Es lag spürbar etwas in der Luft. Schon lange bevor das Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich losging, war die Hafenhalle voll. Selbstverständlich, es ist Public Viewing – ein Pflichttermin für Konstanz. Endlich wieder das alte Deutschland-Trikot überstreifen, Richtung Hafenhalle laufen und mit Freunden auf die Nationalelf anstoßen – das hat gefehlt.

Über die nebeneinander aufgereihten Biertischen wird das Spiel ausgewertet. Fast wie früher.
Über die nebeneinander aufgereihten Biertischen wird das Spiel ausgewertet. Fast wie früher. | Bild: Jannik Höntsch

Nach anderthalb Jahren Pandemie hatte das erste EM-Spiel nämlich nicht nur für die Nationalmannschaft Auftakt-Charakter. Auch für die 180 anwesenden Fans in der Hafenhalle war das Spiel die langersehnte Rückkehr ins Public-Viewing-Leben. Auf coronakonforme Art, versteht sich.

Drei Ordner kontrollierten dafür den Eingang zum abgesperrten Bereich hinter den Pavillons. Dort waren Fernseher aufgebaut und Biertische aufgereiht, auf denen Fans in Deutschland-Trikots und guter Laune saßen. Zwei Dinge, die man in den vergangenen Jahren eher selten verbinden konnte.

Für 180 Gäste bietet der Public-Viewing-Bereich aktuell Platz. Zwischen den beiden Pavillons ist die Einlasskontrolle.
Für 180 Gäste bietet der Public-Viewing-Bereich aktuell Platz. Zwischen den beiden Pavillons ist die Einlasskontrolle. | Bild: Jannik Höntsch
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Nach den erfolglosen Auftritten der deutschen Elf in der jüngsten Vergangenheit war die Nervosität der Mannschaft zunächst auch in der Hafenhalle spürbar. Jedenfalls bis die Nationalhymnen gesungen wurden – und sich drei junge Männer erhoben und voller Inbrunst mitsangen.

Einer davon ist Mathieu Goubier, Lyon-Fan und Politikstudent aus der Nähe von Grenoble, der in Konstanz seinen Master macht. Gemeinsam mit seinen Freunden sorgt er für gute Stimmung an diesem Abend. Immer mal wieder stimmen sie Fangesänge an, lachen, verbreiten gute Laune und heizen die Menge an.

Mathieu Goubier (links) und Laura Martínez Danke feiern das lang ersehnte Public-Viewing-Comeback.
Mathieu Goubier (links) und Laura Martínez Danke feiern das lang ersehnte Public-Viewing-Comeback. | Bild: Jannik Höntsch

Als Joschua Kimmich bereits in der siebten Minute die Gelbe Karte gezeigt wird, geht ein erstes Raunen durch die Hafenhalle. Als Mats Hummels in der 20. Minute auch noch ins eigene Tor trifft, kocht die Stimmung endgültig hoch. Eine Auftaktniederlage, das wäre schon bitter.

Immer wieder werden einzelne Ballaktionen beklatscht, Torraumszenen bejubelt, Gegenspieler ausgepfiffen. Die Hafenhalle gibt alles für den Ausgleich. Auch von außerhalb halten Passanten an, schauen dem Spiel vom Geländer aus zu.

Auch Passanten ließen sich von der Atmosphäre leiten und verfolgten das Spiel von außerhalb.
Auch Passanten ließen sich von der Atmosphäre leiten und verfolgten das Spiel von außerhalb. | Bild: Jannik Höntsch

Aber der Ausgleich will nicht kommen. Immer mal wieder hört man Sätze wie „Das darf doch alles nicht wahr sein.“ Aber am Ende bleibt es doch bei der Auftaktniederlage. Dennoch: „Mit den Leuten hat es mir hier sehr viel Spaß gemacht“, findet Layra Martínez Danke, eine Freundin von Goubier.

„Wir überlegen, das nächste Spiel nochmal hier zu schauen. Mal sehen, was das Studenten-Budget hergibt“, sagt sie lachend. Und Goubier? Der behält den Abend in guter Erinnerung: „Es hat Spaß gemacht. Frankreich hat gewonnen!“

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