Bevor der Gemeinderat voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte zur Sache entscheidet, bekommen betroffene Anwohner die Möglichkeit, schriftlich Stellung zu nehmen. Die Stadtverwaltung will sie deswegen in den nächsten Wochen anschreiben. Diese Namen stehen auf der Tilgungsliste:

Felix Wankel (1902 bis 1988), Erfinder des nach ihm benannten Motors, schloss sich 1921 dem antisemitischen Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund an. 1922 trat er dann in die NSDAP ein – und 1926 nach deren Verbot nochmals. Er leitete Gruppen der Hitlerjugend. Trotz Parteiauschlusses wegen inhaltlicher Differenzen sympathisierte Wankel weiter mit dem Nationalsozialismus. Von 1940 bis 1942 war er in der SS als Obersturmbannführer.

Werner Sombart (1863 bis 1941), Soziologe und Volkswirt, verfasste viel beachtete, aber auch Krieg, Hass und Antisemitismus fördernde Schriften. Sie sollen als Wegbereiter des Nationalsozialismus gedient haben.

Otto Raggenbass (1905 bis 1965) vertrat als ehemaliger Kreuzlinger Bezirksstatthalter ab 1938 eine äußerst restriktive Politik gegenüber Flüchtlingen aus NS-Deutschland. Unter anderem verfügte er 1944 die Rückschaffung eines von der Gestapo verfolgten Halbjuden, der nach Ermatingen geschwommen war.

Paul von Hindenburg (1847 bis 1934) hat als Reichspräsident im Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler berufen. Mit der Unterzeichnung der „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ im Februar 1933 und dem Ermächtigungsgesetz vom März 1933 ebnete von Hindenburg den Weg in die Diktatur.

Franz Knapp: Der frühere Konstanzer OB (1880 bis 1973) hatte als Rechtsrat freiwillig dem NS-System gedient und nach der Zerstörung der Konstanzer Synagoge die jüdische Gemeinde unter Druck gesetzt, um ihr die Kosten für die Räumung der Gebäudetrümmer aufzuerlegen.

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Conrad Gröber: Der frühere Stadtpfarrer von Konstanz und Freiburger Erzbischof (1872 bis 1948) sympathisierte in den Anfangsjahren mit dem NS-Regime. Er wurde förderndes Mitglied des SS. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fiel er durch antisemitische Äußerungen auf.­­­­­

Bereits 2014 hatte der Konstanzer Gemeinderat Richtlinien zur Umbenennung von Straßen und Plätzen erlassen. Nach diesen sollte kein öffentlicher Raum mehr nach einem Repräsentanten des Nationalsozialismus oder eines sonstigen Unrechtsregimes benannt sein. Die Expertenrunde hat laut Stadtverwaltung inzwischen alle 190 nach Personen benannten Straßen in Konstanz nach diesen Kriterien überprüft – und sechs Problemfälle benannt.

In einem ersten Schritt hatte der Gemeinderat zuletzt Franz Knapp, Conrad Gröber und Paul von Hindenburg die Ehrenbürgerwürde entzogen. Die Initiative Stolpersteine und der Konstanzer Historiker Arnulf Moser hatten gefordert, konsequent zu handeln und jetzt auch die Straßen umzubenennen.

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