Der Klimawandel ist komplexer als das Waldsterben. Ihn aufzuhalten sei um ein Vielfaches schwieriger als damals in den Achzigerjahren, als man einfach Katalysatoren und Schwefelfilter einbauen musste, um die Zerstörung der Natur durch Industrie zu verhindern. Johannes Enssle, Landesvorsitzender des Nabu, zeigt während der Eröffnung der 43. Naturschutztage im Radolfzeller Milchwerk die aktuellen Probleme der Umweltschützer auf. Die politischen Entwicklungen würden die Bemühungen im Naturschutz behindern. Denn: Die EU sei einer der wichtigsten Partner der Naturschutzverbände. 80 Prozent aller Gesetze zum Schutz der Umwelt seien auf EU-Ebene verabschiedet worden.

Bereits während der Eröffnungsveranstaltung gut besucht: Die Naturschutztage begannen gestern. Bild: Gerald Jarausch
Bereits während der Eröffnungsveranstaltung gut besucht: Die Naturschutztage begannen gestern. | Bild: Jarausch, Gerald

Während der 43. Naturschutztage warten auf die Teilnehmer mehr als 40 Vorträge, Seminare und Exkursionen. Es werden weit über 1000 Naturschützer aus dem deutschprachigen Raum erwartet. Laut den beiden Veranstaltern BUND und Nabu haben sich bereits 850 ehrenamtliche und hauptamtliche Umweltschützer für einzelne Veranstaltungen angemeldet. So viele Vorabanmeldungen habe es noch nie gegeben. Die Tage sind thematisch gegliedert: Zum Start der Veranstaltung am Donnerstag ging es um das Wirtschaftliche Handeln im Sinne des Naturschutzes, am heutigen Freitag ist Biodiversität Thema, morgen, Samstag, 5. Januar, wird es um eine zukunftsfähige Landwirtschaft gehen und am Sonntag, 6. Januar, wird die Rückkehr des Wolfes in Baden-Württemberg Thema der Naturschutztage sein.

OB-Martin Staab begrüßt die Teilnehmer und Besucher der Naturschutztage. Bild: Gerald Jarausch
OB-Martin Staab begrüßt die Teilnehmer und Besucher der Naturschutztage. | Bild: Jarausch, Gerald

Michael Apfel ist seit 1983 Besucher der Naturschutztage. Damals noch in der Gaienhofener Höri-Halle. "Es ist schon ein richtiges Familientreffen", sagt der ehrenamtliche Umweltschützer aus Laupheim. Neben den Informationen sei der Austausch mit anderen Aktivisten wertvoll und er trage alles in seine Gruppe weiter. Er sieht die Fortschritte der Umweltschützter nach all den Jahrzehnten durchaus positiv. "Die Zeitspanne, in der die Politik auf Probleme reagiert, hat sich verkürzt", sagt Michael Apfel. Das Waldsterben habe die Regierung zehn Jahre lang ignoriert, bevor gehandelt wurde. Er ist für eine konsequente Verfolgung der Klimaziele und versteht auch die Kritik an Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe nicht. "Er setzt sich nur dafür ein, dass bestehende Gesetze eingehalten werden."

Bereits zur Auftaktveranstaltung gut besucht: Die Naturschutztage in Radolfzell. Bild: Gerald Jarausch
Bereits zur Auftaktveranstaltung gut besucht: Die Naturschutztage in Radolfzell. | Bild: Jarausch, Gerald

Dem pflichtet Sabine Brandt bei. Sie ist Leiterin der Nabu-Bezirkgeschäfsstelle Allgäu-Donau-Oberschwaben und seit 17 Jahren im Umweltschutz tätig, seit zwei Jahren hauptamtlich. "Die Deutsche Umwelthilfe verändert etwas, trifft aber auch dort, wo es weh tut", sagt sie. Jürgen Resch sei dabei zu Unrecht zum Buhmann erklärt worden. Sie selbst sehe den Ruf der Umweltschützer in den vergangenen Jahren verbessert. "Die Menschen sehen den Wandel in der Natur und machen sich Sorgen", berichtet sie. Gerade das Insektensterben sei ein Phänomen, welches alle beobachten könnten. Immer mehr Menschen würden in die Umweltverbände eintreten. Doch nicht alle wollen aktiv mitmachen. "Wir könnten noch viel mehr ehrenamtliche Helfer gebrauchen", sagt Sabine Brand.