Uli Burchardt wird seinen Wahlkampf bis August pausieren. Dies kündigte der Oberbürgermeister von Konstanz auf seiner privaten Internetseite an.

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Zuvor hatte der Gemeinderat beschlossen, den für 5. Juli geplanten Termin für die Wahl auf Ende September zu verschieben. Das Innenministerium des Landes hatte Gemeinden, in denen bis zum Ende der Sommerferien eine OB-Wahl stattfinden sollte, die Möglichkeit einer Verschiebung eingeräumt.

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Wie hatte OB Uli Burchardt seinen Schritt begründet?

In einer Videobotschaft auf der von der Stadtverwaltung unabhängigen Webseite sagt Uli Burchardt: „Es gibt seit Anfang März keinen Alltag mehr. Sondern es gibt viele und schwierige Aufgaben zu lösen, die meine ganze Konzentration brauchen, damit wir gemeinsam gut durch diese Krise kommen.“

Der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt über die Corona-Krise und deren Auswirkungen. Bild: Aurelia Scherrer
Der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt. | Bild: Scherrer, Aurelia

Nach seiner Auffassung sei nun nicht der richtige Zeitpunkt für Wahlkampf.

Die drei bereits bekannten Bewerber um das Amt melden sich zu Wort und folgen weitgehend der Linie des Amtsinhabers – einer zeigt sich dagegen überrascht angesichts des Alleingangs von Burchardt.

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Was sagt Luigi Pantisano zu Uli Burchardts Schritt?

Luigi Pantisano, der vom links-grünen Lager unterstützt wird, hält Uli Burchardts Entscheidung dagegen für „verständlich und zu respektieren“.

Luigi Pantisano war früher Quartiersmanager für die Gebiete Berchen/ Öhmdwiesen in Konstanz. Aktuell ist er Stadtrat in Stuttgart und erhält für seine Kandidatur um das Amt des Oberbürgermeisters von Konstanz die Unterstützung aus dem grünen und linken Lager.
Luigi Pantisano war früher Quartiersmanager für die Gebiete Berchen/ Öhmdwiesen in Konstanz. Aktuell ist er Stadtrat in Stuttgart und erhält für seine Kandidatur um das Amt des Oberbürgermeisters von Konstanz die Unterstützung aus dem grünen und linken Lager. | Bild: privat

Er könne dies als derzeitiger Stuttgarter Stadtrat gut nachvollziehen, „da ich im Moment ebenfalls sehr bemüht bin, beispielsweise die möglichen Folgen für Familien sozial und finanziell aufzufangen und sie in dieser Zeit bestmöglich zu unterstützen“.

Dies erfordere viel Zeit und Arbeit. Er selbst arbeite derzeit von zu Hause aus und betreue gemeinsam mit seiner Frau seine beiden Kinder. Mit den Konstanzern sei er mittels Video-Konferenzen oder über das Telefon im Gespräch. „Sobald die Lage es zulässt, werde ich auch wieder persönlich in Konstanz sein“, sagt Pantisano.

Mitbewerber Felix Müller: Zeit des Oberbürgermeister werde in Verwaltung „sicher dringender gebraucht“

Bereits vor Ort ist Felix Müller. Der parteilose Architekt und Klimaaktivist lebt in Konstanz und erhält unter anderem Unterstützung von Fridays for Future. Wie Pantisano äußert auch Müller Verständnis. Die Abläufe in der Verwaltung seien deutlich komplizierter geworden, „so dass seine (Uli Burchardts, die Redaktion) Zeit dort sicher dringender gebraucht wird“.

Der Architekt und Klimaaktivist Felix Müller geht als parteiloser Kandidat ins Rennen um die Wahl zum Oberbürgermeister von Konstanz.
Der Architekt und Klimaaktivist Felix Müller geht als parteiloser Kandidat ins Rennen um die Wahl zum Oberbürgermeister von Konstanz. | Bild: Anjana Perera

Wahlkampf unter derzeitigen Bedingungen sei „wenig zielführend“, er selbst habe ihn deshalb „auf unbestimmte Zeit heruntergefahren, zumindest was reale Gespräche und Begegnungen betrifft“. Zu relevanten Themen wie Klimaschutz oder die Entwicklung des Wohnungsmarkts wolle er sich dennoch weiter äußern.

Andreas Matt bezeichnet Burchardts Erklärung als „Teil einer Wahlkampfstrategie“

Andreas Matt, der als bisher letzter Interessent seinen Hut in den Ring geworfen hatte, ist von Burchardts Aussagen „überrascht“, wie er auf Anfrage sagt. „Im Moment gibt es sowieso keinen Wahlkampf im klassischen Sinn.“

Andreas Matt ist Betriebswirt und arbeitete zuletzt für den der Partei nahe stehenden CDU-Wirtschaftsrat in Sachsen-Anhalt. Auch er geht als parteiunabhängiger Kandidat in den nun verschobenen Wahlkampf.
Andreas Matt ist Betriebswirt und arbeitete zuletzt für den der Partei nahe stehenden CDU-Wirtschaftsrat in Sachsen-Anhalt. Auch er geht als parteiunabhängiger Kandidat in den nun verschobenen Wahlkampf. | Bild: Brumm, Benjamin

Der 53-Jährige werde in den kommenden Tagen seine eigenen Auftritte im Internet starten und zudem Einzelgespräche führen. Für öffentliche Veranstaltungsformate warte er auf die Entscheidungen der Bundes- und Landesregierung.

In Richtung Uli Burchardt ergänzt Matt: „Als Oberbürgermeister hätte ich mich mit meinen Mitbewerbern um das Amt abgestimmt und eine gemeinsame Erklärung abgegeben.“ Öffentlich eine Wahlkampf-Pause bis August anzukündigen, weil man jetzt im April anderweitig gebunden sei, hält Matt für den „Teil einer Wahlkampfstrategie – nicht mehr und nicht weniger“.