Die Ellenbogen von Patrick Stärk werden an diesem Abend wahrscheinlich eine leicht blaue Färbung angenommen haben, angesichts so vieler coronakonformer Glückwünsche. Dabei stößt man die Ellenbogen zusammen. Bei der offiziellen Vereidigung des neuen Bürgermeisters von Mühlhausen-Ehingen wollte die Schlange der Gratulanten in der Eugen-Schädler-Halle kaum enden.

Mit Amtskette: Bürgermeister Patrick Stärk bei seiner Antrittsrede.
Mit Amtskette: Bürgermeister Patrick Stärk bei seiner Antrittsrede. | Bild: Matthias Güntert

Patrick Stärk gab sich auch bei seinem Amtsantritt gewohnt bescheiden. Er sei auch gut 2,5 Monate nach seiner Wahl noch immer sehr glücklich und dankbar für den enormen Vertrauensvorschuss, den die Bürger ihm gegeben haben. „Es ist mir ein Ansporn und eine Verpflichtung, alles was ich an fachlicher und menschlicher Kompetenz sowie an Ehrgeiz und Zielstrebigkeit vielleicht mitzubringen vermag, hier in Mühlhausen-Ehingen Tag für Tag zum Wohle der Gemeinde einzubringen“, sagte er. Um einen ruhigen Start bitte er sich nicht. Das brauche er auch nicht. „Weil, ich schon jetzt mitteilen kann, eine Schonfrist oder behutsame Einarbeitung wird nicht möglich sein und wird es auch nicht geben. Es geht gleich mit Volldampf los“, so Stärk weiter.

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Bereits im Wahlkampf habe Bürgermeister Patrick Stärk gemerkt, dass Hans-Peter Lehmann in 31 Jahren Spuren und auch große Fußstapfen hinterlassen habe. „Ich bin ihm sehr dankbar, dass er mir eine wohlbestellte und geordnete Gemeinde übergibt und mich in den vergangenen Wochen auch zu wichtigen Terminen bereits eingebunden hat“, betonte Stärk. Dies erleichtere ihm den Start erheblich.

Klaus-Peter Minge, als dienstältester Gemeinderat, nahm Bürgermeister Patrick Stärk den Amtseid ab.
Klaus-Peter Minge, als dienstältester Gemeinderat, nahm Bürgermeister Patrick Stärk den Amtseid ab. | Bild: Matthias Güntert

Mit der Amtseinführung von Patrick Stärk geht auch eine Ära zu Ende: 31 Jahre lang hat Hans-Peter Lehmann die Geschicke der Gemeinde als Bürgermeister geleitet. Mit 62 Jahren arbeitete er die Hälfte seines Lebens zum Wohle der Gemeinde und der Bürger, die darin leben. „Zum ersten Mal in 31 Jahren stehe ich hier oben und habe kein Amt mehr inne“, sagte er. Seine ersten zwei Tage im Ruhestand – seine Amtszeit endete am 31. Mai – habe er schon rum. „Und ich muss sagen, mir gefällt es bisher ganz gut“, so Lehmann.

Alt-Bürgermeister Hans-Peter Lehmann (rechts) im Gespräch mit Marian Schreier, Bürgermeister von Tengen.
Alt-Bürgermeister Hans-Peter Lehmann (rechts) im Gespräch mit Marian Schreier, Bürgermeister von Tengen. | Bild: Matthias Güntert

Seinem Nachfolger wünsche er allzeit eine gute Hand bei den anstehenden Entscheidungen. „Wir alle können uns glücklich schätzen, dass er sich hat zur Wahl aufstellen lassen“, betonte Lehmann. Dem Bürgermeister außer Dienst kam es an diesem Abend auch zu, seinem Nachfolger die Amtskette zu übergeben. Aber Lehmann hatte auch ein zweites Geschenk für seinen Nachfolger parat: einen Holzhammer. „Der SÜDKURIER hat mich in meinem Abschiedsinterview zum Obersachverständigen in Sachen Bieranstich erklärt. Damit kannst Du schon einmal üben“, richtete er die Worte an Stärk.

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Andreas Jung, Bundestagsabgeordneter der CDU, tat sich bei seinem Grußwort mit dem neuen Berufsstand von Hans-Peter Lehmann noch schwer: „Bürgermeister außer Dienst hört sich nach 31 Jahren noch sehr ungewohnt an.“ Er dankte Lehmann für seinen nimmermüden Einsatz für die Gemeinde. „Auch im Namen ganz vieler Menschen, nicht nur hier in Mühlhausen-Ehingen sondern im gesamten Landkreis“, so Jung. Lehmann übergebe ein gut bestellten Haus – nicht nur aus finanzieller Sicht. „Mühlhausen-Ehingen ist eine florierende Gemeinde – auch Dank des Einsatzes von Hans-Peter Lehmann“, betonte Jung. Er gratulierte der Gemeinde aber auch zu ihrem neuen Rathauschef: „Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass sich solch ein starker Kandidat zur Wahl stellt.“

„Jetzt hat er sich endlich getraut.“

Guido Wolf, CDU-Mitglied des Landtages, der Patrick Stärk schon länger kenne, war ebenfalls zur Amtseinführung in de Hegau gekommen. Er habe Stärk schon länger im Auge für ein Amt in seinem Wahlkreis, in Tuttlingen, gehabt. „Jetzt hat er sich endlich getraut und ist gesprungen und das ist gut so“, sagte er. Aber halt nicht in seinem Landkreis, sondern im Hegau, wie er bei seiner Rede betonte. Das Amt des Bürgermeisters sei ein Beruf, der Patrick Stärk auf den Leib geschneidert sei.

Unter neuen Kollegen: Patrick Stärk (mit Amtskette) zwischen den Bürgermeistern Marian Schreier (Tengen), Alt-Bürgermeister Hans-Peter Lehmann, Benjamin Mors (Steißlingen), Alt-Bürgermeister Alfred Mutter (Volkertshausen), Holger Mayer (Hilzingen), Johannes Moser (Engen) und Marcus Röwer (Volkertshausen).
Unter neuen Kollegen: Patrick Stärk (mit Amtskette) zwischen den Bürgermeistern Marian Schreier (Tengen), Alt-Bürgermeister Hans-Peter Lehmann, Benjamin Mors (Steißlingen), Alt-Bürgermeister Alfred Mutter (Volkertshausen), Holger Mayer (Hilzingen), Johannes Moser (Engen) und Marcus Röwer (Volkertshausen). | Bild: Matthias Güntert

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge verfolgte Engens Bürgermeister Johannes Moser die Amtseinführung. Denn mit Stärk verliere er seinen langjährigen Hauptamtsleiter. 19 Jahre lang habe er von den Fähigkeiten von Stärk profitiert. „Seine Arbeit hat Engen zu dem gemacht, was es heute ist“, so Moser. Ein Bürgermeister sei Vordenker, Umsetzer und Motor einer Gemeinde: „Und Patrick Stärk wird dies schaffen.“

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Am Ende brachte die Amtseinführung zwei Gewinner hervor: Patrick Stärk, der mit Volldampf in sein neues Amt starten will. Und Hans-Peter Lehmann, dem sein neuer Lebensabschnitt zu gefallen scheint. Er versicherte aber erneut, kein Co-Bürgermeister sein zu wollen. Einen kleinen Verlierer aber auch: Alt-Bürgermeister Alfred Mutter (Volkertshausen). Lehmann hatte im Südkurier angekündigt im Ruhestand mehr Zeit für seinen besten Freund zu haben. „Bisher hat er noch nicht angerufen“, scherzte Mutter.