Wenn Norbert Pogantke seinen Transporter auf dem Lkw-Parkplatz im Industriegebiet abstellen will, fährt er direkt in die Laster-Hölle: Uringestank, Platzmangel, keine Toiletten. Dennoch sollen die Fahrer hier ihre verdiente Pause machen oder gar die Nacht verbringen.

Die Zustände auf dem Parkplatz seien unerträglich – besonders an Wochenenden und warmen Tagen, beschreibt der Konstanzer Lkw-Fahrer die Situation. Davor habe die Stadt sich um die Reinigung der Toiletten gekümmert. Dann seien sie aber plötzlich geschlossen worden.

Auf dem Gelände steht noch ein modernes Gebäude mit Kiosk, Aufenthaltsraum und Sanitäranlagen – doch es ist abgeschlossen. Laut Regierungspräsidium sei ein Neubau notwendig.
Auf dem Gelände steht noch ein modernes Gebäude mit Kiosk, Aufenthaltsraum und Sanitäranlagen – doch es ist abgeschlossen. Laut Regierungspräsidium sei ein Neubau notwendig. | Bild: Mario Wössner

„Die Sanitäranlagen sind seit fast vier Jahren nicht mehr in Betrieb. Und es gibt nicht einmal ein Dixie-Klo“, klagt er. Deshalb müssten die umliegenden Grünflächen als Ersatz herhalten.

„Für mich selbst ist das nicht so schlimm, ich kann heimfahren. Aber für Fernfahrer aus Osteuropa, die hier ihre Ruhezeiten am Wochenende verbringen müssen, ist das ein Problem“, erklärt Pogantke, der in Konstanz lebt. Denn die Fahrer müssen regelmäßig Zwangspausen einlegen. Sie dürfen nach 22 Uhr nicht mehr durch die Schweiz fahren. Der Andrang ist also groß.

Norbert Pogantke, Konstanzer Lkw-Fahrer
Norbert Pogantke, Konstanzer Lkw-Fahrer | Bild: Norbert Pogantke

Doch die Fahrer finden weder genug Stellplätze noch Toiletten vor – von einem Kiosk ganz zu schweigen. Eine mögliche Ursache für das Chaos: Die Zuständigkeiten sind unklar verteilt. Dem Bund gehört der Platz, die Stadt verwaltet ihn im Auftrag des Regierungspräsidiums Freiburg.

Toiletten seit Jahren außer Betrieb

Den Grund für die Schließung nennt Heike Spannagel, Pressereferentin des Regierungspräsidiums: „Die Sanitäranlagen wurden durch Vandalismus und Diebstahl so beschädigt, dass sie nicht mehr nutzbar sind. Darum mussten sie geschlossen werden.“ Doch das ist bereits vier Jahre her.

Hinzu kommt der Platzmangel: Der Aushub von der Baustelle am Sternenplatz wird auf Wunsch der Stadt Konstanz seit September auf dem Lkw-Parkplatz zwischengelagert, damit er auf Giftstoffe untersucht werden kann. Dadurch ist ein Drittel der Fläche gesperrt. Einen Ersatz für die Stellplätze gibt es nicht.

„Die Lkw stehen kreuz und quer“, beschreibt Pogantke das Chaos. Zudem könnten große Lastzüge den Parkplatz deshalb kaum noch nutzen, da man zugeparkt werde und gar nicht mehr rauskomme. Das Problem: Wer seinen Lastwagen woanders abstellt, riskiert einen Strafzettel.

Bereits im Sommer 2019 gab es eine Art Gipfel: Vertreter der Stadt, des Regierungspräsidiums Freiburg und vom Verband des Verkehrsgewerbes Baden, also Lkw-Fahrer, trafen sich. Norbert Pogantke war auch dabei: „Es war ein gutes Gespräch, uns wurde zugehört.“

Das könnte Sie auch interessieren

Dabei wurden vom Regierungspräsidium und der Stadt sogar Lösungen für die Probleme versprochen. Dieter Bollinger, Referatsleiter Straßenbau Süd im RP, sagte damals zu, mit Stadt und Zoll noch 2019 an einer Lösung zu arbeiten. Doch getan habe sich danach nichts. „Die Zustände sind noch genauso wie vor dem Gespräch. Wir sind enttäuscht“, sagt Pogantke.

Wie soll es weitergehen?

„Die Sanitäranlagen können wegen der Beschädigungen nicht mehr saniert werden. Daher ist ein Neubau der Anlage notwendig“, erklärt Heike Spannagel. Die Stadtverwaltung verweist zudem auf aktuelle Gespräche über Verbesserungen mit dem Eigentümer, also dem Bund, ohne dabei konkreter zu werden.

Der Parkplatz darf nur von Lkw benutzt werden. Dennoch ist die knappe Fläche oft mit Pkw und Anhängern vollgestellt.
Der Parkplatz darf nur von Lkw benutzt werden. Dennoch ist die knappe Fläche oft mit Pkw und Anhängern vollgestellt. | Bild: Mario Wössner

Hauptproblem hierbei: Man fürchte eine erneute Zerstörung der Anlagen. „Momentan ist aber ohnehin noch unklar, ob der Lkw-Vorstauraum weiter betrieben wird“, verrät Spannagel. Ein neuer Standort mit besserem Anschluss an die B33 sei im Gespräch.

Doch inzwischen würden sich die Lkw-Fahrer auch mit weniger zufriedengeben: „Uns wäre schon viel geholfen, wenn wir wüssten, wie lange der Aushub noch bleibt und wenn es endlich eine Toilette gäbe“, sagt Pogantke. „Man könnte doch wenigstens ein Dixie-Klo aufstellen“, fügt er resignierend hinzu.