig vor den Ferien darüber informiert, sodass wir in Ruhe über den Sommer den neuen Stundenplan aufstellen konnten“, sagt Seib. Sie wisse aber, dass es an kleineren Schulen immer häufiger zu Engpässen komme, gerade bei krankheitsbedingten Ausfällen. „Den ländlichen Raum trifft der Lehrermangel stärker.“
  • Sonnenraingrundschule: Auch die Versorgung an der Sonnenraingrundschule sei laut Rektorin Kerstin Ende gerade so abgedeckt. Wie sie berichtet, könne es allerdings zu Problemen kommen, wenn Lehrer längerfristig durch Krankheit ausfallen würden. „Es ist in solchen Fällen schwer, Ersatz zu finden, denn der Markt ist leer“, erklärt Ende. Hinzu kämen Nachwuchsprobleme, um diese Ausfälle auffangen zu können, so Ende.
  • Storchengrundschule Böhringen: Trotz Anfrage des SÜDKURIER wollte sich Schulleiterin Alexandra Biechele nicht zu der Lehrerversorgung an ihrer Schule äußern. (ane/mgu)