Vier Schüler der Buchenbergschule sitzen auf dem Schiff „Hörnle“ im Staader Hafen, die Wellen bringen es gehörig ins Schwanken. Jana, Hend, Philippos und Daniele sind Teil der Matrosen AG der Schule am Buchenberg, einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ), früher Sonderschule genannt.

Hier gehen Kinder und Jugendliche der Klassen 1 bis 9 in die Schule, die sich mit dem Lernen schwer tun. Immer mittwochs widmet sich die Matrosen AG dem Thema Bodensee und Schifffahrt. Die jungen Seefahrer lieben ihr altes blaues Schulschiff mit den goldenen Lettern „Hörnle“. Doch dieses ist in die Jahre gekommen und muss dringend in die Werft.

Der 13-jährige Daniele erzählt, warum er Teil der Matrosen AG ist: „Meine Familie hat ein Segelboot. Auf dem Hörnle lerne ich wichtige Dinge, die mir auch beim Segeln helfen. Zum Beispiel Knoten machen.“ Schön sei es auch, bei den sommerlichen Fahrten auf dem Bodensee mal ins Wasser zu springen.

Richtung Mainau, Birnau und Unteruhldingen

Das ist aber längst nicht alles, wie Christian Rößler erzählt. Er ist Vorsitzender des Fördervereins der Schule und berichtet: „Wir fahren auch mal in Richtung Unteruhldingen oder zur Mainau und zeigen den Schülern markante Gebäude wie die Pfahlbauten oder die Birnau. Außerdem schauen wir auf der Seekarte nach, wie tief es dort ist, wo wir uns gerade befinden.“

Christian Rößler ist Vorsitzender des Fördervereins der Konstanzer Buchenbergschule.
Christian Rößler ist Vorsitzender des Fördervereins der Konstanzer Buchenbergschule. | Bild: Kirsten Astor

Ein Echolot besitzt das Hörnle nicht, auch der Radar funktioniert nicht mehr. „Bei Nebel müssen wir an Land bleiben“, sagt Rößler. Doch auch da gibt es genug zu tun: Knoten üben, Klampen belegen (also Taue festmachen), mit Kompass und geschlossenen Augen über den Schulhof gehen oder die Namen heimischer Fische und Vögel kennen lernen.

„Einmal im Monat kommt im Sommer auch der Schrubber raus, dann entfernen wir die Algen vom Boot“, so Rößler. Die 13-jährige Jana ergänzt angewidert: „Und die Spinnenweben.“

Die drei Matrosen Hend, Jana und Philippos (von links) von der Buchenbergschule sind stolz auf ihr Schulschiff „Hörnle“, das in die Jahre gekommen ist.
Die drei Matrosen Hend, Jana und Philippos (von links) von der Buchenbergschule sind stolz auf ihr Schulschiff „Hörnle“, das in die Jahre gekommen ist. | Bild: Kirsten Astor

Christian Rößler fährt neben Schulleiterin Nicole Friedrichs regelmäßig als Ehrenamtlicher mit auf den See hinaus. Er ist seit über 40 Jahren Mitglied der DLRG und auch Taucher. „Ich bin hier aufgewachsen und kenne den Bodensee von unten und von oben“, sagt er und lacht. „Deshalb möchte ich den Schülern gern weitergeben, wie schön es hier ist.“

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Das Hörnle, offiziell Bereisungsboot genannt, gehörte einst dem Landratsamt. Die Comenius-Schule, Vorgänger der Schule am Buchenberg, kaufte es 1998 ab. Nicole Friedrichs erzählt: „Es ist schon länger ein Thema, ob wir das Schiff halten können. Selbst wenn der Förderverein der Zeppelin-Gewerbeschule uns unterstützt, ist es finanziell schwierig.“ Für die Schüler wäre es toll, wenn die Zukunft des Bootes gesichert wäre, so die Schulleiterin: „Sie lernen an Bord auch, wichtige Regeln streng einzuhalten.“

„Die alte Dame muss in die Werft„

Auch Christian Rößler wünscht sich, dass es weitergeht mit dem fahrenden Klassenzimmer. Doch das Hörnle ist inzwischen 61 Jahre alt und muss generalüberholt werden. „Die alte Dame muss in die Werft„, so Rößler. Rund 100.000 Euro koste eine Werftrevision.

„Hier ist unser kleiner Förderverein auf Spenden angewiesen“, sagt der Vorsitzende. Bisher seien auf dem Konto des Vereins knapp 4000 Euro. Er stellt gerade eine Liste der nötigen Arbeiten zusammen. Unter anderem müsse die Farbe komplett erneuert werden, die Fenster ebenfalls, außerdem benötige das Hörnle neue Navigationstechnik.

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Der Einsatz lohe sich aber, sagt Rößler: „Das Schiff ist sehr gemütlich und lässt sich gut steuern. Außerdem ist der Motor noch intakt.“ Nicole Friedrichs kann sich gut vorstellen, das Hörnle künftig noch stärker zu nutzen, auch für die ganze Schule. „Wir könnten Fahrten für Sponsoren anbieten und unsere Schüler erklären dabei das Schiff„, sagt die Rektorin. Auch für alle, die nicht in der Matrosen AG sind, sei ein Ausflug auf den Bodensee toll. „Viele unserer Schüler kennen das gar nicht, auf dem Wasser zu sein.“