Spannende Regatten, faszinierende Einblicke in die Welt des Wassersports und ein facettenreiches Rahmenprogramm über vier Tage bietet die Internationale Bodenseewoche in Konstanz, die heute beginnt. Die Großveranstaltung ist ein Aushängeschild der größten Stadt am Bodensee. Organisiert wird sie nicht von einer professionellen Event-Firma. Die Veranstaltung fußt auf dem ehrenamtlichen Engagement des Vereins Internationale Bodenseewoche, zu dem sich Segel-, Ruder- und Motorboot-Clubs aus Deutschland und der Schweiz zusammengeschlossen haben. Wie viele Helfer tragen zum Gelingen des Ereignisses bei? „394“, sagt Heike Rawitzer, Mitglied im Organisationsteam, ohne eine Sekunde überlegen zu müssen. Die 49-Jährige weiß fast alles über das Großereignis und ist eine wichtige Ansprechpartnerin.

  • Die Vielseitige: „Zwei Apfelsinen im Haar und an der Hüfte Bananen“, singt Heike Rawitzer vergnügt. Sie steht mitten in jenem Raum, der in den nächsten Tagen als Organisationszentrale der Bodenseewoche dient, aber in diesem Moment eher wie ein Großlager anmutet. Shirts in Hülle und Fülle sind auf den Tischen gestapelt und werden gerade von weiteren Helfern für die teilnehmenden Clubs und die Helferteams konfektioniert. Rawitzer sorgt nicht nur für gute Stimmung, sondern packt auch mit an. Ob beim Schleppertrainung am Pfingstsonntag, beim aufwändigen Aufbau oder während der Veranstaltungstage: Heike Rawitzer ist immer helfend zur Stelle, organisiert, motiviert und hat den Überblick. Sponsoring und Werbung sind eigentlich die offiziellen Ressorts von Heike Rawitzer. Ach ja, das Rahmenprogramm hat sie ebenfalls federführend organisiert. Sich selbst will sie aber nicht in den Vordergrund rücken. Sie verweist auf die große Helferschar.
Mit einem Stapel Shirts: Heike Rawitzer ist zuständig für die Ressorts Sponsoring, Marketing und Events, legt aber darüber hinaus überall Hand an, wo Hilfe benötigt wird.
Mit einem Stapel Shirts: Heike Rawitzer ist zuständig für die Ressorts Sponsoring, Marketing und Events, legt aber darüber hinaus überall Hand an, wo Hilfe benötigt wird.

Dass Rawitzer während der Bodenseewoche nicht nur die Sponsoren betreut, sondern auch auf die Moderation auf einem BSB-Schiff übernimmt, erfährt man eher beiläufig. „Heike kennt jeden, bespaßt jeden, hat ein offenes Ohr für alle und wacht mit Argusaugen über alles“, erzählt Pressesprecherin Claudia Löwe. Heike Rawitzer freut sich derweil über das Engagement der anderen Ehrenamtlichen. „Das Wunderbare ist, dass so viele Leute Lust haben zu helfen“, sagt sie. Das Helferteam ist für sie die „Bodenseewochen-Familie“. Alle hätten nur ein Ziel: „Eine coole Geschichte auf die Beine zu stellen“, sagt Rawitzer. „Hier verdient keiner was. Wichtig ist, dass wir die Kosten decken können und Teilnehmer und Besucher wunderschöne Tage erleben.“

  • Der Taucher: Auch der DLRG-Rettungstaucher Marc Hagen ist Mitglied im Helferteam. Zum neunten Mal ist er jetzt für die Bodenseewoche im Einsatz. Während das THW die Interimsstege im Konstanzer Hafen legt, ist Marc Hagen mit dem DLRG-Team für das Befestigen der Behelfsleinen verantwortlich. Zuerst müssen die Taucher „die Führungskette, die das ganze Jahr unter Wasser im Hafenbecken liegt“, suchen und mit Bojen markieren. Nicht unbedingt einfach, denn im drei bis vier Meter tiefen Hafenbecken „ist schlechte Sicht“, wie Hagen feststellt. Zwei DLRG-Boote „ziehen dann die Mooring-Leinen an einer Kette zur Führungskette“, erläutert der 32-jährige Rettungstaucher. „Ziel ist, dass die Boote so genau wie möglich die Führungskette treffen, damit wir nicht so weit ziehen müssen. Dann schlagen wir die Leinen an“, beschreibt er die Unterwasserbefestigung. Eine kräftezehrende Arbeit, die Marc Hagen und seine Kameraden gleichwohl gerne übernehmen. Denn: „Tauchen macht immer Spaß“, sagt er. Außerdem handle es sich dabei um eine gute Übung für Einsätze im Ernstfall, denn ähnlich arbeiten die Rettungstaucher beispielsweise beim Bergen von Autos und Booten. Die Mithilfe bei der Bodenseewoche hat einen weiteren Vorteil: „Wir brauchen eine bestimmte Anzahl von Tauchgängen unter Einsatzbedingungen, für die Verlängerung unserer Einsatztauchscheine“, so Hagen. Die DLRG hilft aber nicht nur bei den Vorbereitungen, damit die zusätzlichen Schiffe im Konstanzer Hafen vertäut werden können, sondern ist auch während der Veranstaltung mit acht bis zehn Einsatzkräften und zwei Booten pro Tag für den Wasserrettungsdienst zuständig.
  • Der Schlepper: Von Donnerstagmorgen bis Sonntagabend ist Paul Grammer ein gefragter Mann. Der 52-Jährige zählt zum Schlepper-Team, jenen Motorbootfahrern, welche die nichtmotorisierten Regattayachten aus dem Hafen ins offene Gewässer und später wieder zurück ziehen. „Beim Rausfahren können wir drei Segelboote schleppen. Retour in den Hafen allerdings nur eines, weil wir es direkt an seinen Platz bringen müssen“, berichtet Grammer.
Als Schlepperfahrer bringt Paul Grammer die nichtmotorisierten Segelyachten zum Regattafeld und wieder zurück in den Hafen. Bild: Aurelia Scherrer
Als Schlepperfahrer bringt Paul Grammer die nichtmotorisierten Segelyachten zum Regattafeld und wieder zurück in den Hafen. Bild: Aurelia Scherrer

 

Wichtig sei ein gefühlvolles und vor allem vorausschauendes Manövrieren, aber das werde vor der Veranstaltung stets nochmals exakt geübt. Während und nach den Regatten „sind wir Schlepper immer sofort zur Stelle, wenn was ist“, so Grammer, der seit sieben Jahren extra aus dem Kreis Rottenburg anfährt und Urlaub nimmt, um bei der Internationalen Bodenseewoche mithelfen zu können. Warum? „Es macht einfach Laune“, meint er. Ehrenamtliches Engagement ist auch für ihn ein Selbstverständnis. „Ich mache gerne etwas für andere, denn die freuen sich darüber“, sagt Paul Grammer und fügt an: „Wenn andere ein Strahlen im Gesicht haben, dann ist das doch das schönste Dankeschön.“

 

Zu Wasser und zu Lande

Am Konstanzer Hafen und auf dem Bodensee ist während der Internationalen Bodenseewoche von Donnerstag, 24. Mai, bis Sonntag, 27. Mai, zu Wasser und zu Lande viel geboten. Auf der Hafenpromenade gibt es einen maritimen Markt mitsamt Riesenrad und Kinderkarussell. Auf Großleinwänden werden die Regatten übertragen, denn von Freitag bis Sonntag treffen mehr als 160 Segelyachten auf fünf Regattabahnen aufeinander. Neben Showeinlagen auf dem Wasser, wie beispielsweise Wasserski-Darbietungen, gibt es ein unterhaltsames Programm: Bootsvorstellungen, Präsentation von ferngesteuerten Schiffsmodellen, Kanu-Polo, Knotenkunde, abendliche Tanzveranstaltungen und vieles mehr. Die BSB bieten stündliche Rundfahrten in Verbindung mit den Regatten.

Die Bodenseewoche im Internet:internationale-bodenseewoche.com