Drei Ehrenbürgern hat der Konstanzer Gemeinderat die Würde dieses Titels wieder entzogen. Es sind: der frühere Rechtsrat und spätere Konstanzer Oberbürgermeister Franz Knapp, der ehemalige Freiburger Erzbischof Conrad Gröber und der frühere Reichspräsident Paul von Hindenburg.

OB Franz Knapp (rechts), der zwölf Jahre lang der nationalsozialistischen Stadtspitze als Rechtsrat gedient hatte, empfängt 1950 die Elefanten AG im Rathaushof. Links neben ihm: Elferrat Erich Enssle als „Dalai Lama“.
OB Franz Knapp (rechts), der zwölf Jahre lang der nationalsozialistischen Stadtspitze als Rechtsrat gedient hatte, empfängt 1950 die Elefanten AG im Rathaushof. Links neben ihm: Elferrat Erich Enssle als „Dalai Lama“. | Bild: Rosgartenmuseum

Nachweise zur Beteiligung am Regime der Nationalsozialisten

Für alle drei liegen Nachweise vor, nach denen sie in der NS-Zeit mit dem Unrechtsregime kooperiert oder es sogar nach Kräften unterstützt haben. Der Historiker Uwe Brügmann von der Initiative Stolpersteine fordert, dass nun auch keine Konstanzer Straße mehr ihren Namen tragen dürfe. Und er nennt Beispiele von Menschen, zu deren Ehren Straßen benannt werden sollten.

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Vorschläge für neue Namenspaten von Straßen gibt es bereits

„Wenn man die Personen degradiert, sollte man sich auch um neue Straßennamen kümmern“, sagt Uwe Brügmann im Gespräch mit dem SÜDKURIER über die drei nun ehemaligen Ehrenbürger. Wer für den Namen einer Konstanzer Straße Pate steht, sollte in der Geschichte dieser Stadt eine wichtige Rolle gespielt haben, sagt Brügmann – so wie der jüdische Architekt und Freimaurer Josef Picard (1879 bis 1946).

Zwei Männer der Familie Venedey werden ebenfalls vorgeschlagen

Weitere Kandidaten für eine Straßenbenennung sind für Brügmann die Brüder Hermann und Hans Venedey, die beide nach der Reichstagswahl im März 1933 gegen das Hissen von Hakenkreuz-Fahnen protestierten, und so bis zur Emigration Repressionen der NS-Peiniger ausgesetzt waren. Der damalige Lehramtsassessor Hermann Venedey weigerte sich am Konstanzer Gymnasium (heute Suso), den Dienst unter der Fahne anzutreten.

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Der Jurist und SPD-Politiker Hans Venedey schritt gegen die Fahne am Rathaus ein. Nach dem Vater der beiden, Martin Venedey, der sich für eine demokratische Republik und Frieden einsetzte, ist schon eine Straße in Konstanz-Petershausen benannt.

Paul von Hindenburg: Er machte die NS-Diktatur möglich

Der Gegensatz: Die drei Bürger, die sich jetzt keine Konstanzer Ehrenbürger mehr sind, haben nach Erkenntnissen der Stadtverwaltung und Historikern das NS-Regime mitgetragen und unterstützt. Paul von Hindenburg hat nach heutigem Wissensstand als Reichspräsident den alleine zu verantwortenden Entschluss getroffen, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu ernennen und ermöglichte so die NS-Diktatur.

Franz Knapp: Hatte sich dem NS-System angedient – freiwillig

Franz Knapp hatte als Rechtsrat freiwillig und ohne persönliche Not dem NS-System gedient, und nach der Zerstörung der Konstanzer Synagoge die jüdische Gemeinde unter Druck gesetzt, um ihr die Kosten für die Räumung der Gebäudetrümmer aufzubrummen. Danach hatte er den Aufkauf des Geländes durch die Stadt Konstanz in die Wege geleitet.

1947: OB Franz Knapp (Zweiter von rechts) empfängt den badischen Staatspräsidenten Leo Wohlleb. Knapp war ein Jahr zuvor gewählt worden.
1947: OB Franz Knapp (Zweiter von rechts) empfängt den badischen Staatspräsidenten Leo Wohlleb. Knapp war ein Jahr zuvor gewählt worden. | Bild: Archiv Südkurier/ Fecker

Conrad Gröber: Sympathien für Hitlers Regime und SS-Förderer

Der frühere Freiburger Erzbischof Conrad Gröber sympathisierte in den Anfangsjahren mit dem NS-Regime. Er wurde förderndes Mitglied des SS. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs fiel er durch antisemitische Äußerungen auf.

Der Freiburger Erzbischof Conrad Gröber: Er war zuvor Geistlicher in Konstanz und hatte eine Beziehung zu einer Jüdin, die er später denunzierte.
Der Freiburger Erzbischof Conrad Gröber: Er war zuvor Geistlicher in Konstanz und hatte eine Beziehung zu einer Jüdin, die er später denunzierte. | Bild: Erzbischöfliches Archiv Freiburg

„Der braune Conrad„: Seine jüdische Geliebte denunzierte Gröber

Conrad Gröber hatte, wie Uwe Brügmann bereits für eine Biographie recherchierte, ein Verhältnis mit Irene Fuchs, einer Jüdin. Allerdings wird ihm nachgesagt, Antisemit gewesen zu sein. Er denunzierte sie später, als es um seine Affäre ging. Gröber bezeichnete Irene Fuchs als Lügnerin und „rachenehmende Jüdin“.

Die Conrad-Gröber-Straße am Sternenplatz. Die Initiative Stolpersteine will den Namen auf dem Schild nicht mehr sehen.
Die Conrad-Gröber-Straße am Sternenplatz. Die Initiative Stolpersteine will den Namen auf dem Schild nicht mehr sehen. | Bild: Hanser, Oliver

Er fasste es als Beleidigung auf, dass ihrer Aussage gegen ihn als „deutschstämmigen Mann“ derart nachgegangen werde. 1925 ging er nach Freiburg. Der Erzbischof zeigte Nähe zu den Nationalsozialisten – er salutierte wohl mit Hitlergruß – und war SS-Mitglied. Sein Spitzname lautete „Der braune Conrad“.

Straßenumbenennungen hat es in Konstanz schon früher gegeben

Die Linke Liste und Freie Grüne Liste hatte im Herbst 2019 den Entzug der Ehrenbürgerwürde beantragt. Während bei Hindenburg das Votum des Gemeinderats einstimmig war, enthielten sich bei Gröber sechs Räte, bei Knapp acht mit einer Gegenstimme.

Mit Straßenumbenennungen hat Konstanz bereits Erfahrung. So ist der Wilhelm-von-Scholz-Weg vor Jahren in „Zur Therme“ umgewidmet worden. Der Schriftsteller Wilhelm von Scholz zeigte in seinen Werke Sympathien für die Nationalsozialisten. Der Gemeinderat hat auch Ex-OB Bruno Helmle bereits die Ehrenbürgerwürde aberkannt.