Nachdem die Wassersportsaison erst mit erheblicher Verspätung starten konnte, ist sie nun in vollem Gange. Und da gibt es auch wieder die typischen Unfälle am, im und auf dem Wasser. Welche Auswirkungen die ungewöhnliche Situation auf den Bezirk Bodensee-Konstanz in der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat, erläutern der Technische Einsatzleiter im Bezirk, Michael Koch aus Bodman-Ludwigshafen, und der Konstanzer DLRG-Vorsitzende Clemens Menge.

Mehr Einsätze nach Alarmen sehe er nicht, sagt Michael Koch. „Gefühlt eher weniger“, ergänzt Menge. Allerdings reicht ein Blick in die aktuelle Statistik nicht aus, um den Sachverhalt in Zahlen zu fassen, erläutert Koch. Zwar würden alle Einsätze, die über die Leitstelle in Radolfzell eingingen, an den Bezirk gemeldet, aber darin würden diejenigen fehlen, die direkt von den Gliederungen veranlasst wurden. „Die bekommen wir erst zum Jahresende“, erklärt Michael Koch.

Clemens Menge hat die Zahlen seines Vereins parat, diese können als Anhaltspunkt für einen Vergleich dienen. 63 Alarme hat es für die Konstanzer im Jahr 2019 gegeben, was überdurchschnittlich hoch war. In diesem Jahr stehen bisher erst knapp 30 Einsätze im Tagebuch. Aber dieser Vergleich hinkt. Coronabedingt gab es von März bis Mai fast keine Einsätze. Erst im Juni hätten diese zugenommen, nachdem die ersten Erleichterungen fürs Baden am Seeufer gegriffen hatten. Der Juli ist laut Menge der einsatzstärkste Monat. Dies zeichnet sich auch dieses Jahr ab. Mit 15 Einsätzen ist er etwa gleich stark wie im vergangenen Jahr.

Der Konstanzer DLRG-Sanitäter Philipp Witte verarztet eine Hörnle-Besucherin. Am Rücken hat sie sich versehentlich ein Muttermal aufgekratzt.
Der Konstanzer DLRG-Sanitäter Philipp Witte verarztet eine Hörnle-Besucherin. Am Rücken hat sie sich versehentlich ein Muttermal aufgekratzt. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Die DLRG im Bezirk – er entspricht etwa dem Landkreis Konstanz – untergliedert seinen Bereich am Bodensee in drei Abschnitte: den Überlinger See, den Bereich vor dem Konstanzer Ufer und den Untersee. „Es gibt in unserem Bezirk keine Schwerpunkte, was die Zahl der Einsätze angeht“, erklärt Michael Koch. Einen besonderen Bereich bildet die Marienschlucht samt den zwischen Wallhausen und Bodman-Ludwigshafen verlaufenden Uferwegen. „Da hatten wir dieses Jahr erst einen Einsatz“, berichtet Koch.

Seitdem einige der dortigen Wege gesperrt sind, habe die Zahl der Wanderer nachgelassen und damit auch die der Notfälle, erklärt Koch. Trotzdem würden einmal im Jahr die am Ufer aufgestellten Notruftafeln überprüft und gegebenenfalls erneuert. Diese Orientierungshilfen haben sich laut Koch dieses Jahr bereits bewährt. Ein Wanderer, der am Ufer einen medizinischen Notfall erlitten hatte, konnte so seine Position mitteilen.

Dennoch erscheint es Außenstehenden, dass die DLRG derzeit gefühlt mehr Einsätze abarbeitet als im vergangenen Jahr. „Weil ich mich dieses Jahr intensiv darum gekümmert habe, über alles zu schreiben“, erklärt Clemens Menge. Und noch eine Besonderheit könnte zu diesem Eindruck beigetragen haben. „Dieses Jahr kommen die Einsätze oft geballt an einem Wochenende, manchmal drei bis vier. Unter der Woche hatten wir bisher nur vier. 2019 hat sich das noch besser auf die Woche verteilt“, erklärt Menge.

Auffallend sei, dass es am Konstanzer Hörnle bisher wenige Wassernotfälle gegeben habe. „Ich habe da eine Theorie. Die Flöße sind nicht draußen. Ich habe beobachtet, dass sich die Schwimmer mehr im Uferbereich aufhalten. Es gibt keinen Gruppenzwang, wonach man unbedingt zum Floß rausschwimmen muss. Und diejenigen, die draußen sind, die können schwimmen“, erläutert Clemens Menge. Sorge bereitet Michael Koch die begrenzte Kapazität der Strandbäder: „Es entsteht ein großer Druck, weil die Menschen ins Wasser wollen. Das Risiko wird größer, weil alle Uferstellen belagert werden – auch wenn baden verboten ist.“

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Eine erfreuliche Nachricht hat Michel Koch aus einem anderen Bereich des Wassersports. Beim Tauchen habe es dieses Jahr im Bezirk noch keinen Einsatz gegeben. Die DLRG Bodman-Ludwighafen arbeitet dabei seeübergreifend eng mit den Überlinger Kollegen zusammen. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten seien sie sogar oftmals schneller, erläutert er.

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